Glückseligkeit

Eine literarische Illusion
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Edicions 62: La felicitat
Jordi Puntí

Wenn man bedenkt, welche Rolle der so genannte historische Roman in letzter Zeit in der katalanischen Literatur spielt, mit aufgewärmten sentimentalen Ritualen und bis zur Karikatur reduzierten Figuren ohne jede Vitalität, wie aus einer königlichen Seifenoper, beispielsweise Jakob I., der Eroberer, von Aragonien, ist es nicht verwunderlich, dass Lluís-Anton Baulenas jede Chance nutzt, sich von dieser literarischen Gattung zu distanzieren und immer wieder betont, dass sein Roman keinem Genre zuzuordnen sei. Hinter dieser Einstellung steckt natürlich seine Idee vom Roman als höchster Ausdruck fiktiver Literatur, der es gleichzeitig gelingt, die Farben und Schattierungen auf dem Bild einer Epoche zu fixieren. La felicitat lässt sich daher nicht etikettieren und passt perfekt zu der von ihm beschriebenen Belletristik: Es gelingt Baulenas in seinem gesamten Roman, die Faszination für ein tatsächliches Ereignis - den Durchbruch der Via Layetana zwischen 1907 und 1909 - und die Parallelhandlung (oder wenn man so will, die Haupthandlung), die das Auf und Ab einer Gruppe von Personen beschreibt, die scheinbar ziellos in dem von Besitzgier und Hochmut geprägten Barcelona jener Tage umher streifen, dem Abgrund nahe, miteinander zu verbinden. Buch für Buch hat sich Baulenas einem flüssigen Schreibstil genähert, der auf Spannung und einer schnellen Abfolge der Ereignisse basiert; aber der Hauptvorteil liegt darin, dass dieser Stil ihn nicht in die gefährliche Nähe der reinen Bestseller gebracht hat: Der Erzähler Baulenas nimmt sich Zeit für eine präzise Beschreibung der Details und gewährt der Handlung kurze Unterbrechungen - sagen wir, um sein Können heraus zustellen. In diesem Zusammenhang bietet La felicitat einige Höhepunkte: die stilistisch hervorragend geschriebenen Gespräche der weiblichen Hauptfigur mit den Toten und die herausragende Beschreibung der dramatischen Zerstörung eines Stadtviertels. Der Rest ist literarische Fertigkeit: das Können, mit dem er eine lange Geschichte über Gute und Böse und sehr Böse aufbaut, alle Gefangene, wenn auch unbewusst, ihrer Suche nach dem Glück. Den Ausgleich zu dieser verzweifelten Suche bildet das Lächeln, das für einige Augenblicke glücklich macht und das bewegende Bildnis der Hauptdarstellerin: "Im Schlaf erscheint ab und zu ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht, als würde in ihren Träumen die Suche nach ein wenig Glück wenigstens eine kleine Chance auf Erfolg haben", beschreibt es der Autor. Wegen der Tiefe seiner Erzählung, der Fähigkeit Erwartungen zu erwecken, und sie später nicht zu enttäuschen, der ausgefeilten Leichtigkeit seines Stils nimmt das paradoxe Glück des Romantitels mehr und mehr Gestalt an, je weiter man liest und der Leser, und sei es nur für einen Moment, kann sich der Illusion hingeben, ein wenig Glück gefunden zu haben. Und das ist, was man meiner Meinung nach, unter wirklicher Literatur versteht.








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