Junge Stimmen

Rudian Zekthi
Please_leave223
Zekthi (die Stechfliege)
1970-

Gedichte

Aus dem Albanischen von Hans-Joachim Lanksch

Rudian Zekthi wurde 1970 in Elbasan geboren. Er studierte Literatur in Tirana und Moskau und ist seit 1996 Dozent für neuere nichtalbanische Literatur an der Universität Elbasan. Zekthi schreibt heute philosophische Essays und hält sich dem Getriebe des Literaturbetriebs fern, in den neunziger Jahren hat er zwei Gedichtbände veröffentlicht. 1991 gehörte er mit Ervin Hatibi, Agron Tufa und anderen Lyrikern zu den Begründern der avantgardistischen Literaturzeitschrift E për-7-shme, die er maßgeblich prägte. Der Lyriker und Kritiker Agron Tufa nennt ihn "dunkler Rudian" und spricht von der "Atmosphäre der sprachlichen Mystik Zekthis, die den oberflächlichen Leser ausschließt."

Die hier übersetzten Texte sind der Nr. 11 (2001) der Literaturzeitschrift ALEPH entnommen, wo sie als Wiederabdruck einer Zeitschriftenveröffentlichung des Jahres 1994 erschienen sind.



Unter der Haut

Die Augen gebräunter Menschen brechen gewöhnlich
Wenn sie sie anziehen ohne das Leben zu Ende zu denken.
In diesem Moment wird ihnen die Welt näher als der Kopf
In welchem Raum nimmt es ab das Hören des Wassers
Das Verstecken der Schwermut in der Oberflächlichkeit des Arms
Langsam aufgelöst im Halbdunkel des Kämmens
Das Mahl des Taubennackens wird senil
Von den Energien des Rotzes die das Taschentuch benutzt
Um der Bewegung die endgültige Form zu geben.
Vom Rot des Daches fällt Rauch
Auf Fähigkeiten des Körpers mit Knochen die der Atem zerrieb
Nicht vergeblich zieht sich der Mensch zurück
Die Hände ranken empor zu den Spalten der Augen
Und von oben wird er die Seele betrachten
Die von der Haut geschwärzt ist.



Am Ende des Wunders

Die Begegnung mit einem Menschen
Verlangt ganze Tage um ihn mir als Tier vorstellen zu können
Das die Welt gut kennt. Ganz zum Schluß
Wird ein Wunder geschehen zuerst aber muß ich
Natürlich sein an diesem Sommertag. Es vergingen viele
Tage an denen ich vorher gelebt hatte.
Diesen Menschen werde ich allerdings nicht mehr treffen.
Er kannte die Welt gut und hielt sich mit Mühe
Zurück nicht begraben zu werden ehe er einging
Während ihm das Ende des Tals vorkam
Durch und durch wie ein Traktor da die Nägel geschnitten werden
Wie Zweige aus warmem Wasser. Zweifarbiges Wasser
Beim Waschen der Hände kaum zu erkennen
Daß auch Blutflecken gewaschen werden. Als ich ihn traf
Suchte er im Staub die letzten Spuren
Des Blitzes der sich gerade wie eine
Verbrannte Karte fühlte. Denn er spürte daß
Ganz am Schluß eins von den Wundern geschehen wird
Die die Welt gut kennt. Auch am Ende des Tals
Wärmte der Blitz das Wasser und half ihm
Die Finger dunkel zu sehen. Mit der Glocke am Hals
Sucht er umsonst am Himmel
Die Herde des Seifenschaums
Nur ich gebe ihm gegenüber zu daß sich Wasser nur
Am Tag erwärmt und wenn die Nacht der Unschuld fern ist.



Waagerecht

Beim Ausziehen der Unterhose sah ich
In blauen Tannen breite Schichten
Von Rauschen. Die Esel sprangen wie Federn
Denn du kannst keine Esel springen sehen ohne daran
Zu denken du hättest den Revolver
Erfinden können als du wolltest
Am Anfang. Rauschen kalt
Wie Eisen die du verspätest berührst
Eine Antwort gegenüber Wolken
In denen kurz zuvor kein Staub war.



Mädchen mit Halbgesicht

In der Zeit als meine Augen
Sie noch nicht gesehen hatten
Lebt sie, denke ich, auch jetzt.
Ein Mädchen mit nur einem halben Gesicht
Die andere Hälfte von violetter Farbe
Von Zähnen bedeckt von einer Schulter zur anderen.
Das kleinere Mädchen war ein anderes
Das Erde aß
Um die Schwangerschaft der Vögel zu ersetzen.
Aus dem Schornstein stieg unbeweglicher Rauch
Wie eine Fensterscheibe zu der sich die Bilder
Hinter ihr nicht flüchten können.
Die Dämmerung füllt wie ein Weinberg die Hälfte des Schattens
So daß die Tür verloren ging
Mit der ich Kinder machte
Unter diesen seltenen Vögeln.
Was dein Auge jetzt sieht ist gewesen und
Als letzte blieben die Tiere zurück
Elfenbeingefüllte Gruben
Widergespiegelt im Bellen der Hunde mit
Uneßbarem Fleisch in der Dämmerung.
Ich sah die Hand - konnte mich nicht trennen von ihr
So unnatürlich neben dem Verlust
Der wolkenverfolgten Nieren.
Da wo weiter Gesicht sein sollte
Erschien die Erde wie die Sonne nicht unterging
Ihre Beine waren länger als Dächer
Und meine Neugier. Unter diesen seltenen Vögeln
Ist der kummervolle Kopf ein Paradies
Wenn du ein Mädchen liebst dessen Beine länger sind als die Erde
Mit unbeweglichem Gang
Bewahrt und tränenbenetzt von warmem Wetter.
Neben dem anderen Mädchen das Erde ißt
Mit Augen die blutbespritzt sind vom Untergang
Stolzierte ein schwangerer Falke
Ihm genügte die Liebe nicht um zu verschmelzen
Mit dem violetten Lauf der Planeten.



Zusätzliche Musik

Ich pflege meine Ambition und verdunkle mich bevor
Meine Augen erlöschen. Vor mir liegt
Eine belagerte Welt, ihre Flüsse
Und mein Wunsch lebendig zu sein
Beginnend irgendwo. Und spürend daß Worte
Weiter oben selten sind. Fast Musik
Und wie habe ich mich damit begnügen können.
Nichts ist in der Finsternis zu hören
Außer meinem gleichberechtigten Hören mit den Händen
Die sich um meine wirklichen Schenkel wickeln
Das Feuer im Schornstein zieht Schweiß
Aus dem künftigen Leuchten der Sonne bei Tagesanbruch.
Am Beginn der Trennung mit 1 Meter
Der Fortsetzung des Mannes mit dem Erbleichen des Meerwassers
Durch die Süße. Fast Musik
Und wie konnte ich am Morgen sensibel sein
Haut kann ich haben oder Schauer bis neben der Welt
Aber ich kann nicht Schatten werfen ohne durchsichtig zu sein
Schon lange erinnere ich mich an den ersten der Männer
An die ich mich erinnere. Mir fallen nacheinander
Wie Quellwasser alle Schatten ein die
Diese Lästerung erschüttern konnte
Und wie haben sie Trost finden können bei
Ihrer Phantasie und unberührbar wie ein einziger Jemand
Der keine Klänge hört. Hier beginnend
Höre ich keine Musik wenn ich mich nicht vor dem Spiegel sehe
Ganz das Gegenteil ist wahr,
Ich kann nicht akzeptieren ein materieller Körper zu sein
Wenn die Musik nicht in meinen gebrochenen Augenknochen stecken bleibt
Musik die mich auch nicht verstimmt wenn sie im Licht des Himmels verschwand
Das passiert meistens am Tagesbeginn. Wie das Feuer mit der Sonne
Kann ich mich nicht als Frau fühlen
Falls nicht zu einer bestimmten Zeit das Hören einer solchen Musik
Anfängt die die Phantasie nicht trösten kann.




.........................................................................................................





© University of Wales, Aberystwyth 2002-2009       Home  |  @ Kontakt  |  Zurück zum Seitenanfang
site by CHL