In dieser Ausgabe
- Leitartikel
- INSELN DES NORDENS
- Leben in einer Vorstadt von Reykjavik
- Flitzer stört das Island-Albanien-Spiel
- Schreiben in Shetland
- George Mackay Brown aus Orkney
- David Constantine von den Scilly-Inseln
- KINDERBÜCHER AUS SKANDINAVIEN
- Josefine Ottesen
- Charlotte Blay
- Tove Jansson
- Kinderliteratur in Finnland aus den 90er Jahren
- NACHRICHTEN
Schreiben in Shetland
Sprachen in Shetland
Thin Wealth Robert Alan Jamieson
Es ist schwer zu sagen, wann und wie die skandinavische Sprache Norn (Nornisch) durch die Form von Scots, die das moderne Shetländische darstellt, ersetzt wurde. Dennoch ist klar, dass Shetländisch im Grunde genommen eine Art des Scots mit skandinavischem Substratum darstellt. Die Abweichungen der shetländischen Grammatik vom Englischen können fast ausnahmslos als kennzeichnend für das Scots betrachtet werden.
Obwohl aber Shetländisch auf diese Weise charakterisiert werden kann, darf die Bedeutung des Skandinavischen in seinemWortschatz nicht übersehen werden. Als der faröische Gelehrte Jakob Jakobsen in den 90-er Jahren des 19.Jahrhunderts auf Shetland Feldforschung betrieb, fand er dort etwa 10.000 nornische Wörter in Gebrauch.
Angesichts des Verschwindens des Nornischen und der Ausbreitung des Scots auf Shetland scheint es, dass die Shetländer über einen längeren Zeitraum hinweg das Scots als ihre neue Sprache annahmen, sich vom Nornischen aber abwandten, da Scots die nützlichere Sprache war und zu dieser Zeit ein höheres Prestige hatte während Nornisch zunehmend als irrelevant empfunden wurde.
Dieses Modell zeigt Parallelen zur Situation in Shetland heute. Einerseits verschwindet der shetländische Wortschatz langsam, so dass lediglich ein verarmter Dialekt zurückbleibt, der hauptsächlich aus normalen englischen Wörtern mit shetländischer Aussprache besteht. Dieser langsame Rückgang des typisch shetländischen Wortschatzes findet zweifelsohne auf ganz Shetland statt. In der Stadt Lerwick aber hat sich eine andere Situation entwickelt: die junge Generation spricht überhaupt kein Shetländisch, sondern einfach Standardenglisch, wenngleich mit einem regionalen Akzent.
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