Steve Sem-Sandberg

All forgängligt är bara en bild
All forgängligt är bara en bild
von Steve Sem-Sandberg
Bonniers (Stockholm) (1999) 286 Seiten.

COPYRIGHT:
Albert Bonniers Förlag
Box 3159
103 63 Stockholm

Tel. 08-696 86 20
info@abforlag.bonnier.se

Der Titel dieses Buches ist ein Zitat aus Goethe´s Faust, Teil II: Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.

All forgängligt är bara en bild (Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis) ist ein mutiges Buch, das eine Synthese aus verschiedenen zur Zeit unzeitgemäßen Ansätzen der Romanschriftstellerei versucht: der historische Roman, der Dokumentarroman und der "Ideenroman". Seine Kernaussage ist, dass weder Intellektueller noch Künstler es vermeiden können, in politische und soziale Umbrüche verwickelt zu werden, da sie sich der drängenden Notwendigkeit eines moralischen Imperativs stellen müssen. Konkret wird dies vor der Kulisse der Räterepubliken, die in Deutschland 1918 gegründet und von Arbeiter- und Bauernräten regiert wurden - die sozialistische Antwort auf die Verzweiflung einer hungernden, kriegsmüden Bevölkerung. Die Räterepubliken bedrohten den Zusammenhalt Deutschlands, aber im Frühling 1919 war nur noch die bayrische Räterepublik mit ihrer Hochburg München imstande, die preußisch geführten Truppen, die zur Niederwerfung der Rebellion ausgeschickt wurden, zu bekämpfen.

All forgängligt är bara en bild führt historische Gestalten näherungsweise tatsachengetreu vor, etwa Lou Andreas-Salome, einen russischen Schriftsteller, der in Berlin und Wien lebte, Freund von Nietzsche und Rilke und Freuds Schüler der Psychoanalyse. Der intellektuelle Held des Romans ist Ernst Toller, ein Schriftsteller und Dramatiker, der hauptsächlich politische und moralische Fragen behandelte.

Die Reaktion auf All forgängligt är bara en bild in der schwedischen Presse war gemischt. Maria Bergom-Larsson, die Kulturredakteurin der Stockholmer Zeitung Aftonbladet sagt: "Sem-Sandberg stellt wichtige Fragen über das Individuum versus die Gesellschaft" und zeigt auf, wie Tollers dramatisches und letztlich tragisches Leben (er beging 1939 Suizid in einem New Yorker Hotelzimmer) eine Verkörperung der Themen, über die er schrieb und sprach, darstellte. Bergom-Larsson betrachtet Ernst Toller als den Drehpunkt, um den sich die ganze Handlung dreht. In einer kurzen Diskussion mit einem anonymen politischen Radikalen im Gefängnis, über den ein Todesurteil verhängt wurde, tritt Toller für Menschlichkeit ein gegen jenen politischen Determinismus, für den der Zweck die Mittel heiligt - ein faschistisches Credo, heute so aktuell wie 1919.

Magnus Nilsson´s Besprechung in der Linkszeitschrift Clarte ist kritischer. Nilsson sieht als den zentralen Konflikt des Romans nicht den zwischen Ästhetik und Moral an, sondern zwischen zwei politischen Einstellungen, der Tollers und der des Kommunistenführers Levine. Die Konfrontation zwischen Toller und Levine verdeutliche Fragen historischer Notwendigkeit, revolutionärer Gewalt und der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft. Tollers Gespräche mit dem anonymen Gefangenen andererseits "bewirken, dass sich die ganze Diskussion ins Irreale verflüchtigt". Dennoch ist Nilsson von der Stärke der politischen Analyse, die Kontinuitäten zwischen dem Antikommunismus des frühen 20. Jahrhunderts und dem Faschismus aufzeigt, beeindruckt.

All forgängligt är bara en bild hat den Mut zu politischen und moralischen Überzeugungen und bietet ein reiches und faszinierendes Bild einer Epoche der kulturellen Umwälzung in Europa.


Anna Paterson (übersetzt von Elvira Veselinovic)





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