NEUE WALISISCHE BELLETRISTIK

Chronik und Lebensläufe von Pentre Simon
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Foto: Tom Salt
Ein Auszug aus dem Roman von Mihangel Morgan

Aus dem Walisischen (Croniclau Pentre Simon, 2003) von Sabine Heinz

Mit einer Einleitung von Christopher Meredith


Übersetzt mit der großzügigen Unterstützung von Welsh Literature Abroad


Was nun folgt, ist die Übersetzung der Einleitungskapitel des Romans Croniclau Pentre Simon von Mihangel Morgan. Der Roman ist, was die spielerische und lebendige Handhabung der Sprache anbelangt, typisch für Mihangel Morgan, aber auch in Bezug auf seine Mischung aus einer Art magischem Realismus und Naturalismus, in der Darstellung skurriler Charaktere sowie in der extremen Schwärze der Komödie, die die menschliche Natur zugleich feiernd, aber auch pessimistisch sieht.

Der Roman beginnt damit, uns kapitelweise und Anekdote für Anekdote die exzentrischen Bewohner eines mythischen viktorianischen Dorfes mit Namen Pentre Simon oder Simon Dorf vorzustellen. Erst nach ganzen 60 Seiten erhalten wir, und zwar in Form von in Klammern gesetzten Anmerkungen zu Forschungsarbeiten, die ersten Hinweise darauf, dass Simon Dorf von einem 'Autor' erfunden wurde. Nach mehr als einem Drittel des Romans endet die Geschichte von Simon Dorf plötzlich, und ein anderer Roman, dieses Mal ein moderner naturalistischer, beginnt mit Kapitel eins. Nur allmählich erfahren wir, dass der Protagonist dieses zweiten Romans eigentlich der 'Autor' von Simon Dorf ist. Von diesem
Zeitpunkt an sind die beiden Romane miteinander verwoben und wir beginnen zu begreifen, wie sie interagieren.

Dieses Buch ist sehr viel sorgfältiger konstruiert als, sagen wir, Morgan's einziges Buch, das bis heute auf Englisch erschien, nämlich Melog. In jeder der beiden Welten von Chronik und Lebensläufe von Pentre Simon erklärt eine Analyse der Macht oder der Machtlosigkeit von Glauben und Wissenschaft die Welt oder lindert das menschliche Leiden, und in jeder der Welt sehen wir Freundlichkeit ultimativ ins Desaster führen. Dies ist typisch für Morgan's Kunst der Täuschung, bei der die Analyse zunächst nichts weiter zu sein scheint, als die Aneinanderreihung skurriler Anekdoten. Tatsächlich jedoch untersucht der Roman in seinem meta-fiktiven Spiele-Spiel die Rolle und Wirkung der Geschichte selbst.

In diesem Kapitel begegnen wir einer Froschfrau


Die Haut von Fräulein Silwester ist natürlich nicht grün, aber sie sieht einem Frosch dennoch sehr ähnlich. Nicht lachen. Als die Mutter sie als Baby mit Augen an den Seiten des Kopfes, keiner richtigen Nase, sondern nur zwei kleinen runden Löchern in der Mitte des Gesichtes und einem Mund mit langen dünnen Lippen, die von der einen Seite des runden flachen Kopfes bis zur anderen reichten, sowie mit ihren geknickten Beinen und den langen Füßen und Händen, die, genau wie die Gliedmaßen eines Frosches, Häute zwischen den Zehen und Fingern hatten, sah, fiel sie beinahe in Ohnmacht. Ihr Vater meinte, daß diese häßliche Kreatur nicht sein Baby sei, sondern das unnatürliche Kind eines Satansbratens, mit dem seine Frau eines nachts geschlafen haben mußte, während er, der Ehemann, der Arbeit auf den Feldern des Gehöftes Y Fron nachging, und rannte davon.

Die Mutter von Fräulein Silwester konnte natürlich anderes berichten. Aber sie bekam keine Gelegenheit zu erklären, wie sie, als sie schwanger war, beim Ausruhen unter einem Baum am Flusse des Dorfes, von einem Frosch erschreckt wurde. Ihr Gewissen war also völlig rein, und sie zog das Kind in sehr beschränkten Verhältnissen auf. Sie übte mit ihm jeden Tag ein Kapitel der Bibel zu lesen und jeden Morgen, vor jeder Mahlzeit sowie vor jedem Schlafengehen zu beten und dabei aller Bedürftigen und Leidenden zu gedenken. Fräulein Silwester wurde folglich eine sehr gottgläubige Frau. Als ihre Mutter in ihren Fünfzigern, also relativ jung, Arthritis bekam, pflegte Fräulein Silwester sie, fütterte sie, als sie nicht mehr allein essen konnte und tröstete sie bei ihrer letzten Pein.

Ganz allein auf dieser Welt hatte Fräulein Silwester danach keine andere Wahl mehr, als sich dem Erbarmen der Gemeinde auszusetzen. Ihre körperlichen Behinderungen in Betracht ziehend und bedenkend, daß sie ein treues und tugendhaftes Mitglied der Gemeinde war, sicherte der Pfarrer ihr eine kleine Wohltätigkeitshütte in der Mitte des Dorfes. Solche kleinen Hütten stehen heute noch. Allerdings sind sie nun, mit Blumenranken um den Türen, Anbauten für Whirlpoolbäder und Shakerküchen und mit vor ihnen parkenden Volvos und Rover kleine luxuriöse, nette und nachgefragte Wohnorte. In den Tagen von Fräulein Silwester jedoch wünschte sich, da hier die Ärmsten des Dorfes lebten, niemand auch nur in ihre Nähe zu kommen. Fräulein Silwester aber war dem Dorf bis ans Ende ihres Lebens für ihr kleines Zuhause dankbar.

Es war schmerzlich, Fräulein Silwester beim Spaziergang durch's Dorf zuzusehen, denn natürlich konnte sie nicht laufen, sondern nur einen Schups weit hüpfen oder einen Schritt oder Sprung wie ein Frosch machen.

Nun, erlauben Sie mir, folgendes zu sagen: Kinder sind grausam und gnadenlos, nicht wahr? Seien Sie mal ehrlich. Wenn sie irgend jemanden sehen, der auch nur etwas anders ist als der Rest, jemand mit einem körperlichen Makel oder mit ungewöhnlichem Aussehen, mit merkwürdigen Augen oder mit wilden Haaren, der größer oder kleiner ist als der Durchschnitt, dann gehen Kinder denjenigen oder diejenige schonungslos an, amüsieren sich auf seine oder ihre Kosten, verspotten sie oder ihn und verfolgen sie oder ihn überall hin und machen sein oder ihr Leben zum Albtraum. Und entschuldigen Sie, wenn ich es noch einmal sage, aber in den Tagen von Fräulein Silwester war dies auch nicht anders, auch dann nicht, wenn man, wie allgemein üblich, die Vergangenheit gern verherrlicht. Jedes Mal, wenn Fräulein Silwester aus ihrer kleinen Hütte heraus kam, folgte ihr eine lärmend garstige Schar von Kindern, rief ihr 'Froschbeine! Froschbeine!' hinterher und imitierte das Froschquaken 'Quak, quak!'. Obwohl das Fräulein Silwester furchtbar verletzte, betete sie dennoch für die Kinder in der Kirche. Kleine Kinder und Babies mochte sie nämlich sehr, und wenn sich eine Gelegenheit ergab, sprach sie sehr liebenswert mit Kindern, kraulte ihre Gesichter und zauberte bei ihnen ein Lächeln hervor. Nur die älteren Kinder stellten ein wirkliches Problem dar, vor allem die Jungen. Und ein Junge namens Sam Rhisiart war der schlimmste. Er war der Anführer, eben der, der am schamlosesten garstig war. Er trat ganz dicht an sie heran und schrie die bösartigen Wörter in ihre kleinen runden Ohren unter ihrem Hut. Doch Fräulein Silwester ertrug diese Mißhandlungen still. Und selbst, wenn ihr total zum Heulen war, und wer würde sich angesichts dieser barbarischen Angriffe nicht so fühlen, zeigt sie dies niemandem in der Welt.

Nun, Fräulein Silwester hatte ein Geheimnis. Seit ihrer Kindheit fühlte sie sich vom Wasser angezogen. Wenn die Nacht am dunkelsten war und alle im Dorfe fest schliefen, ging Fräulein Silwester zum Fluß, nahe der Stelle, wo ihre Mutter gesessen hatte, als sie vom Frosch erschreckt worden war. Dann zog sie sich am Ufer aus und sprang ins Wasser. Je tiefer es war, desto besser, je stärker die Strömung desto besser, denn, obwohl sie auf trockenem Boden nur kriechen konnte, war sie im Wasser flink, beweglich und frei. Es war, als wäre das Wasser Teil ihrer Natur. Sie konnte schwimmen wie ein Fisch, oder besser, wie ein Frosch. Sie war überzeugt davon, daß niemand im Dorfe davon wußte.

Aus Angst, daß die Kinder sie anpöbeln könnten, verließ Fräulein Silwester bei Tageslicht nur selten ihr Haus. Manchmal mußte sie natürlich ins Dorf, um einzukaufen. Und regelmäßig in die Kirche ging sie auch. Das Dorf selbst hatte sie allerdings zu Fuß noch nie verlassen, obwohl sie schon meilenweit den Fluß entlang geschwommen war. Eines Sommertages jedoch war das Wetter so extrem heiß, daß sie die Hitze ihrer Hütte mit den kleinen Fenstern fast erstickte. Wie ein Magnet zog sie das Wasser des Flusses zog an. Also beschloß sie schließlich, daß sie die stickige Luft ihres Zimmers keine weitere Sekunde mehr ertragen konnte. Und so spazierte sie zu einer kleinen Bucht, wo es über dem Fluß einen Tümpel gab. Und obwohl sie sich, damit sie niemand sah, am Tage nicht zu schwimmen traute, hoffte sie, vielleicht auf einem Stein sitzen und ihre großen Füße für ein oder zwei Stunden ins kalte Wasser tauchen zu können.

Fräulein Silwester hatte das Fleckchen bereits erreicht, bevor sie merkte, wie dumm diese Idee gewesen war. Es war der Ort, an dem alle Kinder des Dorfes anzutreffen waren sowie einige der Mütter und auch der eine oder andere alte Mann. Natürlich konnte Fräulein Silwester nicht einfach auf dem Absatz kehrt machen und davonrennen. Der Weg von ihrem Haus über eine kleine Düne zu diesem Ort hatte sie eine Stunde Hüpfen in der Gluthitze gekostet und ihr war heiß und sie war müde. Außerdem konnte sie ohnehin nicht rennen. Also blieb ihr nichts weiter übrig, als sich zur Gruppe dazuzugesellen und etwas auszuruhen, ohne jedoch die Schuhe auszuziehen und ihre Füße zu zeigen oder ins Wasser zu halten. Da Erwachsene anwesend waren, hoffte sie, daß diese den Kindern nicht erlauben würden, sie zu verspotten. Und wie sie mit den Müttern am Flußufer saß, bemerkten die älteren Kinder, die im Wasser schwammen, sie und begannen zu kichern und zu lachten. Es erübrigt sich festzustellen, daß natürlich auch Sami Rhisiart, der, bis zur Taille entblößt, zu den tiefsten Orten schwamm und seine Kunststücke zeigte, unter ihnen war. Als er die Froschfrau erblickte, schwamm er ans Flußufer, spritze sie mit Wasser voll und schwamm dann 'quak quak' rufend davon. Natürlich sagten weder die Männer noch die Frauen irgendein Wort. Sam war ein großer und garstiger Junge, von dem niemand wußte, wer sein Vater war. Also wiederholte er diesen Streich mehrmals. Natürlich war es den Erwachsenen unangenehm zu sehen, wie Fräulein Silwester beleidigt wurde, aber sagen tat trotzdem niemand etwas zu Sam.

Nachdem er Fräulein Silwester das fünfte Mal mit Wasser vollgespritzt hatte, begab er sich, lachend über seine Glanzleistung, weiter weg als sonst. Plötzlich jedoch wurde er von der Strömung erfaßt und in einen Wasserfall gerissen und von dort in einen Strudel. Die Erwachsenen konnten seinen Schlamassel sehen und schrieen vom Ufer aus hilflos Sam! Sam!'. Nicht eine der Frauen konnte schwimmen, und die Männer waren alle man alt und eine knotige Ansammlung steifer Gelenke. Einige von ihnen fielen auf die Knie und beteten für das Leben des Jungen. Einige seiner Freunde gingen so nah wie möglich an ihn heran und versuchten, ihn zu ergreifen, aber umsonst. Dann verschwand sein Kopf unter Wasser. Daraufhin stieß Fräulein Silwester ihre Clogs weg und, zur Überraschung aller, tauchte, ganz wie ein Frosch, ins Wasser hinein, war binnen eines Lidschlags in der Mitte des Strudels, ergriff den Youngster an seinem Arm, zog ihn aus den Tiefen und brachte ihn durch das Wasser ans Flußufer. Er war bewußtlos. Noch eine weitere Sekunde unter Wasser und er wäre zweifellos ertrunken. Die Alten gingen zu ihm, preßten ihm auf seinen Magen und schlugen ihm ins Gesicht, bis er wieder zu sich kam.

Am Sonntag nach diesem gräßlichen Vorfall berichtete der Pfarrer, Herr Muir, in der Kirche, wie Fräulein Silwester das Leben Sami Rhisiarts, 10 Jahre alt, gerettet hatte.

Und war Sam dankbar? Wie wir sehen werden, fuhr er bis an das Ende ihres Lebens fort, Fräulein Silwester bei jeder Gelegenheit, die er hatte, zu provozieren.

Von diesem Zeitpunkt an aber ging Fräulein Silwester, wann immer sie wollte schwimmen. Jeder im Dorfe, einschließlich der Kinder, achtete sie und etliche Leute gingen, um ihre Fähigkeiten als Schwimmerin zu beobachten.



In diesem Kapitel begegnen wir dem alten Zauberer Fuchsdickicht


"Casiel! Otiel! Barwsiel!" Der alte Zauberer rief mit tiefer Stimme, einem schweren, wie in einen leeren Brunnen fallenden Geräusch, seine Hunde zu sich. Jedes seiner Worte hallte durch die Niederung, wo sich sein Heim, genannt Fuchsdickicht, versteckte. Die Hunde kamen gehorsam zu ihm und leckten ihm die Finger.

Tatsächlich paßte der alte Zauberer nicht in das klischeehafte Bild eines alten Zauberers; er hat keinen langen spitzen Hut, kein Gewand, keinen Zauberstab, keine lange Nase, kein langes weißes Haar, keinen wallenden langen weißen Bart. Nein, und alt war er auch nicht, obwohl er von allen alter Zauberer genannt wurde. Er war mollig, seine makellosen Wangen waren rot, er hatte eine Tonsur und einen Rand kurzer schwarzer welliger Haare um seine Ohren herum und in seinem Nacken. Er war groß, stämmig und von jungem Aussehen. Strahlend vor selbstzufriedenem Stolz stand und lief er mit derart geradem Rücken, daß man meinen konnte, er hätte den sprichwörtlichen Schürhaken verschluckt. Man könnte meinen, daß er ein wohlsituierter Mann sei, ein Anwalt, ein Arzt, ein Landbesitzer. Doch nein, er war ein Weiser. Aber es ist richtig zu sagen, daß er eine Art Doktor war. Doktor Marmadiwc nannten ihn die Dorfbewohner, und die meisten von ihnen gingen mit ihren Unpäßlichkeiten lieber zu ihm, als zum richtigen Dorfarzt, Dr. Stevens. Sie vertrauten dem Zauberer mehr als dem Arzt, der, in dem Versuch, einem zur Besserung zu verhelfen, mit einem Messer in den Körper geht und Teile aus ihm herausschneidet, wo man dann unter grausamen Schmerzen innerhalb eines Monats stirbt. Der Weise verwendete Kräuter und Sprüche, die auf Papier oder auf Pergament in einer Sprache geschrieben waren, die niemand außer dem Zauberer selbst verstand, und die Menschen vertrauen ihm.

Doch sie hatten natürlich auch Angst. So sagte man, daß es in Fuchsdickicht eine Bibliothek gäbe, die Bücher enthielte, in denen alles geschrieben stand, was in der Zukunft passieren wird. Eines nachts machten sich zwei Jugendliche, Sami Rhisiart und Ianto Mwnsh von Pentre Simon, nach Fuchsdickicht und kletterten dort im Garten auf einen hohen Baum und sahen in das Fenster des Hauses, wo sie Kerzenlicht tanzen sahen. Und dort, so sagten die Jungen, stand der Zauberer in seiner Bibliothek mitten in mit Kreide auf den Boden gemalten Sternkreisen. Und der Schädel irgendeines Tieres mit gedrehten Hörnern war auch in der Fußbodenmitte, und in jeder Ecke brannten Kerzen. Der Zauberer selbst stand mit geschlossenen Augen mitten in einem Riesenstern, in der echten Hand ein Messer, so sagten die Jungen, und in der linken Hand ein Buch, und, Gott sei dank, übte sich im Sprechgesang. Die Jungen konnten die Worte hören, aber er sprach weder Englisch, noch Walisisch. Alles das sahen sie allerdings nur in der Sekunde eines flüchtigen Blickes, denn, es erübrigt sich eigentlich zu sagen, keiner der beiden Jungen verharrte lange auf dem Baum, sondern sie sprangen wie vom Feuer versengte Katzen von den Zweigen, und weg waren sie.

Doch dann passierte etwas Merkwürdiges; eines Tages liefen die Jungen am Markttag durch Pentre Simon, das Dorfzentrum war gerammelt voll - und bums! Plötzlich standen sie dem alten Zauberer gegenüber. Er hatte sie in eine Ecke gedrängt, und etliche der angesehensten Bürger des Dorfes wurden Augen- und Ohrenzeugen von dem, was der Weise zu den beiden Unholden sagte.

"Aha", sagte Dr. Bifan, "komisch, daß keiner meiner Hunde die vorige Nacht anschlug, als ihr, mein Land unbefugt betretend, mich vom Baum aus ausgekundschaftet habt!"

Seine Stimme klang wie ein Tamburin und seine Stirn sah wie eine Sturmwolke aus. Die Gesichter der beiden Burschen hingegen wurden kreidebleich, ja selbst ihre Lippen waren weiß.

"Wenn ich euch zwei - meine Augen geschlossen oder nicht - oder, wenn ich irgend jemanden", sagte der Doktor mit einem flüchtigen drohenden Blick, der unter seinen schwarzen Brauen auf jeden Einzelnen der umherstehenden Menge hervorschoß, "wenn ich irgend jemanden sehe, werde ich Casiel, Otiel und Barwsiel auf euch hetzen, und nachdem sie euch gefangen haben, werde ich euch in Schnecken verwandeln und Abracadabra zu fressen geben."

Die Jungen liefen, so schnell es ihre Clogs zuließen, davon.

Abracadabra war übrigens, wie jeder in Pentre Simon wußte, die schwarze Dohle, die der Doktor in einem Käfig in Fuchsdickicht hielt. Sie wußten außerdem, daß die Käfigtür meist offen war und daß es dem Tier frei stand, zu kommen und zu gehen, wie es wollte und daß es scheinbar mit der gleichen Befugnis wie Dr. Marmadiwc Bifan selbst durch's Haus lief. Ja, laufen tat das Tier, das Abracadabra genannt wurde, anstatt zu fliegen. Obwohl es fliegen konnte - einige hatten es fliegen sehen - zog es vor zu laufen, wirklich, zu stolzieren, zu flanieren, zu schlendern, durch die Zimmer von Fuchsdickicht und im Garten umher, genauso wie ein Mensch. Genau, manche meinten, die Dohle sei in Wirklichkeit ein Mensch, besser gesagt, eine Frau. Eine schöne Frau mit schwarzem Haar, die vom Zauberer bezaubert und durch seine Magie und seinen Zauber in einen Vogel verwandelt worden war. Deshalb, so sagte man, folgte Abracadabra Dr. Bifan überall hin, wo immer er zu seinen geheimen Handlungen in seinem Haus ging. In der Nacht, so wurde getratscht, würde der Vogel wieder die Form einer Frau annehmen und mit dem alten Zauberer in seinem Bett schlafen. Vielleicht hatten irgendwelche Jungen irgendwann einmal durch die Fenster in Fuchsdickicht spioniert und es gesehen. Woher sollte sonst der Tratsch kommen? Doch andere sagten, daß die Dohle keine Frau sei, sondern eher ein Kobold oder ein Dämon, ein Diener des Teufels, ein Geist, und mit Hilfe des teuflischen Vogels könne der Zauberer die Unpäßlichkeiten und Geschwüre bessern, sagen, ob Schwangere einen Jungen oder eine Mädchen bekämen, das Haus verzaubern, um es vor Räubern zu schützen; mit Hilfe dieses besonderen Vogels könne er einen Geliebten für jemanden zaubern - wenn er denn zahlte - und jemandes Hauptfeind verfluchen; er könne das Wetter nach seinen Wünschen ändern, er könne in die ferne Zukunft sehen. Natürlich glaubte das nicht jeder. Abrcadabra sei nur ein zahmer Vogel, den der Zauberer, nachdem er ihn an einem Flügel verletzt in seinem Garten in Fuchsdickicht gefunden hatte, geheilt hatte. Nein, sagte diese Fraktion von Leuten, all das Wissen des Zauberers steckte in seiner Bibliothek. Dort gab es





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