Adrian Grima

Die Abschaffung der Geschichte
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Foto: Karolis Zukauskas
Nachdichtung: Sylvia Geist
Nach einer Interlinearfassung von Ray Fabri



Für Khaled

Als die Soldaten gingen,
wollte er in die Zelle zurück, wo sie einem
wie mit einer Zange das Rückgrat verbiegen,
bis man etwas brechen hört -
die Zange.
Wenigstens einmal
wollte er stehen bleiben, gegen
die laufende Abschaffung der Geschichte.

In der Zelle wäre sie bei ihm,
kein Weggehen, keine Unterschrift
und keine rührende Propaganda
könnten sie entfernen
aus seinem Gedächtnis.




Der Friedhof in Arlington, Virginia
Nachdichtung: Sylvia Geist
Nach einer Interlinearfassung von Ray Fabri


In dieser ersten Freiluftschule, die ich je besuchte,
fand ich Pulte und gute, ruhige Schüler
in Reih' und Glied. Die Stille ist kein Versehen,
und keinesfalls bedeutet sie Faulheit oder Undankbarkeit
den Lehrern gegenüber. Was gelernt werden musste,
wurde gelernt, nun ist es still, damit wir lernen,
wir, die dieses sehr moderne Klassenzimmer
durchstreifen, ahnungslos, es sei denn,
unsere Ahnen erklärten uns, weshalb das hier
die beste aller möglichen Schulen sein soll.

Einige der ehemaligen Schüler haben
größere Pulte als ihre Kameraden, aber
meistens wird der Unterschied rechtzeitig genug bemerkt,
um eines in Normmaßen dazu zu stellen,
gerade groß genug für den Körper eines Menschen
und mit ausreichend Platz für Kritzeleien.

In Arlington bringt man dir alles auf einmal bei,
da brauchst du nach nichts mehr zu fragen.


Schwäne
Nachdichtung: Sylvia Geist
Nach einer Interlinearfassung von Dominik Kalweit


Bevor wir innehalten, landen die Schwäne nicht.
Und dann bleiben sie in sicherer Entfernung
wie die stillen Wünsche, die uns unstillbar machen.
Im Boot fragt mich Samwel nach tausend Dingen,
und mir ist, als müsste ich ohnmächtig werden
und ihn allein lassen, mitten auf einem fremden See.
Mit dem leichten Flattern ausgebreiteter Schwingen
findet das Wasser Zuflucht unter den Uferbäumen.
Runde Blätter treiben an der Oberfläche,
mit großen gelben Blüten.
Ich halte Abstand mit den Ruderblättern,
störe sie nicht auf, die zarten Schwimmer über der Tiefe,
die meine Verfolgung schon aufgenommen haben
wie Wünsche.

Samwel möchte nun selbst ein wenig paddeln,
und langsam nähern wir uns dem Ufer,
bevölkert von brandneuen, brennenden Bildern.


Fremde Last
Nachdichtung: Sylvia Geist
Nach einer Interlinearfassung von Dominik Kalweit


Nicht mal unter der Dusche wird sie leichter.
Das heiße Wasser schlägt unaufhörlich auf
meinen Rücken, verstrickt ihn
in durchsichtige Peitschen.
Die verkrampften Arme
an die Seiten geklebt,
so drehe ich mich in dieser lächerlichen Zelle
wie ein Korken, zurück gezwungen an seinen Platz.
Verharre unter dem steten heißen Strom,
doch die fremde Last lässt sich nicht fort tragen.





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