INTERVIEW: Lila Prap

Alle lieben Lila!
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Mit freundlicher Genehmigung von Lila Prap
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© Bajazzo Verlag
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© Nord-Süd-Verlag
Lila Prap, slowenische Illustratorin und Autorin von Büchern wie Warum?, Wenn der Mond aufgeht, Mein Papa und ich und Das tierische Wörterbuch, nominiert für den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis 2007, spricht mit Transcript über die Vorzüge der Namensverkürzung, lästige Formulare vom Finanzamt und die höchst unmoderne Angewohnheit, bei der Arbeit zu rauchen.

Aus dem Englischen von Andreas Jandl


Können Sie ein wenig über sich erzählen, über Ihr Leben?

Ich wurde 1955 in Celje geboren, einer kleinen Industriestadt in Slowenien. Damals gehörte das noch zu Jugoslawien. Nach der Grund- und Oberschule in Celje ging ich zum Studieren nach Ljubljana und machte dort ein Diplom als Architektin.

Meine erste Anstellung hatte ich übrigens in Deutschland, in einem Architekturbüro in Wiesbaden, wo ich an Projekten für ein Kinderkrankenhaus mitgearbeitet habe. Weil ich aber sehr gerne eine Familie gründen wollte, kehrte ich nach einem Jahr nach Slowenien zurück und heiratete meinen Freund aus Skofja vas, nahe bei Celje; dort bin ich bis heute geblieben. In Celje fand ich zunächst eine Stelle in einem Büro für Stadtdesign, dann als Dozentin an einer Berufsfachschule, schließlich als Industriedesignerin bei Gorenje, einem Hersteller von Haushaltsgeräten in Velenje. Da ich neben meinem Beruf sehr damit beschäftigt war, Karikaturen für Zeitungen zu zeichnen und kleine Architekturprojekte für Freunde zu machen, fällte ich vor gut 20 Jahren die Entscheidung, mich als freiberufliche Künstlerin selbstständig zu machen. Das bin ich immer noch.

Ihr richtiger Name ist Lilijana Praprotnik Zupancic. War es Ihre Idee, als Lila Prap zu arbeiten?

Von meinem langen Namen bin ich nicht besonders angetan - können Sie sich vorstellen, wie viel Zeit ich immer brauche, um irgendwelche Formulare auszufüllen? Und wenn man einen so langen Namen mit dicker Kreide auf ein Bilderbuchcover schreibt, merkt man schnell, dass man von diesem langen Monster am besten einfach die Enden abschneidet. So wurde ich zu Lila Prap für Kinderbücher und zu Lilijana Praprotnik Zupancic für längere Geschichten für Jugendliche.

Transcript hat sich als Magazin immer sehr für die 'kleineren' europäischen Länder interessiert und für die 'nicht so weit verbreiteten' Sprachen. Unsere aktuelle Ausgabe widmet sich der Kinder- und Jugendliteratur und wir schauen uns auch grenzüberschreitende Kooperationen zwischen kleinen europäischen Verlagen an. Für Schriftsteller und Illustratoren aus kleinen Ländern wie Slowenien ist es ungewöhnlich, zu internationaler Anerkennung zu kommen, aber natürlich nicht, weil es in den sogenannten 'kleinen' Ländern keine Talente gäbe, sondern weil es schwierig ist, die Aufmerksamkeit der sprachlich dominanteren Länder auf sich zu ziehen. Wie haben Sie es geschafft, einen internationalen Ruf zu erlangen, und kam der internationale Erfolg überraschend für Sie?

Durch meine Illustrationen wurden 1998 bei einer Ausstellung auf der weltgrößten Kinder- und Jugendbuchmesse in Bologna Verleger auf mich aufmerksam, noch bevor ich überhaupt eigene Bilderbücher veröffentlicht hatte. Damals schrieb und illustrierte ich Artikel für slowenische Kinderzeitschriften. Der slowenische Verlag Mladinska knjiga bat mich, aus meinen Artikeln ein Buch zu machen. Damit fing es an. Ich hatte viel Freude daran und so machte ich nicht nur eines, sondern noch ein zweites und ein drittes ... Ich hätte nie geglaubt, dass ich ein ganzes Bilderbuch hinbekommen könnte. Und zu meiner großen Überraschung kamen Bücher wie Warum? und Das tierische Wörterbuch sehr gut an. Eine Verlegerin von Random House wollte auch gerne mit mir zusammenarbeiten und so habe ich zwei Bilderbücher für sie illustriert. Nach dem Erfolg von Warum? wuchs das Interesse der internationalen Verlage und sie begannen, sich für andere Titel aus meinen Serien zu interessieren und auch für andere slowenische Bilderbücher. Mladinska knjiga machte auf einigen Buchmessen recht eindrucksvolle Präsentationen slowenischer Bücher. Meine neueste Arbeit ist eine Trickfilmserie, die an eine große Werbekampagne mit dem japanischen Fernsehsender NHK Enterprises gekoppelt ist. Die Trickfilmserie startet diesen Sommer. Wer weiß, was dabei herauskommt? Da kann es alle möglichen Überraschungen geben.

Erscheinen Ihre Bücher immer erst in Slowenien, bevor sie im Ausland veröffentlicht werden, oder ist es andersherum? In welcher Sprache schreiben Sie Ihre Texte?

Ich veröffentliche meine Bücher am liebsten in Slowenien, da ich bei meinen Büchern sehr gerne illustriere und texte - und das in der Sprache, die ich am besten kenne. Zwei Bücher habe ich für Random House gemacht, doch dann verlor meine Lektorin durch die "Kinderbuchkrise" ihre Stelle, so dass wir im Moment nicht mehr zusammenarbeiten. Sehen Sie sich als Teil einer Tradition slowenischer Grafikkunst? Über meine "Wurzeln" habe ich so noch nicht nachgedacht. Als Kind las ich vorwiegend slowenische Bücher und auch ein paar weltberühmte Kinderbücher, die ins Slowenische übersetzt und von slowenischen Künstlern illustriert wurden. Die Grundlagen meiner Bildsprache habe ich also wahrscheinlich von Autoren aus meinem Land gelernt: Marlenka Stupica, Ancka Gosnik Godec, Lidija Osterc, Tone Kralj, Ive Subic, Bozo Kos und vielen anderen.

Wenn Sie mit anderen Autoren zusammenarbeiten, z.B. mit Barbara Jean Hicks für I Like Black and White und I Like Colours, wie sieht da die praktische Arbeit aus? Sind Sie sich persönlich begegnet oder geschieht alles in der virtuellen Welt?

Normalerweise werden solche internationalen "Langstreckenbücher" virtuell gemacht, glaube ich. Das ist heutzutage das Einfachste. Ich habe Barbara Jean getroffen, als das Buch schon veröffentlicht war. Davor hatten wir nur über den Verleger kommuniziert, wir hatten nicht einmal Kontakt per E-Mail. Ich glaube, so verfährt man am besten, wenn alle, die am Schöpfungsprozess beteiligt sind, vollkommen freie Hand haben und jeder seine eigene Sicht auf das Thema mit einbringt. Manchmal, wenn ich mit einigen Schriftstellern spreche, erzählen sie mir, dass ein Buch so illustriert werden sollte, wie sie es machen würden, wenn sie zeichnen könnten. Ich glaube, dass Illustratoren, die mit solchen Schriftstellern direkt zusammenarbeiten, es recht schwer haben.

Ihre Arbeiten lassen vermuten, dass Sie Tiere sehr mögen. Gab oder gibt es Haustiere, die in Ihrem Leben eine besondere Rolle spielen?

Haustiere waren bei uns Teil der Familie, sie waren fast immer da. Ich hatte Katzen und Hunde. Die Katzen teilten aber ein ziemlich sonderbares Schicksal: Die meisten verschwanden nach einem Jahr oder sogar noch früher und lange Zeit hatte ich Angst davor, mir wieder eine Katze zu nehmen. Jetzt haben wir einen Kater, Sigmund, der hauptsächlich im Haus bleibt, und ich hoffe, er wird nicht auch verschwinden. Und wir haben einen Hund, Oto, eine Mischung aus allen möglichen Hundesorten, und wahrscheinlich wird er ziemlich groß. Beide machen mich wahnsinnig, weil sie miteinander kämpfen und ständig die Treppe hoch und runter rennen! Das kann einen verrückt machen!

Woher holen Sie sich die Inspiration für Ihre Arbeit?

Viele Ideen sind in meinem Kopf, seit ich Kind bin, einige kommen mir bei den unterschiedlichsten Anlässen, die mit Büchern gar nichts zu tun haben. Kinderbücher sind da nicht viel anders als Bücher für Erwachsene - man bringt darin seine Ansichten oder Erfahrungen zum Ausdruck, sie sind einfach nur ein Medium.

Welche Kinderbuchautoren und -illustratoren bewundern Sie?

Da gibt es einige. Neben den Autoren, die ich schon als Kind bewundert habe, gehören jetzt auch einige dazu, die für die kindliche Wahrnehmung ein wenig zu schwer waren. Aber heute sehe ich diese Themen aus einer anderen Perspektive. Ihre "Bildsprache" war damals zu kompliziert. Ich kaufe mir gerne gut illustrierte Bücher, auch heute noch, einfach aus Freude an der Zauberwelt, die sie erschaffen. Shaun Tan, Lisbeth Zwerger, Calef Brown (ich weiß nicht, ob ich ihn als Kind gemocht hätte) und moderne slowenische Autoren wie Alenka Sottler, Mojca Osojnik ... und viele andere.

Was war als Kind Ihr Lieblingsbuch?

Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren. Dieses Buch ist ein Teil meiner Seele - so wie viele andere Bücher, die ich gelesen haben.

Gibt es eine bestimmte Tageszeit, zu der Sie am liebsten arbeiten? Oder einen bestimmten Ort? Haben Sie irgendwelche Rituale, die für Sie zur Arbeit gehören?

Normalerweise arbeite ich rund um die Uhr, wenn ich etwas Interessantes zu tun habe, doch am meisten arbeite ich nachts, wenn niemand mich stört. Dann trinke ich Kaffe, leichtes Bier, rauche (was heute nicht sehr modern ist) und höre Musik, wenn ich daran denke, eine CD einzulegen, meistens etwas Jazziges.

Was sind Ihre Lieblingsbeschäftigungen, wenn Sie nicht arbeiten?

Sport mag ich, alles, wobei ich mich bewegen kann; meistens spiele ich Tennis auf dem Platz bei meinem Nachbarn. Oder ich liege am Strand und lese Berge von Büchern.

Was sind bei Ihnen die nächsten Projekte, die anstehen?

Ich sollte ein neues Buch machen, aber im Moment habe ich überhaupt keine Ideen. In den letzten Monaten habe ich meine Kreativität vor allem darauf verwandt, Formulare für das Finanzamt auszufüllen. Vielleicht ist es an der Zeit, etwas anderes zu machen - oder woanders hinzugehen.

 

 







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