UMGANGSDICHTUNG IN LJUBLJANA

Primoz Cucnik
Cucnik-foto gordana bobojevic
Photo von Gordana Bobojevic

Primoz Cucnik, geboren 1971 in Laibach, studierte Philosophie und Kultursoziologie an der Filozofska fakulteta (Geisteswissenschaftliche Fakultät) in Laibach. Sein erster Gedicht Dve Zimi wurde 1999 veröffentlicht und erhielt den Preis für das beste Erstlingswerk. Weitere Bücher sind: Ritem v rokah (2002), Akordi (2004), Nova okna (2005) und das Gemeinschaftswerk Oda na manhatnski aveniji (2003, mit Gregor Podlogar). Eine Auswahl seiner Gedichte erschien unter dem Titel Zapach herbaty, ins Polnische übersetzt, 2002 im Verlag Studium in Krakau. Des Weiteren schreibt Cucnik Literaturkritiken, Rezensionen, arbeitet als Herausgeber bei der Zeitschrift Literatura und führt den kleinen Verlag Sherpa. Außerdem übersetzt er meist zeitgenössische polnische Poesie. So erschienen Übersetzungen der Werke von Adam Wiedmann, Marcin Zwietlicki und Piotr Sommer. Primoz Cucnik lebt in Laibach.






Akkorde 1
Aus dem Slowenischen von Ludwig Hartinger.

Für Reverdy

Nimm die weggeworfnen Schlittschuhe und gleite
über die vereisten Gehsteige.

Mit den messerscharfen schneid ins Glatte
und eins mit den Schuhen sein die Beine.

Gleit schnell los, allein, als gings um einen
Wettkampf, achte nicht auf Rufe: `Wohin gleitet der?´

Gut ist es, so zu gleiten, ohne Hindernis
unter den Schlittschuhen ist dir alles erlaubt.

Einziger Schlittschuhläufer bist du hienieden, siehst nicht
einmal die Flecken und Schatten, die die Schuhe werfen.

Du gleitest zwischen den Lichtern der Stadt
behältst das Gleichgewicht
stürzt nicht auf den Rücken.

Die Schlittschuhe hinterlassen eine scharfe Spur Linien
auf den blinkenden Flächen unter ihnen sind Zeichnungen.

Nimm also das verstaubte Paar und gleite los
auf den rutschigen Boden, dort spürst du dich ganz.

Gleite allein und das Eis wird sich wandeln
in lebendiges Naß unter dir.

Sprich nicht mit den Leuten über das Gleiten.
Gleite, als würdest du nicht allein gleiten.





Akkorde V
Aus dem Slowenischen von Ludwig Hartinger.
Ich glaub, es ist acht herum
ich lauf zwischen Zeilen los
weißer Fisch auf Trockenem
zuckt in Krämpfen nach Meer

ich glaub, ich geh dann doch
Alltägliches besorgen
geh schauen in die Stadt
all den banalen Glanz

ich glaub, ich träume von
Gottes flüchtigen Zügen
schickt er gar wie ich da geh
zur schrägen Erleuchtung Sonne
auf den Bart des Sohnes

ich glaub, ich hörte irgendwo
von einem betonten Selbstlaut
wie sich die Schönheit bewegt
durchs wiederbelebte Zeitwort











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