Mariasun Landa

Mariasun Landa
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Cover of 'alex' by mariasun landa (erein publishing house)1
Cover of 'marina' by mariasun landa (erein publishing house)1
M.J. Olaziregi. Übersetzt aus dem Baskischen von Petra Elser.
Von Mariasun Landa (Renteria, 1949) sind bis heute 27 Bücher erschienen. Neben Bernardo Atxaga ist sie die am meisten übersetzte baskische Schriftstellerin. Sie studierte Philosophie an der Pariser Sorbonne und ist heute Professorin an der Universität des Baskenlandes (Universidad del Pais Vasco). Sie arbeitete auch einige Zeit als Grundschullehrerin und erteilte Baskischunterricht für Erwachsene. Das Werk der Autorin ist mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet worden. So erhielt sie 1982 den Lizardi Preis, 1991 den Euskadi Preis und 2002 der Preis Antonio María Labaien.

Auf internationaler Ebene wurde ihr 2002 der White Raven für das Buch Elefante txori-bihotza (2001) (Der Elefant mit dem Herz eines Vogels) verliehen. Besonders zu erwähnen ist der Spanische Nationalpreis für Kinder- und Jugendliteratur, überreicht von der spanischen Kulturministerin, den sie 2004 für ihr Buch Krokodiloa ohe azpian (Ein Krokodil unter dem Bett) erhielt. Als Kinder- und Jugendbuchautorin ist ihre Arbeit durch dichterisches Experimentieren geprägt, das in immer neuen literarischen Stilen und Techniken seinen Ausdruck findet.

Eine der größten Herausforderungen der Kinder- und Jugendliteratur ist, nach Ansicht von Mariasun Landa, auf einfache und verständliche Weise von intensiven und universellen menschlichen Gefühlen zu sprechen. Nach der Veröffentlichung mehrer Bücher, in denen der Einfluss der phantastischen Literatur von G. Rodari deutlich spürbar war, stellte das Erscheinen von Txan Fantasma (1984) (Txan das Gespenst), das sich stilistisch dem kritischen Realismus nähert, einen Meilenstein in ihrer literarischen Produktion dar. Ein Gespenst mit Namen Txan erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens mit autistischen Zügen, das sich in einer psychiatrischen Klinik befindet. Dieser Rahmen lässt bereits die emotionale Intensität der Erzählung erahnen.

Ein erneuter Wendepunkt der literarischen Entwicklung von Mariasun Landa ist die 1988 erschienene Erzählung Iholdi. Sie ist eine ihrer gelungensten Arbeiten und wurde in die IBBY-Ehrenliste aufgenommen. Die Autorin ging damit einen weiteren Schritt in ihrer dichterischen Entwicklung, hin zu einer eher postmodernen Ästhetik. Es handelt sich um ein fragmentarisches Werk, das aus 16 Kurzerzählungen besteht. Deren offensichtliche Einfachheit, Genauigkeit und Überzeugungskraft verblüffen jede LeserIn. Weitere wichtige Erzählungen sind Katuak bakar-bakarrik sentitzen direnean (1998) (Wenn die Katzen so einsam sind) und Nire eskua zurean (1996) (Meine Hand in deiner). Sie gehören zur literarischen Strömung der Problemliteratur und behandeln die widersprüchlichen Gefühle (Eifersucht, Verlassenheit etc.), die oft die Beziehungen zwischen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern bestimmen.

Ein herausragendes Merkmal vieler Erzählungen der Autorin ist der Humor. Ihr Stil nähert sich häufig dem Nonsens an. So wird in Galtzerdi suizida (2001) (Die lebensmüde Socke) von einer abenteuerlichen Socke erzählt, die sich das Leben nehmen will, oder in Errusika (1993) (Tanz Russika, tanz, deut. Ausg. Altberliner Verlag, 1997) die Geschichte eines Flohmädchens, das gerne Tänzerin wäre. Ihre letzten Veröffentlichungen Elefante txori-bihotza (2001) (Der Elefant mit dem Herz eines Vogels) und Krokodiloa ohe azpian (2003) (Ein Krokodil unter dem Bett) gehören zu dem, was man sich unter ausgezeichneter Kinder- und Jugendbuchliteratur vorstellt. In Krokodiloa ohe azpian werden, im Genre der "Literatur des Absurden", Einsamkeit und Angstzustände thematisiert. Die Erzählung handelt von den Verwicklungen im Leben von Juanjo (J.J.), einem farblosen kleinen Angestellten mit einem ebenso farblosen wie einsamen Leben, der unter seinem Bett ein Krokodil entdeckt, das sich von Schuhen ernährt. Das Parodieren von psychiatrischer Behandlung und von Medikamenten gegen Depressionen, die Situationskomik in den Erlebnissen des Romanhelden, der unter Krokodilitis leidet, sind die erheiternden und zugleich bewegenden Momente dieser Erzählung, die sicher keine LeserIn ungerührt lässt.










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