UMGANGSDICHTUNG IN LJUBLJANA

Brane Mozetic
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Photo von Nathalie Gassel

Brane Mozetic (1958) verfaßte bisher zehn Gedichtbände, die Kurzgeschichten Pasijon, den Roman Schattenengel (2000 in kroatischer und deutscher Übersetzung erschienen) und den Roman Zgubljena zgodba (Die verlorene Geschichte, 2001). Für seinen jüngsten Gedichtband Banalije (Ljubljana 2003) wurde er mit dem Simon-Jenko-Preis ausgezeichnet (bester slowenischer Gedichtband der letzten zwei Jahre). Er redigierte drei Anthologien und ist Übersetzer zahlreicher französischer Autoren (u. a. Arthur Rimbaud, Jean Genet, Michel Foucault). Mozetic zählt zu den international arrivierten Autoren Sloweniens. Seine Arbeiten sind in Zeitschriften, Anthologien, Auswahlbänden oder als selbständige Übersetzungen bereits in über 20 Staaten erschienen. Er war viele Jahre ein wichtiger Akteur in zivilgesellschaftlichen Bewegungen in Slowenien, nunmehr ist er vor allem als Redakteur der Buchreihen Aleph in Lambda sowie als Promotor für die slowenische Literatur im Ausland tätig.



Banalien
Banalije, Brane Mozetic
Ljubljana: Zalozba SKUC (= Lambda; 31)
2003.

Aus dem Slowenischen von Andrej Leben.

Warum ich keine Soldaten mag? Weil Sie überall Kinder säen, weil sie Kinder töten. Die stärkste Erinnerung an meinen Vater ist ein Foto mit ihm in Soldatenuniform. Alle übrigen sind verblaßt. Keine Ahnung, wohin er sich verdrückt hat, wo er ist. Ich kann mich an keine Berührung erinnern. Oder
mir graust vor ihm. In der Kaserne sind wir den ganzen Tag auf und ab gegangen, haben hundertmal die Stiefel geputzt, ohne zu fragen, warum. Soldaten verteidigen immer den Frieden. So wie Polizisten für unsere Sicherheit sorgen. In den Uniformen sind alle irgendwie gleich. Und das langweilt mich. Ich stelle mir immer vor, daß die leeren Köpfe nach einer Art Drehbuch funktionieren, das immer dasselbe ist. Es macht mir Sorgen, daß die meisten Menschen Uniformen tragen. Oder daß sie dem Nahe kommen. Und als du mir eines Tages vorgeschlagen hast, daß ich eine Uniform anziehen soll, habe ich nicht begriffen, daß du mir das Gehirn waschen wolltest. Und als du mir ein andermal gesagt hast, du hättest dir einen Polizisten gefunden, habe ich dich verstanden. Schon als kleiner Junge ist mir das Spiel mit den Cowboys und den Indianern nicht eingegangen. Ich habe nichts verstanden.









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