Drago Jancar

Katarina, pav in jezuit

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Drago Jancar (Bild: R. Swartz)
ALEKSANDER ZORN (Professor der vergleichenden Literaturwissenschaft, Kritiker, Essayist und Redakteur beim größten slowenischen Verlag, Mladinska knjiga, in Ljubljana).

Aus dem Slowenischen von KLAUS DETLEF OLOF

Katarina, pav in jezuit (Katharina, der Pfau und der Jesuit) (2000) ist ein historischer Roman und doch ein ganz zeitgenössisches Epos, das wir nur aus unserer Welt heraus verstehen können. Das ganz für uns spricht, mit all der Erschütterung, die wir nicht in die Vergangenheit zurückdrängen können, aus der seine Helden gekommen sind, um ihre Tragik abzuwerfen. Drago Jancar ist ins achtzehnte Jahrhundert hinabgestiegen, zu den schönen und ergreifenden Bildern alter Wörter, zu den alten Slowenen und Europäern, ihren Kriegen, Wallfahrten und Glaubensüberzeugungen, um die riesenhafte Barockleinwand unseres Heute restaurieren zu können. Als wollte er wieder zurückkehren zu der Ästhetik seiner reifen Klassik. Zu den großen schriftstellerischen Werken Galjot (Galeerensklave) und Severni sij (Nordlicht) haben sich jetzt auch Katharina, der Pfau und der Jesuit gesellt.

In diesem Roman bekommt der poetische Fatalismus der gewesenen Leben der Jancarschen Helden im banalen Barock von Heute den Glanz des Ästhetischen. Wir sehen sie beinahe als den riesigen Kosmos einer einzigen Bewegung, die wir erst jetzt zu begreifen vemögen. Die Poetik des Schriftstellers scheint sie gerade in der Erzählform der Vergangenheit in den Griff zu bekommen, so als würde sie ein Schicksal betrachten, das sie schon kennt. Als wüßte sie um das Ende. Obwohl das Ende etwas ist, was erst kommt.

Die Zeit von Katharina, der Pfau und der Jesuit ist die Epoche großer menschlicher Wallfahrten. Eine Zeit des Zweifels, in der die Wahrheit vielleicht gerade noch am Ende des Weges zu Haus ist, wie etwa der große goldene Schrein in Köln am Rhein, der die unwiderlegbaren Beweise der Gegenwart Gottes und seines Erbarmens birgt. Eine Zeit, in der die unwiderlegbaren Beweise in zweifelhafte Reliquien gesteckt sind. Eine Zeit, in der sich die Zeichen am Himmel nur noch als Replik eines längst geschriebenen heiligen Textes erweisen. Eine Zeit, in der der missionarische Gott, der Eroberer fremder Heidenvölker, nur schwer zurückfindet in den winzigen und doch unendlichen Kosmos der verlassenen Menschenseele. Eine Zeit, in der sich der reine Glaube allein im Herzen erweist und in der seine riesige kirchliche Macht nicht mehr genügt.

In diese Zeit bricht das im Titel genannte Dreigespann auf, in ein apokryphes Wallfahrerpurgatorium inmitten des Aufeinanderprallens von Menschen und Elementen. Am Ende des Weges, an fremdem Ort, warten möglicherweise wirklich Festigkeit und Offenbarung. Vielleicht wird der Krieger seinen Krieg gewinnen und seinem Stolz genügen, vielleicht wird der Jesuit seine erschütterte einfache Gläubigkeit zurückgewinnen, vielleicht wird Katharina wird den Einen und Einzigen fürs ganze Leben gewinnen. Aber sie gewinnen nicht. Weder den Stolz, der nur Eitelkeit ist, noch den Glauben, der nur die Wahrheit der Societas Jesu ist, noch den einzigen, ergebenen Mann. Alles, was sie gesucht haben, verlieren sie, damit sich etwas Drittes offenbaren kann, etwas Wichtigeres und Schicksalhafteres. Das aber ist: eine ganz andere Liebe und ein ganz anderer Glaube und ein ganz anderes unstolzes Ende. Alles, was sie gefunden haben, ist so sehr von dieser lebendigen Welt, daß es auch von jener ewigen sein könnte. Nur so kann sich alles erfüllen. Nur mit dem großen Menschheitserbarmen Katharinas, das größer ist als jede Vergebung der Sünden. Vielleicht gibt es deshalb am Ende einen Rest Hoffnung, daß diese Wallfahrt sinnvoll war.

Katharina, der Pfau und der Jesuit ist einer der großen slowenischen Romane der letzten Jahrzehnte. In ihm ist alles vereint, was Drago Jancar an Wichtigem geschrieben hat, um hier noch erschütternder, noch packender, schicksalhafter und neuartiger vor uns hinzutreten. Große Arsenale der Sprache werden freigesetzt und errichten aus alten Wörterbüchern mittels moderner Erzählverfahren eine literarische Welt, die mehr die Welt von uns Heutigen ist als eine der Vergangenheit und die wahrhaftiger ist als die Literatur.















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