Nichts als Licht: Saila Susiluoto

Nichts als Licht
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Saila Susiluoto. Gedichte aus Huoneiden kirja ('Das Buch der Zimmer', Otava, 2003.) Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.






1. Der Lagerraum
'Der Lagerraum, in dem der Mann lebte, der zuletzt das Haus renoviert hatte', von Saila Susiluoto. Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.
Der Mann machte einen Stuhl nach seinem Bildnis, mit vier Gliedmaßen, stark genug, jahrhundertelang ein größeres Gewicht zu tragen als sein eigenes. Er trank ein Glas vom Schweiß eines trägen Sommers, baute ein Haus in einer Woche, das ebenfalls Jahrhunderte überdauerte. Wenn er einer Frau keine Blume bringen konnte, brachte er ihr das Bild einer Blume. Wenn er ihr nicht sich selbst bringen konnte, brachte er ein anderes Bild, auf dem das Wasser seinen Rücken darbot, die Sonne ihr sonniges Gemüt. Er sagte: Helligkeit ist eine gegenseitige Vereinbarung. Und wenn er ging, glühte die Sonne auf seinen Schenkeln, die Waden sagten: Wir werden stark, damit du gehen kannst, nicht schneller als zuvor, aber weiter.





2. Die griechischen Kacheln
'Die griechischen Kacheln im Badezimmer', von Saila Susiluoto. Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.


Die Tochter pustet Blasen in die Luft, sagt: Den Sänger retten die Delfine, der jedes Lied singt, als wäre es sein letztes, aus schierer Freude, aus Glück, aus purer Liebe zu den letzten Liedern. Ich segle auf dem Emaillewasser der Wanne, mein Lied ist eine Flöte, ein helles Xylophon. Wenn ich singe, formt sich der Schaum zu einer Burg, einer Mauer, gewundenen Gängen, in denen meine Stimme widerhallt. Ich singe für die Schaumgeborene mit der Muschel am Ohr, und für die, die ungeboren bleibt. Ich habe ein poröses Schaumschloss, ich bin eine schlechte Herrscherin, die Frau des Alls, den Göttern lieb.





3. Das Kinderzimmer
von Saila Susiluoto. Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.
Es regnet im Zimmer, und alles ist vorstellbar: Aquaplaning, durchnässte Markisen auf dem Markt, raschelnde Regenmäntel. Ein Kind springt in eine Pfütze, sein Stiefel saugt Wasser auf. Jetzt quietscht er nicht mehr, und da er ein Loch hat, weiß nun auch das Kind, wie es ist, wenn ein Eimer kein Wasser hält, nichts, wenn ein Gefäß sich nicht füllt, wenn ein Boot leckt oder ein Mensch, wenn man in sich hineinschöpfen muss, um nicht leer zu werden, um nicht zu ertrinken in dem, was man in sich zu halten versucht. Doch der Stiefel wollte kein Wasser, ursprünglich, und der Fuß des Kindes wollte den Stiefel nicht, das weiß das Kind, spätestens jetzt weiß das Kind alles, was zu wissen ist.






4. Glasmalerei
von Saila Susiluoto. Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.
Im Garten wachsen den Vögeln zwei Köpfe. Die Lilienkronen ragen hoch hinauf, strecken sich der Sonne entgegen, spalten sich tief und orangefarben wie die flatternden Gewänder der Mönche, reißen Kerben in die Sonne. Zwei Lilien wachsen an jedem Stiel, jeder Stiel spaltet sich, aus jedem Spalt wächst ein neuer Stiel, wie an einem gestutzten Apfelbaum, einem hoffnungsvollen Menschen. In die Wunde zwängt sich ein Schößling, wächst in der aufgerissenen Erde, in der Frau, zur Zeit des Neumonds, wenn der Mond eine schimmernde, scharfknochige Sichel ist, wenn die Schritte schwach sind, über eine Kluft führen, wenn silberne Autos mit blutroten und milchweißen kollidieren, wenn die Flüsse ihre Gabelungen verdoppeln, wenn die Sphinx sich auflöst in Tier und Mensch, der Mensch in Mann und Frau, die Frau in Erwachsene und Kind, das Kind in Gut und Böse. Lasst uns nicht von Gut und Böse sprechen. Alles nimmt letztlich die Form der Tränen an, Schmuckstücke, was von einem Menschen bleibt, Regen. Es ist die Gussform des Alls, die letzte Note.






5. Ein Zimmer im Zeichen der Fische
von Saila Susiluoto. Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.
Ein Mädchen sitzt neben einem Aquarium, reglos, ein Jahr lang oder zwei. Ihr Herz gleitet langsam durch ihr Inneres wie der Mond, langsam wie der Mond gleitet es über den ruhigen Strom des Blutes. Dann schwimmen mit blitzender Haut die Fische heran, um sie anzuschauen. Sie sieht ihre Formen, ihre Schuppen, die wehenden Stoffbahnen der Flossen. Sie sieht die Bernstein verströmenden Fühler, die Gewänder, die Körper sind, die Ohren, die das grüne Salz der Brandung riechen. Sie sieht die Wunder der sieben Meere, zuletzt die Augen, mit denen man isst. Ein Fisch gleitet aus der Stille des Wassers, schaut durch das Glas, ruft: Du wirst hungrig werden, einen Fisch bekommen, Bitte und Antwort, dazwischen das unendliche Echo!





6. Das Labyrinth
von Saila Susiluoto. Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.
Bäume erheben sich aus dem Wasser zum mattschwarzen Himmel. Von den nassen Stämmen tropfen Wasser und Borkengeruch, die Wurzeln ruhen in der Klarheit des Wassers. In der Klarheit des Wassers glitzern Moos, Vergissmeinnicht, die sonnigen Wellen der Rapsfelder. Die Häuser ragen aus dem Wasser wie lange graue Zähne, an ihren Fenstern wehen schwarze Wimpel, wir verirren uns im Labyrinth, ein jeder. Und was sich entzündet, wenn wir uns in der Dunkelheit ertasten, ist kein Faden, sondern das Licht.






7. Ein Fenster, zum Teil unter Wasser
von Saila Susiluoto. Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara.
Wenn Schönheit nur zwischen Geburt und Verfall existiert, die Kraft des Blühens nur von diesen geliehen, ist die Erinnerung wahrer als das Geschehen. Wenn das Wahre schön ist, das Schöne wahr. Es stimmt, Wasser ist über mich gelaufen, kunstvoll wie ein Blender. Schmerz ist in Menschengestalt durch mich hindurchgezogen. Nun hängt das Boot schwankend an der Decke des höchsten Zimmers, an dünnen Fäden schaukeln wir. Mit unserer Trauer, unseren Passagen, ein Weg durch die Köpfe, nicht von Kopf bis Fuß. Ohne jene Verzögerung, in der die Form Wahrheit wird, wenn Wahrheit nur zwischen Geburt und Verfall existiert.











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