ZWEI REGIONEN FRANKREICHS

Die Bretagne und Nord-Catalonien
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Transcript besucht in dieser Ausgabe zwei Regionen in Frankreich, die Bretagne und Nord-Katalonien, in denen Schriftsteller auch heute noch in ihrer Muttersprache schreiben. Wir stellen Ihnen Patrick Gifreu und Jordi Pere Cerdà aus Nord-Katalonien vor, und fragen vier weitere katalanische Autoren, wie die sprachliche Realität ihre Arbeit beeinflusst. In dieser Ausgabe können Sie außerdem eine kurze Geschichte der bretonischen Literatur lesen, sowie Werke von Angela Duval und Jakez Riou. Aber zuerst ein Blick auf die Grundlagen...

von Diarmuid Johnson

Die Bretagne: was wissen wir von ihr? Autoren kamen einst aus Paris hier her, um den wilden Atlantik in Finistère zu bewundern. Maler schwärmten nach Pont Aven aus. Gestalten aus der Artussage spazierten durch den Wald von Broceliande.

Einstmals ein Ort der Romantik, trägt die Bretagne heute die Zeichen der Depression. Wir fahren Anfang Februar durch die Wälder. Es sieht so aus als hätten die Zähne der Kettensägen mehr Schaden angerichtet als der frühere Kahlschlag für große Schiffsflotten. Wegweiser zeigen den Weg nach Loudéac und St. Brieuc. Millionen von Schweinen haben die Erde hier mit so viel Gülle gefüllt, dass große Laster jetzt Ladungen davon transportieren, um bisher unzerstörte Orte damit zu verseuchen. Seit Jahren sind die Nitrate aus dem überbewirtschafteten Ackerland flussabwärts zu den Küsten gespült worden, die nun unter Fluten von Grünalgen ersticken, die wiederum auf den Stränden zu Schlamm verrotten. Die Leute haben hier einst Bretonisch gesprochen. Einige sprechen es heute noch. Viele sitzen in ihren Katen und glotzen Gameshows im Fernsehen.

Wie sieht die sprachliche Situation in Katalonien im Vergleich dazu aus? Heute sind die meisten Katalanischsprecher in Frankreich über sechzig und leben auf dem Land. Die jungen Leute müssen in ihrem sozialen und Arbeitsumfeld mehr und mehr Französisch sprechen. Nord-Katalonien wird heute aber nicht mehr nur von seiner einheimischen Bevölkerung bewohnt, sondern auch von Nord-Afrikanern, von französischen Rentnern und anderen.

Aber der demographische Faktor erklärt nicht alleine den Verfall des Katalanischen. Die Gründe sind vielmehr im Prestige zu suchen, welches dem Französische in der Verfassung eingeräumt wird, und der Tatsache, dass jede andere Sprache vom öffentlichen Leben ausgeschlossen ist. Folglich wurde Französisch lange Jahre mit Fortschritt, Bildung und Wohlstand in Verbindung gebracht.

Seit mehreren Jahrzehnten sind Fragen in Umlauf gewesen, wie die Regionalsprachen und -kulturen überleben sollen. Aber Frankreich ist nicht mehr das Land, das es einmal war. Die Schulden im öffentlichen Gesundheitswesen sind außer Kontrolle geraten. Kürzungen im Erziehungswesen haben die Menschen aus den Klassenzimmern und den Forschungslaboren auf die Straße gebracht. Rechtsextreme Ideen sind in Umlauf. Der Elan und die hehren Prinzipien in der Außenpolitik kaschieren nur notdürftig eine Art Korruption, die 1789 eine Revolution anfachen konnte.

Ist es vor diesem Hintergrund des nationalen Verfalls nun denkbar, dass der Regionalismus den Republikanismus in Frankreich überdauern wird? Frankreich, wenn es denn zusammenbricht, kann durchaus die Regionen, aus denen es besteht, mit sich hinabziehen. Einige Denker und Autoren in der Bretagne und Katalonien arbeiten weiter in der Hoffnung, dass dies nicht der Fall sein wird.

Transcript stellt ihnen Yann Gerven, Patrick Gifreu und Jordi Pere Cerdà vor, und wir fragen weitere katalanische Autoren, wie die sprachliche Situation ihre Arbeit beeinflusst. In dieser Ausgabe können Sie ebenfalls eine kurze bretonische Literaturgeschichte lesen, sowie Arbeiten von Angela Duval und Jakez Riou, die die bäuerliche Gesellschaft der Vergangenheit reflektieren.










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