ZU DIESER AUSGABE

Transcript 26 / 27:

Verbotene Worte

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Mária Chilf
Chantal Wright

Aus dem Englischen von Andrea Salt

Willkommen zu dieser Doppelausgabe von Transcript, die dem Thema 'Verbotene Worte' gewidmet ist.

Um dieses Projekt richtig einzuordnen, bedarf es einiger erklärender Worte, insbesondere für unsere französisch- und englischsprachigen Leser. 'Verbotene Worte' ist ein informelles literarisches Netzwerk, das von der bulgarisch-deutschen Schriftstellerin Tzveta Sofronieva ins Leben gerufen wurde. In ihrem Einführungsessay 'Andere (W)orte', das Sie in dieser Ausgabe lesen können, beschreibt Tzveta Sofronieva, wie ihr Interesse an kulturell vorbelasteten Worten 1995-96 durch eine Diskussion mit der deutschen Übersetzerin ihres Gedichts 'Rodina' geweckt wurde. Eine wörtliche Übersetzung des bulgarischen Titel ins Deutsche wäre problematisch gewesen: Schließlich hat das Wort 'Heimat' Konnotationen, die sich aus der speziellen historischen Situation Deutschlands erklären. Das Gedicht erhielt daher den Titel 'Gefangen im Licht', wobei das Licht von der Sprache selbst geworfen wird, in der sich die Dichterin gefangen fühlt. 'Verbotene Worte' entstand aus dieser Diskussion heraus. In den vergangenen zwölf Jahren kamen Schriftsteller, Künstler und Akademiker aus Europa und darüber hinaus zusammen, und es fanden Lesungen und Diskussionen statt. Schließlich wurde die deutschsprachige Anthologie 'Verbotene Worte' (Biblion: 2005) veröffentlicht, deren Themen das sprachliche Gedächtnis und die Missverständnisse sind, die bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen entstehen können.

Heute gibt es Anzeichen für eine Rehabilitation des deutschen Wortes 'Heimat', denn Deutschland scheint im Zuge der Fußballweltmeisterschaft 2006 einen 'positiven Patriotismus' zu entwickeln. Das englische Wort 'homeland' dagegen ist durch die Konnotationen seines aktuellen Gebrauchs in den USA so belastet wie nie zuvor. Aus diesem Grund lassen wir in dieser Ausgabe zwei amerikanische Schriftstellerinnen zu Wort kommen (nur in der englischen Version) - ein Bruch mit der Tradition von Transcript, der jedoch durch den speziellen Charakter dieser Sonderausgabe gerechtfertigt scheint.

'Verbotene Worte' beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem sprachlichen Gedächtnis und sprachlichen Tabus, sondern untersucht auch, welche Einblicke die Zwei- oder Mehrsprachigkeit in die Sprache an sich gewährt. Im Bulgarischen Kulturinstitut in Berlin fand am 30. März 2007 eine von Transcript organisierte Lesung und Diskussion zu 'Verbotene Worte' statt, bei der über Mehrsprachigkeit und die Bürde der Sprache debattiert wurde. Dabei wurde u. a. der Standpunkt vertreten, dass die Kenntnis zweier oder mehrerer Sprachen das Bewusstsein für das Sagbare und das Nicht-Sagbare, für die Kluft innerhalb einer Sprache und zwischen verschiedenen Sprachen schärft. Sowohl Odile Kennels Novelle Wimpernflug (nur in der französischen und deutschen Ausgabe), die Geschichte eines neunjährigen Mädchens, das mit zwei Sprachen - Französisch und Deutsch - aufwächst, als auch Yoko Tawadas Erzählung über die Programmierung der Lexik eines 'Robo-Poeten' in Ein Brief an Olympia (nur in der französischen und deutschen Ausgabe) zeigen sehr anschaulich, wie sich die zwei Schwerpunkte von 'Verbotene Worte' gegenseitig ergänzen.

Unser besonderer Dank gilt den folgenden Personen und Institutionen, ohne die diese Ausgabe nicht möglich gewesen wäre: der Gastherausgeberin Tzveta Sofronieva; den Bulgarischen und Rumänischen Kulturinstituten in Berlin für die Unterstützung unserer Lesung im März; den AutorInnen Magda Cârneci, Odile Kennel, Michail Nedelchev sowie den Dolmetscherinnen Nevena Dragostinova und Irene Rudolf für ihre Teilnahme an dieser Lesung; allen AutorInnen und ÜbersetzerInnen, die an dieser Ausgabe mitgearbeitet haben; der Künstlerin Maria Chilf, die uns ihre Bilder und Fotografien zur Verfügung gestellt hat; und schließlich Leïla Pellissier und Audrey Langlassé für ihre großzügige Unterstützung bei der französischen Ausgabe.








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