In dieser Ausgabe
Wiliam Owen Roberts
Paradwys (Paradies)
Paradwys
Barddas
467 Seiten
COPYRIGHT
Matthew Bates
Sayle Screen
11 Jubilee Place
London SW3 3TD.
www.saylescreen.com
Nach Bingo! und Y Pla (Der Schwarze Tot) ist Paradwys (Paradies) der dritte Roman von Wiliam Owen Roberts. Der Handlungszeitpunkt ist das letzte Viertel des 18. Jh., vor dem Hintergrund der Französischen und Amerikanischen Revolution, als Tom Paine seine Menschenrechte schrieb, der Widerstand gegen den Sklavenhandel aufkam und die Idee einer industriellen Revolution sich in den Köpfen der englischen aristokratischen Kapitalisten herauskristallisierte. Im Mittelpunkt des Buches steht der Earl Foston, der seine Biographie abgefasst haben möchte, aber warum ausgerechnet von einem bankrotten Tapetenhändler am Rande des Selbstmords? Während sich die Erzählung an die Antwort auf diese Frage herantastet, kommt die dunkle Seite des Earl Foston zum Vorschein und wir beschreiten verborgene Kammern in den Katakomben der Hobart-Dynastie. Paradwys gehört zwar zum Genre des historischen Romans, dessen Bedeutung ist jedoch nicht auf die Zeit seiner Handlung beschränkt. 'Was für eine glorreiche Sache, die mächtigen Füße des Handels durch die Welt schreiten zu sehen, um die Zivilisation auf das trostloseste Land am äußeren Rande des Ozeans niederzutrampeln,' denkt der Earl Foston, Besitzer großer Zuckerplantagen in der Karibik mit afrikanischen Sklavenarbeitern. Paradwys reizt die in diesen Worten latenten Zynismus und Heuchelei aus, aber Roberts' unmittelbares Anliegen ist es, die Geschichte des Biographen des Earl Foston, Polmont, zu erzählen, welcher kein Mittel unversucht lässt und sich als ein Sohn des degenerierten Zwillingsbruders des Earl Foston herausstellt; eines Mannes, der sowohl ihn als auch seine Schwester als junge Kinder in Jamaika verkauft hatte. Polmont, der zunächst Ehrfurcht vor dem Earl empfindet, gerät zunehmend in Uneinigkeit mit diesem. Als er schließlich erfährt, dass sein Vater, der Zwillingsbruder des Earls, in London eine vernichtende Lebensgeschichte des Earl zur Veröffentlichung vorbereitet, sieht er ein, dass er nur ein Bauer in einem Schachspiel mit ständig wechselnden Regeln ist. Die Feindschaft zwischen Onkel und Neffen findet ihren Höhepunkt in Mord und Totschlag in Nord-Wales, während der Earl auf einem weißen Pferd durch die Wolken reitet. Paradwys, mit seiner übermütigen Handlung, Liebe zum Detail und ausgefeilter Charakterzeichnung, ist eines der wichtigsten auf Walisisch geschriebenen Romane. In ihm hat Wiliam Owen Roberts, wie es die besten Schriftsteller tun, an seiner eigenen Sprache geschmiedet, um das Walisische in vollem Glanz ins 21. Jahrhundert zu entsenden.
Diarmuid Johnson (Deutsch von Elvira Veselinovic)
© University of Wales, Aberystwyth 2002-2009
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