David Constantine von den Scilly-Inseln

David Constantine spricht über Scilly
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"In der Poesie hat man, streng genommen, mit einer Unendlichkeit zu tun. Und ich blicke durch das Fenster aufs Meer hinaus, und sehe, selbstverständlich, auch dort kein Ende."


Ihr Familienname, Constantine, ist, glaube ich, normannischer Herkunft. Haben Sie durch Ihre Familie Verbindungen mit Scilly?

Ja, die ersten Constantines sind aus der Normandie (Coutances, Cotentin) wohl Ende des 11. Jahrhunderts nach Nordengland ausgewandert. Sie tauchen Mitte des 14. in Yorkshire und Lancashire auf. Ich lernte die Scilly Isles erst 1967 durch meine Frau Helen kennen. Ihre Mutter - eine geborene Christopher - stammt aus Saint Martin's. Mehrere Verwandte wohnen noch dort und auf den anderen Inseln auch.


Die Scillys liegen an der Küste Cornwalls, wo man früher keltisch gesprochen hat. Hat man auf den Scillys immer Englisch gesprochen? Oder ist die Gesellschaft dort irgendwann zwei- oder mehrsprachig gewesen?

Schon früher als auf dem Festland - früher also als gegen Ende des 18. Jahrhunderts - starb die keltische Sprache (Kornisch) auf den Inseln aus. Sie lebt noch in den Ortsnamen. Auch war sie, soviel ich weiss, nie so fest eingewurzelt. Die Inseln waren ja, da sie so weit 'draussen' liegen , allerlei Einwanderungen und Einfluessen offen. Zum Beispiel, es wurde zwischen der Bretagne und den Inseln tüchtig geschmuggelt.

Sie haben, glaube ich, die meiste Zeit Ihres Lebens auf dem britischen Festland verbracht; was bedeuten die fernen Inseln im Alltag für Sie?

Ich denke sehr oft daran, fahre oft dahin. Ohne Meer und Inseln wäre mir das Leben unlebbar.

Sie haben manches Gedicht über die Inseln geschrieben. Hat dieser Ort Ihre Arbeit auf andere, breitere, Weise beeinflusst?

Da wir seit neulich die Möglichkeit haben, im Laufe des Jahres uns länger dort aufzuhalten, bieten mir die Inseln, ganz konkret, Raum und Zeit zum Schreiben. Ich kenne jetzt ihren Herbst und ihren Winter, was mich mit einer Menge neuer Bilder bereichert hat. Die Inseln sind mir seit schon 30 Jahren eine lebende Fundgrube von Bildern. Das hat vor allem mit dem Meer zu tun, das nimmer gleich bleibt sondern wechselt immer je nach Licht, Wind, Wetter. Ebbe und Flut sind dort ungeheuer - ich meine, die ganze aüssere Form der Inseln, das ganze Verhältnis zwischen Wasser und terra firma, ändert sich zweimal täglich kolossal. Und der Kern meiner Poetik besteht eigentlich darin: dass die Dinge gezeigt werden, dass den Gefühlen ihre Zeichen gegeben werden. Ebbe und Flut, ständiges Aufdecken und Zudecken, wirken wunderbar beunruhigend auf mich. Und beunruhigt zu werden, ist mir lebensnotwendig. Vieles, was früher sichtbar war, liegt heutzutage unter dem Wasser. Vollmond und ausserordentliche Ebbe lassen es wieder erscheinen. Es taucht wie aus dem Unterbewusstsein wieder auf.

Inseln sind für die meisten Leute sehr atmosphärisch. Aber Insularität als Begriff ist etwas Abschätziges und Unerwünschtes. Wie erleben Sie selbst diese Spannung? Meinen Sie, dass Inseln insular sind, die Scillys zum Beispiel?

Das Leben auf den Inseln ist nicht enger als in jeder anderen kleinen Gemeinschaft, in entlegenen Dörfern, zum Beispiel. Und zum Schreiben schliesse ich mich gern ein bisschen ab. In der Poesie hat man, streng genommen, mit einer Unendlichkeit zu tun. Und ich blicke durch das Fenster aufs Meer hinaus, und sehe, selbstverständlich, auch dort kein Ende.


Wann fahren Sie wieder dahin?!

Anfang März.

Gute Reise!







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