Miquel Bauçà

Mein Name ist Miquel Bauçà
Bauça1
'Anmerkung des Autors' zu Obra poètica (Empúries, 1987), veröffentlich mit Erlaubnis des Verlags. Übersetzung: Gabriele Grauwinkel.

Ich wurde am 7. Februar 1940 geboren und zwölf Jahre später, am 14. des gleichen Monats, beschloss meine Mutter, mich zur Waise zu machen. Ich weiß nicht, ob sie sich damit an mir rächen oder instinktiv, wie ich, einfach fliehen wollte. Ich hatte ja auch 4 Monate vorher die Gelegenheit genutzt, von zu Hause wegzulaufen, als mein kirchengläubiger Vater mich an eine Sekte des noch immer vom Ausgang des Krieges höchst erfreuten katholischen Landadels ausliefern wollte.

Gelebt haben wir damals auf einem kleinen Hof im Südosten von Mallorca, den mein Großvater mütterlicherseits aus Steinen gebaut hatte, die er selbst aus einem nahe gelegenen Steinbruch holte. Dieser Großvater war dann auf einem Schiff voller Slawen, die den ganzen Tag unter Deck tranken, sangen und schwitzten, nach Argentinien ausgewandert. Allerdings ließ das Heimweh ihn bald zurückkommen und das Einzige, was er von seiner Reise mitbrachte, war ein Revolver, der bald anfing zu rosten und der als Spielzeug für uns Kinder endete.

Den Winter verbrachte ich also bei dieser strenggläubigen Sekte in Palma und im Sommer half ich meinem Vater bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Beim Bauen von Mauern, mit denen er ein Stück nutzloses, mit Unkraut bewachsenes Stück Land zu teilen und unterteilen versuchte, das er sich vom Erlös des Schmucks seiner Frau gekauft hatte.

So war es, bis ich achtzehn wurde. Und von da an ist eigentlich nichts Erwähnenswertes mehr passiert.

Miquel Bauçà








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