In dieser Ausgabe
Olli Jalonen
Optimale Pflegepraxis
Da an der Basis in jüngster Zeit Fragen hinsichtlich der Allokation der Investitionsressourcen unseres Produktionsbereichs angesichts der generellen Veränderungszwänge in unserem geschäftlichen Umfeld aufgekommen sind, haben wir in enger Zusammenarbeit mit anderen Herstellerorganisationen einen Leitfaden der optimalen Pflegepraxis erstellt, der in großen Zügen und für die einzelnen Produktionssegmente aufzeigt, wie die derzeitige Marktlage bei der Ausübung unseres Gewerbes zu berücksichtigen ist.
Die Broschüre Optimale Pflegepraxis. Zweckmäßige Raumplanung, nutzungsorientierte Maßnahmen und Allokation der Produktivkräfte will, wie im Untertitel präzisiert, die für die einzelnen Nutzungssektoren relevanten neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse präsentieren und so unserer Mitgliederschaft Hilfsmittel für die Beschlussfassung bei der Planung investitionsintensiver Organisationsreformen an die Hand geben.
Ein Impuls für die Erstellung des Leitfadens ist die Verschärfung der globalen Marktlage, von der unter den Hauptproduktionssegmenten vor allem der Sektor Oberflächenmaterial betroffen ist. Dieser kurzfristig realisierte Entwicklungstrend ist auf die Inbetriebnahme neuer, auf Massenkonsum zielender Anlagen im Fernen Osten zurückzuführen. Insbesondere der ausschließlich auf Retriever spezialisierte Produktionsbetrieb in Qiqihar in Nordchina ist in beträchtlichem Maß mitverantwortlich für die in letzter Zeit aufgetretenen Marktturbulenzen.
Durch Effektivitätssteigerung der Funktionsbereiche und durch rassen- und farbtonspezifische Konzentration auf Qualitätsfragen wird es möglich sein, die bisherige Position zu behaupten. Dringend geboten ist ferner die Steigerung der Produktionskapazität, u.a. durch effizientere Nutzung der Erst- und Endlagerungsräume.
Neuesten internationalen Untersuchungen zufolge kann der Stauraumbedarf insbesondere für Golden Retriever und Labradore wesentlich verringert werden. Durch Anbringung von Trennwänden aus festem Maschendraht in etwa 35 cm Abstand lassen sich zudem erhebliche Einsparungen bei den Fütterungskosten erzielen, da die unnötige Lateralbewegung der Retriever praktisch vollständig verhindert wird. Auch Aufwärtsbewegungen können durch Absenkung der Maschendrahtdecke auf die Schulterhöhe des Produktionstiers eingeschränkt werden.
Die Raumbeschränkung ermöglicht in Endlagerungsräumen mit Etagenstruktur eine Steigerung auf bis zu zehn Produktionsebenen. Das Problem der durch die Drahtzwischendecken fallenden Exkremente lässt sich durch Herabsetzung des Faser- und Flüssigkeitsgehalts der Nahrung minimieren.
Sofern es die Konstruktion des Lagerungsraums zulässt, können die Produktionseinheiten auch dauerhaft fixiert werden, so dass die Fütterung durch Infusion einer Nährmittellösung erfolgen kann. Diese Maßnahme verringert die Verätzung des Fells durch Urea und ermöglicht zudem eine optimal periodisierte qualitätssteigernde Medikation.
Neben den im Sektor Oberflächenmaterial traditionell vertretenen Rassen und Farbtönen, also Retriever, Dalmatiner und Pointer, zeigt der Markt zunehmendes Interesse an langhaarigen Alternativen wie Afghane, Collie, Bichon sowie diversen Pudelarten. Die Nachfrage nach Papillon, Chihuahua und Zwergspitz als Material für dekorative Details an Kleidungsstücken wird laut Analyse der Konsumentenbarometer u.a. auf dem nordamerikanischen und westeuropäischen Markt kontinuierlich steigen.
Bei der Planung von Erst- und Endlagerungsräumen müssen künftige Produktionsveränderungen anhand der Profitmargemethode kalkuliert werden. Bei der Erstellung des Investitionsprogramms ist zu berücksichtigen, dass auch die für Befruchtung, Schlachtung und Abhäutung notwendigen Maschinen und Instrumente der Größe, den Besonderheiten und dem Nutzzweck der künftigen Produktionseinheiten entsprechend zu proportionieren sind.
Im Hinblick auf Kostenvorteile ist die Spezialisierung auf nur einige Rassen empfehlenswert. Die Basiskosten können durch Steigerung von Produktionsmenge und Kosteneffizienz minimalisiert werden. Ein Beispiel für moderne Intensivnutzung bietet ein mittelfinnischer Produktionsbetrieb, in dem mehr als 10.000 Labradore und Glatthaarretriever im Rahmen eines integrierten Prozesses in einem einzigen Endlagerungskomplex gehalten werden. Durch Optimierung der Abmessungen und hohe Etagenkonstruktionen ist es gelungen, die gesamte Produktionsmasse auf einer Grundfläche von weniger als tausend Quadratmetern unterzubringen. Bemerkenswert an dem detaillierten Produktionsplan des Betriebs ist u. a. die Eliminierung der kumulativen Lärmbelästigung durch Entfernung der Stimmbänder, die bereits in der Erstlagerungsphase der Retrieverwelpen vorgenommen wird.
Das zweite Hauptsegment, die Nahrungsmittelproduktion, ist bei weitem weniger konjunkturanfällig als der Bereich Oberflächenmaterial und kann daher zum langfristigen Rentabilitätsausgleich genutzt werden. Bei der Kombination der Produktionszweige sind jedoch die Einschränkungen zu beachten, die sich aus der Dimensionierung der Lagerungsräume und aus den rassebedingten Sonderanforderungen ergeben.
Die vorwiegend für die Produktion von Oberflächenmaterial genutzten Rassen entsprachen bisher nicht optimal den Ansprüchen der Lebensmittelproduktion, doch in dieser Hinsicht ist in jüngster Zeit ein Fortschritt zu verzeichnen, da auch die einheimische Fertigkostindustrie dazu übergegangen ist, u. a. Retriever- und Pointerfleisch als Rohmaterial zu verwerten.
Im Hinblick auf Tiefkühlfleisch sind steigende Exportziffern und eine stabile Marktlage zu verzeichnen, doch bei einem breiten Rassenspektrum ist mit spezifischen Zusatzkosten zu rechnen. Die Schlacht-, Verarbeitungs- und Veredlungskette für Möpse, Schnauzer und chinesische Palasthunde ist nur schwer mit der Produktionslogistik der vornehmlich für den Massenkonsum geeigneten Jagd- und Hirtenhunde zu kombinieren.
Mit den derzeitigen Kapazitäten ist es unter Umständen nicht möglich, eine das Rentabilitätsminimum überschreitende Volumenintensität zu erreichen, da die nordamerikanische, fernöstliche und russische Hundefleischproduktion in dem vor allem von internationalen Handelsketten und Fast-Food-Konzernen forcierten Preiswettkampf unschlagbar ist. Aus diesem Grund empfiehlt sich die Konzentration auf Spezialprodukte und Qualitätsintensität.
Als Beispiel für die Nutzung lokalen Know-Hows in der Provinz Varsinais-Suomi sei ein mittelgroßer Fleischbetrieb in Punkalaidun angeführt, der seine Tätigkeit vor rund zehn Jahren mit Schnauzern und Pinschern aufnahm, dann jedoch auf Spitze umstieg und sich ausschließlich auf die Leberproduktion spezialisierte. Unter nahezu labormäßig kontrollierten Bedingungen produziert dieser Betrieb heute über 90 Prozent der auf dem westeuropäischen Markt angebotenen Spitzleber. Die Produktionstiere sind permanent auf den Fütterungsbändern fixiert, die unnötigen Bewegungsorgane werden bereits in der Erstlagerungsphase amputiert. Eine zwecks Vergrößerung der Leber entwickelte, fettreiche Spezialnahrung wird als erwärmte Lösung direkt in die Speiseröhre portioniert.
Auf den europäischen Märkten genießt die finnische Ökoproduktion hohes Ansehen. Angesichts der verschärften Konkurrenz muss das Image der sauberen, unberührten arktischen Natur noch stärker genutzt werden. Neuartige Spezialisierungsexperimente müssen vorurteilslos angegangen werden.
Ein gutes Einzelbeispiel ist das vom größten Delikatessenhandel Helsinkis initiierte Hodenprojekt, das Karelische Bärenhunde verwertet und bereits von mehreren Dutzend Betrieben als Nebenerwerb aufgegriffen wurde. Geröstete und marinierte Hoden haben sich zu einem genuin exotischen Produkt entwickelt, das sowohl in Frankreich und Italien als auch an der Ostküste der USA nahezu unbegrenzte Marktaussichten hat.
Ein weiterer Bonus des Bärenhundehodenprojekts ist die Produktionsflexibilität. Die Hoden können praktisch in jedem beliebigen Produktionsstadium entfernt und die Resttiere Monate später verwendet werden. Dadurch lässt sich die Eigenkonservationsfunktion der lebenden Produkteinheit effektiv nutzen. In der Endphase kann das Oberflächenmaterial u.a. von der Outdoor-Bekleidungsindustrie prozessiert werden. Die Lebensmittelsegmente wiederum sind zumindest auf dem einheimischen Markt relativ gut in der Fertigkost- und Aufschnittproduktion zu verwerten.
Neben die traditionellen Hauptproduktionssektoren sind in den letzten Jahren ergänzende, individuelle Spezialisierung erfordernde Teil- und Subproduktionen getreten. In diesen Produktionszweigen ist bereits in der Planungsphase zu beachten, dass die Nutzart des Hundes wesentlichen Einfluss auf die Anordnung der Lagerungs-, Schlacht- und Verarbeitungsräume hat. Bei der Evaluation des Investitionsbedarfs müssen konjunkturell bedingte Nachfrageschwankungen berücksichtigt werden, denen durch räumliche Reserven Rechnung zu tragen ist.
Zur wichtigsten unter den spezifischen Teilproduktionen entwickelt sich die extensive Organproduktion. Sie darf als eine durch höheren Veredlungsgrad gekennzeichnete Weiterentwicklung der traditionellen Produktion kompletter Versuchstiere gelten. Während die Testbedarfsproduktion bereits in der Erstlagerungsphase, im Welpenalter, verkauft wurde, kann man Einzelorgane produzierende Einheiten mehrere Jahre in den Endlagerungsräumen halten.
Eine weitere Steigerung des Veredlungswertes ermöglicht die sog. manipulative Organproduktion, worunter die zielbewusste Einflussnahme auf Qualität, Größe oder Testeignung der Produktionsorgane zu verstehen ist. In einer umfangreichen Dackeluntersuchung wurde festgestellt, dass beispielsweise Zunge und Lefzen auf ein Vielfaches ihres Flächeninhalts gedehnt werden können. Diese Methode ermöglicht die Produktion benutzerfreundlicher Epithele u.a. für den Testbedarf der Kosmetikindustrie. Auch lässt sich durch operative Anbringung von Schnauzen- und Gaumenspalten bei Schäferhundwelpen die Perzeptionsintensität von Rauschgiftspürhunden wesentlich intensivieren.
Besondere Erwähnung verdient der Organproduktionszweig, der in einem Rottweiler- und Dobermannbetrieb in Parikkala entwickelt wurde. Dort werden die Penisse der männlichen Tiere vom Erstlagerungsstadium an durch kontinuierliche Verwendung von Gewichten und seitlichen Zugvorrichtungen vergrößert. Nach Operation und Trocknung erzielen die vergrößerten Penisse auf dem asiatischen und mitteleuropäischen Markt hervorragende Preise.
Neben dem Hund entwickelt sich derzeit auch die Katze zu einer bedeutsamen produktionskompatiblen Einheit, doch ist das Spektrum der segmentalen Allokationsbereiche schmaler als beim Hund. So beschränken sich beispielsweise die Nutzungsmöglichkeiten der Nahrungsmittelindustrie vorläufig auf die Produktion von Speisefetten.
Im Bereich des Oberflächenmaterials wird die Katze dagegen in unseren Betrieben bereits heute als Alternativstrategie berücksichtigt. Die Weltmarktsituation ist gut, um nicht zu sagen ausgezeichnet; zudem zeigen die Analysen internationaler Konsumentenbarometer ausnahmslos, dass Katzenmaterial als dekoratives Element an der Kleidung immer mehr Zuspruch findet.
Neben den traditionellen Langhaarrassen, etwa den unterschiedlich gefärbten Perser- und Angorakatzen, setzen sich zunehmend auch Kurzhaarrassen wie britische, russischblaue und somalische Katze durch. Für Schlachtung und Abhäutung sind in beiden Produktionssektoren heute auch einheimische Anlagen erhältlich.
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