Kreuz und quer zu Fuß durch Wales

Die Aussage
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'Die Aussage' ist ein Auszug aus Mr Vogel von Lloyd Jones, Seren (2004) ISBN 1854113801. Bestellen Sie das Buch bei Seren.
Der Eindruck ist schon verworren. Ein wirbelnder Nebel des Klatsches und von Fehleinschätzungen ist Mr Vogels Berg hinuntergewabert und hat das Tal seines einfachen, aber gequälten Lebens verdüstert.

Wie soll ich denn irgendeine versinkende Wahrheit aus dem Sumpf der Verfälschung an Land in Sicherheit ziehen, geschaffen von den Märchenerzählern, die in dieser Stadt im Überfluss vorhanden sind? Ich bin nur ein einfacher Barmann, Erbe eines einsilbigen Seemanns, der, einäugig, auf dem letzten Loch pfiff, als er an Land kam (ich räume ein, dass er ein extrem ausdrucksvolles Auge besaß, fähig zu okulogyrischen Feuerwerken, und zu ausdörrenden Blicken). Seine linke Augenhöhle war mit einer grünen Murmel gefüllt, die er vom Straßenpflaster aufgehoben hatte, als er an einer kauernden Gruppe spielender Kinder vorbeiging (sie schrieen 'Eh, Mister!' und wuselten um ihn herum, als er ihre Königin stahl, dann bückten sie sich wieder murmelnd über ihr Spiel. In der Überlieferung der Kinder wurde ihm nie vergeben, und die meisten von ihnen tranken nie in seiner Kneipe, als sie mutig genug wurden, sich in Bars zu schleichen, um Alkohol zu kaufen). Das Grünbraun der geringelten Murmel kontrastierte scharf mit dem stechenden Blau seines überlasteten rechten Auges, das doppelt so viel glotzte und stierte, um die Mängel des anderen auszugleichen.

Wir fanden irgendwann heraus, dass sein Herz einst von einer eingeborenen Tasmanierin gebrochen worden war, die ihm eine Liedzeile über einen Emu und einen grauslichen Fliegenschwarm von Kind hinterlassen hatte, geboren mit einer Narbe über dem rechten Auge, das die Entstellung seines Vaters um ein paar Monate vorwegnahm.

Sturmdurchschüttelt am Kap der Guten Hoffnung (das so hieß, weil die schlotternden Seeleute kaum Hoffnung hatten, es zu umrunden), hatte der Eigentümer des Blue Angel sein linkes Auge in einem Streit über Breitengrade und Längengrade verloren, als ein anderer betrunkener Seemann ihm mit einem steinernen Briefbeschwerer über den Kopf gehauen hatte, mit dem man sonst Seekarten auf dem Tisch beschwerte. Als er nach Tasmanien zurückkehrte, immer noch mit bandagiertem Kopf, war das Mädchen im braunen Gekröse der Slums verschwunden, und alles was von seinem dunklen Sohn übrig geblieben war, war eine schwache Erinnerung, die schnell von der Netzhaut seines verbliebenen Auges verschwand. Ich habe einmal eine blinde Frau getroffen, die erst vor fünf Jahren ihr Augenlicht verloren hatte, aber die schon jetzt nicht mehr in der Lage war, sich zu erinnern, wie Wolken aussahen. Ich frage mich, ob das Auge des Seemanns nicht von den Göttern entfernt worden war, damit er sich weniger an seinen Schmerz erinnern solle.

Wie gesagt, Mr Vogels Geschichte zu verfolgen ist, als wäre man ein verirrter Höhlenforscher, der einer Schnur zurück an die Oberfläche folgt, durch ein Labyrinth von dunklen und gefährlichen Grotten, viele überflutet, und durch Tunnel, so gefährlich wie Würgeschlangen. Aber halten wir uns an die Tatsachen. Glücklicherweise besitze ich mehrere Nachschlagewerke, und durch den Prozess der Herleitung kann ich für gewöhnlich die wahrscheinlichste Geschichte herausfinden. Meine Landsleute haben eine Vorliebe für den Ewigwährenden Kalender, den ich schon erwähnt habe. Dieser dient zwei Zwecken: er vermerkt die Hauptereignisse der vergangenen Jahre (zum Beispiel Fische, die vom Himmel fallen und Dämonen, die das Land heimsuchen), und er verzeichnet ebenfalls große Ereignisse, die in der Zukunft bevorstehen: es gibt vollständige Listen anstehender Feste, Galas, Anstellungsbörsen und Märkten, und er trifft auch Weissagungen, die sich auf die Aussichten der Region beziehen, er sagt die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben und Hurrikans voraus, verheißt Glück und Pech, die Bewegung des Mondes und der Sterne, die günstigste Zeit, um Feldfrüchte zu pflanzen und Vieh zu behandeln, kurz gesagt versorgt er uns mit Anleitungen für eine ganze Schar von interessanten Themen. Mr Vogel taucht regelmäßig im Kalender auf.

Da ich viel Zeit totzuschlagen habe, habe ich sehr viel über die Geschichte unseres Landstriches gelesen. Wie ich ihnen schon mitgeteilt habe, interessiere ich mich besonders für die Berichte von Reisenden, da ich selbst hier als Reisender angekommen bin, nachdem ich mein Heimatdorf weit oben am Fluss vor langer Zeit verlassen habe, um mein Glück zu suchen und die Welt zu sehen. Oben im Hinterland sprechen sie immer noch die alte Sprache, meine Muttersprache, und als ich hierhin gekommen war, musste ich erst die Sprache der Einwanderer lernen (Humboldt hüllt sich in Schweigen - er weiß immer noch nicht welche meiner Sprachen er annehmen soll).

Obwohl ich bei meinem eigenen Volk als intelligent und gelehrt angesehen wurde, wurde ich gleichzeitig als behinderter Idiot angesehen, als ich in diese Stadt humpelte, nicht in der Lage mit den Eroberern zu reden, welche die Gewalt über alle Siedlungen und Wohnplätze hatten. Während ich im Blue Angel niedrige Arbeiten verrichtete - Feuer anzünden, putzen, Gläser einsammeln und spülen, lernte ich ihre Sprache und hätte in einen ihrer Berufe wechseln können, aber ich fand heraus, dass ich bei den Herrschenden nicht sehr willkommen war, da sie es vorziehen, ihresgleichen hochkommen zu lassen. Und so verbringe ich meine Tage bei der Arbeit, beobachte, höre zu und lese. Mr Vogels Geschichte schlug in mir eine bestimmte Saite an, weil mein Vater durch eine Krankheit aus der Bahn geworfen worden war, welche die ersten Missionare in die Gegend gebracht hatten, deren Eifer, dass wir uns ihrem Gott anschlossen, so groß war, dass sie uns schnell in großer Zahl sterben ließen, damit wir ihm begegnen sollten (wobei es Bedingung für diese große Ehre war, dass wir elend zugrunde gingen und alles, was wir liebten, verloren).

Viele meiner Verwandten begrüßten die Eindringlinge, die über das, was sie vorfanden, sehr erfreut waren. Geoffrey von Monmouth beschrieb unsere Gegend im 12. Jahrhundert wie folgt: Sie liefert in nie versiegendem Überfluss alles, was der Menschheit von Nutzen ist. Sie hat weite Felder und Hügel, die für die intensivste Landwirtschaft geeignet sind, und in der, wegen der Fruchtbarkeit des Bodens, alle Früchte in der ihnen gemäßen Jahreszeit wachsen. Sie verfügt auch über ausgedehnte Wälder, die reich an allem möglichen Wild sind. Durch die Wälder ziehen sich Lichtungen mit Weideland, die unterschiedlichste Futtergräser für das Vieh liefern, und es wachsen dort auch Blumen aller Art, die ihren Honig den schwärmenden Bienen anbieten. Am Fuße seiner windgepeitschten Berge finden sich Wiesen mit grünem Gras, schöne Flecken, wo klare Quellen in glänzende Ströme fließen, die sich sanft wellen und diejenigen, die an ihren Ufern liegen, mit ihrem Gemurmel in die Sicherheit des tiefen Schlafes wiegen.

Unsere Berge sind vollkommen, und unsere Flüsse rauschen, unsere Luft ist klar und unsere Horizonte sind anregend und erhaben. Aber wir sind nicht so selbstgefällig, es als das schönste Land auf Erden zu betrachten, denn es ist bei vielen von uns die Gewohnheit, unseren Staub bis zum Tod in viele kleine Portionen aufzuteilen und ihn in alle Teile der Erdkugel zu schicken, so dass unsere Seelen sich aussuchen können, ob sie woanders bleiben sollen oder daheim bleiben wollen. Aber nun zurück zu Mr Vogel.
Die früheste Erwähnung unseres Helden, glaube ich, findet sich in den Reisen von Thomas Pennant, aber es wird in seinem Buch klar ersichtlich, dass er dieses Wissen über Mr Vogel nur aus zweiter Hand erlangt haben kann, und ich weiß genau warum. Wie klar zeigt dieses Ereignis die unzuverlässigen Wege, auf denen Historiker an ihr Material kommen, und wie sehr sind sie geneigt, sich zu irren! Denn Mr Pennant, so glanzvoll und faszinierend er auch gewesen sein mag, hat nie einem Blick auf Mr Vogel geworfen - statt dessen erfuhr er eine Geschichte, die ihm von seinem Diener Moses mitgeteilt worden war, der im Blue Angel zu Mr. Pennants Zimmer hochgeklettert war, voll vom Porter, kurz vor der Schlafenszeit, im Licht der blakenden Kerze, um ihm eine unterhaltsame Geschichte über einen Krüppel mitzuteilen, von dem das ganze Land sich erzählte. Diese Geschichte hatte er von niemand anderem als mir selbst erfahren! Darum kennt niemand die Kette und den Schussfaden in Mr Pennants Geschichte besser, bevor der fertiggestellte Stoff seinen Webstuhl verlassen hatte!

Ich erinnere mich an diesen Abend, als wäre es heute - Reisende vom Schlage eines Mr Pennant steigen nicht oft bei uns ab, aber da er ein Quartier sowohl für sein Pferd als auch für seinen Diener brauchte, und die Dämmerung schon weit fortgeschritten war, entschied er sich für den Blue Angel - immerhin, hörte ich ihn murmeln, sei es nur für eine Nacht (er hatte die Dreistigkeit, ihn beiläufig in seinem Buch als 'miese Absteige' zu beschreiben).

Ich erfüllte schnell meine Rolle als Stallbursche des Gasthauses (für diese Aufgabe hatte mich meine Kindheit bei den wilden Pferden der oberen Berge gut vorbereitet) und als ich wieder in den Blue Angel zurückkam, bot ich dem murrenden Pennant, der schon ein Viertel Ale gekippt hatte, unsere Speisekarte an.

'Pah!' sagte er, und schob meine Carte du Jour (und nebenbei auch Carte du Monat) beiseite. Er demonstrierte all sein Können als erfahrener Reisender und stapfte an mir vorbei, direkt in die Küche, am Koch vorbei in die Speisekammer und untersuchte jeden Happen, jedes Stück Fleisch und Fisch und erklärte laut, dass er den Hammel noch nicht einmal einem sterbenden Hund vorwerfen würde. Er entschied sich (weise) für den Rinderpie und er versuchte sich dazu am gepökelten Papageientaucher (es war ein Experiment, und er hatte solch ein Misstrauen, dass er mich zwang, zuerst eine Portion zu essen).

Seinem Reisebericht zufolge betrat Thomas Pennant dieses Gebiet bei Einbruch des Winters. Er kam durch bergiges Land und stieg durch eine geröllübersäte Schlucht ab, die so steil und gefährlich war, dass er absteigen musste und sein Pferd durch Ginstergebüsch und Traubeneichenwald führen musste, bis er vom Abhang der Berge aus in eine sich weitende Mulde blickte, die in Richtung eines Punktes absank, wo sich zwei große Täler trafen, und wo sich zwei Flüsse in einem glitzernden blauen Wasserfall vereinigten.

Als er diesen Zusammenfluss spät am Abend erreichte, wandte er sich seewärts, und folgte dem Fluss bis zum wimmelnden Hafen am Rande unserer Stadt. Mit seinem Blick für das Anekdotische und seiner glücklichen Angewohnheit, über das Ungewöhnliche zu stolpern, traf er auf eine bemerkenswerte Frau, die uns allen wohlbekannt ist, und deren Bleibe eine einfache Hütte direkt am Fluss, knapp vor dem Hafen war.

Ich zitiere aus seinem Reisebericht: Kurz vor dem Ende dieses Hafen lebt eine berühmte Persönlichkeit, Margaret, Tochter des Evans, die letzte Vertreterin der Stärke und des Geistes des alten Volkes dieser Region. Sie ist zur Zeit um die 90 Jahre alt. Diese außerordentliche Frau war die größte Jägerin, Schützin und Fischerin ihrer Zeit. Sie hielt mindestens ein Dutzend Hunde, Terrier, Windhunde und Spaniel, alle hervorragende Vertreter ihrer Art. Sie hat mehr Füchse in einem Jahr getötet als alle Jagdgesellschaften es in 10 Jahren schaffen, sie ruderte kräftig und war die Königin des Flusses, eine ausgezeichnete Fiedlerin und kannte unsere gesamte alte Musik, vernachlässigte auch nicht die mechanische Künste, da sie eine gute Schreinerin war, und im Alter von 70 Jahren war sie die beste Ringerin des Landes, nur wenige junge Männer wagten es, sich mit ihr zu messen. Vor einigen Jahren hatte sie ihr ebenbürtige Zofe, aber der Tod, dieser gewaltige Jäger, brachte diese schließlich unter die Erde. Margaret war auch eine Schmiedin, Schuhmacherin, Bootsbauerin und Harfenmacherin. Sie beschlug ihre eigenen Pferde, machte ihr eigenes Schuhwerk und hatte eine Lizenz, um unter Tage Kupfer zu schürfen. Alle benachbarten Dichter widmeten Margaret ihre Gedichte und feierten ihre Heldentaten in reinsten Versmaß. Schließlich gab sie ihre Hand dem weibischsten ihrer Verehrer, als ob sie entschlossen sei, die Überlegenheit mit der die Natur sie versehen hatte, bewahren zu wollen.

Ich kannte Margaret gut, weil ich sie besuchte, um meine Muttersprache nicht einrosten zu lassen, die in der Stadt außer Gebrauch gekommen ist; ich höre sie heutzutage sicherlich sehr selten im Blue Angel, was mich sehr traurig macht, denn mein Herz macht einen Satz, wenn ich höre, dass jemand sie spricht, und ich eile heran , un den Sprecher zu begrüßen. Es ist, wie ich glaube, die älteste Sprache dieser Gegend der Erde, und sie ist altertümlich, was zu ihrem Niedergang beigetragen hat, denn alle neuen Wörter, die mit Handel, Landbesitz, Rechtsgeschäften, Krankheiten und Kriegführung zu tun hatten, waren von den Eindringlingen geprägt worden. Margaret und ich erfreuten uns daran, nicht mehr benutzten Wörtern in verstaubten etymologischen Wörterbüchern nachzuspüren (sie hatte aus ihnen einen Stapel in Form eines kleinen Thrones gemacht und saß oft darauf!) und während so manchen ruhigen Nachmittags fand sie nicht weniger als 39 Wörter, um den Regen zu beschreiben (einschließlich dieses sanften grauen Vorhangs der den Herbst ankündigt), und ich fand 21 verwandte Wörter für 'Wind' (ihr wisst vielleicht, dass das Wort Hurrikan von Hurakan kommt, welcher der Sturmgott ist).

Die Grammatik unserer Sprache ist so präzise, dass jeder Satz einzigartig ist und nie wieder gesagt werden kann. Unsere Sprache hat ebenfalls mystische Qualitäten, und als unsere Vorfahren Englisch lernten, konnten sie es zuerst nicht glauben, dass es so einfach sei - sie verbrachten lange Jahre damit, nach einem geheimen, verschlüsselten Englisch zu forschen, einer versteckten Form der Sprache, die eine besondere, heilige Kraft wie unsere eigene Sprache hatte, aber natürlich gab es das gar nicht! Es gibt noch andere Unterschiede: in unserem Land is es tabu, jemandes Namen ein Jahr lang nach seinem Tode zu erwähnen , und vor langer Zeit war es für jedermann möglich, umgebracht zu werden, der ein verbotenes Wort ausgesprochen hatte; glücklicherweise ist diese Praxis außer Gebrauch gekommen.











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