Senyoria

Einer der besten Romane des Jahres
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Proa: Senyoria
Josep Maria Huertas
Wäre man in diesem Land in Sachen Literatur nicht so abhängig von der jeweiligen Mode, wäre Senyoria sicherlich der am meisten kommentierte Roman des Jahres. Ein Grund dafür ist, dass nicht viele wirklich gute Romane erscheinen und ein weiterer, dass nur wenige seiner Generation ihr Handwerk so gut beherrschen wie Jaume Cabré, und letztlich, dass in nur wenigen Romanen das Gleichgewicht zwischen Handlung und Figuren so gelungen ist.

In der historischen Freske, Senyoria, setzt Cabré gekonnt fast karikatureske Ironie ein, wie wir das schon von dem bekannten Schriftsteller Eduardo Mendoza kennen. Aber wenn ich mir eine Blasphemie in dieser Welt des kulturellen Totalitarismus erlauben darf, dann gewinnt Cabré die Partie gegen Mendoza, zumindest wenn wir Cabrés Roman mit dem letzten wirklich erfolgreichen Roman Mendozas, "Die Stadt der Wunder", vergleichen. Einige Seiten darin knirschten leicht, weil Mendoza zu stark aufgetragen hat bei seinem Versuch, an die satirische Tradition des Landes anzuknüpfen. Cabré hingegen ölt sämtliche Komponenten und so gelingt es ihm, dass fast alles perfekt zusammenspielt, selbst die Ironie, mit der er seine Hauptperson, "Euer Ehren", Sa Senyoria, beschreibt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Machtmissbrauch seitens des Präsidenten des Gerichtshofs von Barcelona, stehen Korruption und Selbstgerechtigkeit. Die Handlung spielt sich immer auf zwei unterschiedlichen Ebenen ab: Die epistolare Lyrik der Freundschaft zwischen Andreu und Nando, bei dem es sich übrigens um den Musiker Ferran Sors (im Buch Sorts genannt) handelt und die gelungene Beschreibung des Lebens in Barcelona gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Obwohl auch Cabré, wie Mendoza, nach Belieben mit Anachronismen spielt, passen diese immer perfekt in die Handlung.

Ein weiterer Pluspunkt dieses Buchs ist die ausdrucksstarke Beschreibung der handelnden Figuren, die perfekt in den historischen Rahmen passen, ohne dass sie jemals leblosen Archetypen ähneln. Zusammen mit Fra Junoy o l'agonia dels sons (Bruder Junoy oder die Agonie der Töne) ist Senyoria das Werk eines Schriftstellers, der sich Zeit für seine Romane nimmt. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen: ein handwerklich ausgereifter Schriftsteller mit Tendenz zum Klassiker, von der Sorte, die letztendlich wirkliche Literatur hervorbringen.









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