Mehr Länder, bessere Bücher

Mehr Länder, bessere Bücher
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Mladen Jandrlic auf der Prager Buchmesse 2007
Gemeinsam zu mehr Qualität

Mladen Jandrlic, Gründer und Leiter der in Zürich angesiedelten Literaturagentur books & rights spricht sich für mehr internationale Kooperationen bei kleinen Verlagen aus.

Kleine Verlage produzieren kleine Auflagen, haben aber hohe Qualitätsansprüche. Die Gratwanderung zwischen Originalität und Verkäuflichkeit, die auch bei den ganz Großen für heiße Diskussionen zwischen Lektoren und Vertretern führt, ist bei den Kleinen besonders heikel. Denn die Originalität ist bei ihnen eine wichtige, wenn nicht gar die wichtigste Daseinsberechtigung. Mainstream würde ja nicht so heißen, wenn er in kleinen Auflagen und in speziellen Programmen daherkäme. Programme kleiner Verlage müssen gerade noch so auffällig sein, dass sie von den Großen abheben, und zugleich gerade noch so kommerziell, dass sie die nächste Produktion finanzieren können.

Die Originalität ist nicht minder heikel auf dem internationalen Parkett: Austauschbare, gesichtslose Bücher ins Ausland zu verkaufen, ist nicht leicht. Doch was zu originell ist, muss noch genauer ins jeweilige Programm passen - und dies wahrscheinlich bei einem genauso kleinen ausländischen Verlag. Das macht die Sache nicht einfacher. Dabei sind Lizenzverkäufe gerade bei den Kleinen oft als Einkommensquelle mindestens genauso wichtig wie der heimische Markt.

Kleine Verlage haben oft auch den Anspruch, noch unbekannte Künstler zu fördern, im Idealfall sogar nach und nach aufzubauen. Das ist alles andere als leicht. Neue Künstler lassen sich kommerziell schwer einschätzen. Ihre Originalität ist, wie schon gesagt, Qualität und Problem zugleich.

Das alles gilt nicht nur für deutsche Verlage. Zwar können die Ansichten darüber, was originell und was kommerziell ist, von Land zu Land leicht unterschiedlich sein. Doch die Probleme der kleinen Verlage, auf einem stark umkämpften Markt zu bestehen, ähneln sich über alle Grenzen hinweg.

Darum drängt sich die Frage auf, warum die Verlage, insbesondere die kleinen, nicht zusammenspannen sollten. Im Normalfall produzieren sie ihre Programme und suchen dann für fertige Bücher Lizenzkäufer im Ausland. Warum nicht schon früher Partner suchen? Was spricht dagegen, Bücher von Anfang an als gemeinsame Projekte zu planen und dann gemeinsam zu publizieren? Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Verlage produzieren höhere Auflagen und visieren einen größeren Markt an. Sie sprechen ihre Promotions-Maßnahmen ab und entwickeln gemeinsame Marketingstrategien. Sie treten zusammen an Messen auf, die für sie einzeln zu teuer wären. Die Aussicht, von Anfang an in mehr als einer Sprache publiziert zu werden, ist ein gutes Argument für Künstler - ob neu oder prominent - mit dem jeweiligen Verlag zusammenzuarbeiten. Außerdem könnten die eventuellen Nachdrucke flexibler geplant und gehandhabt werden, indem sich auch kleinere Auflagen lohnen können, wenn der Partnerverlag mitmacht.

Die vordergründig kaufmännischen und vertrieblichen Aspekte sind aber nicht alles. Der Ideenaustausch und die Zusammenarbeit bei der Programmplanung dürften sich auch auf die Programmqualität positiv auswirken. Indem die Partnerverlage Ideen einbringen, die sich aus dem jeweils unterschiedlichen Kunstverständnis und den Marktansprüchen ergeben, tragen sie dazu bei, dass die Projekte jene Gratwanderung zwischen Kommerz und Originalität schaffen, die für kleine Verlage so wichtig ist.

Und die Lizenzen? Auch da würden sich Vorteile ergeben: Projekte, die von Anfang an für zwei Märkte entwickelt werden, sind nur schon darum internationaler und dürften eher auch für Lizenzpartner attraktiver sein. Ein Beispiel dafür, dass so etwas funktionieren kann, ist die Zusammenarbeit zwischen dem spanischen Verlag Thule und dem Kinderbuchverlag Wolff aus Bad Soden. Die beiden Verlage haben ein gemeinsames Bilderbuch entwickelt, das an der letzten Buchmesse in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die katalanische und spanische Ausgabe sind im vergangenen Herbst auf den Markt gekommen, die deutsche wird im Frühling im Buchhandel sein. Die Geschichte stammt vom katalanischen Autor Antonio Lozano, die Bilder hat die Hamburger Illustratorin Birte Müller gemalt. Die Frankfurter Buchmesse und das Goethe-Institut haben das Projekt koordiniert. Finanziell unterstützt wurde es vom Auswärtigen Amt und vom katalanischen Institut Ramón Llull. Erstmals begegnet waren sich die Verleger Arianna Squilloni und Thomas Wolff im Rahmen eines Verleger-Dialogs, organisiert vom der Fachzeitschrift "BuchMarkt".

Auch ohne Sponsoren bleibt das Modell, sich unter kleinen Verlagen international zu vernetzen, ein spannendes. Gemeinsam Qualität erzielen und dabei Geld verdienen, das wollen ja sowieso alle.

Warum nicht von Anfang an?

 

 

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Dieser Artikel erschien erstmalig in der Fachzeitschrift "Buchmarkt" im September 2007.

Mit der freundlichen Genehmigung von Mladen Jandrlic und "Buchmarkt".

 







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