Miquel Bauçà

1 Seele
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I love cat11111
Catalonia a self portrait
Bauçà - rue marsala
Aus El Canvi, ein Wörterbuch von Miquel Bauçà.
Seele: Hat keine Teile, ist nicht zusammengesetzt. Die Seele ist einfach, hat keine Substanz. Was für ein Wahnwitz! Warum sollten Zusammensetzungen nicht schön sein? Die komplexeste Sache, die wir haben, soll einfach sein? Wer hat diese seltsame, sinnlose Idee gehabt?

Die Schnelligkeit ihres Funktionierens markiert die Unterschiede zwischen den Seelen der Menschen, besser gesagt, ihren Produkten. Daher ist es ein Irrtum, sie anhand der Fähigkeiten der Sinne messen zu wollen. Bis jetzt konnten wir aber nichts anderes machen. Dass noch kein Gerät zur Messung dieser Geschwindigkeit erfunden wurde, liegt daran, dass man nicht daran gedacht oder keinen Gedanken daran verschwendet hat.

Das allgemeine Desinteresse für die Seele, aber auch das Interesse, dass Seher und Schwätzer aller Art für die Seele entgegenbringen, ist wohl darauf zurückzuführen, dass man meint, sie - über die Art, wie man sich so verhalten hat - zu kennen, und damit hat man genug. Dies ist nicht nur dumm, es zeigt auch einen Mangel an wissenschaftstheoretischer Genauigkeit. Es ist so, als ob wir auf das Studium des Universums verzichteten, weil wir mit unserem Sonnensystem genug hätten.

Bei ähnlichen Bedingungen neigt die Seele dazu, die gleichen Verhaltensweisen zu wiederholen. Wenn sie es nicht tut, dann ist es, weil die Stärke der Veränderungen im Background sie daran hindert. Sie ist ein kompliziertes Uhrwerk, aber wenn man es pflegt, zeigt sie immer die richtige Uhrzeit an. Es lohnt sich, dies festzustellen. Wir haben mehr oder weniger alle die gleiche Seele, wie die gleiche Leber. Der Unterschied beruht auf die Art, wie wir sie behandeln, mit den Beziehungen, die wir mit ihr haben. Ich glaube, die Mehrheit der Menschen hat eine schlechte oder gar keine Beziehung zu ihrer Seele. Es verhält sich ähnlich wie mit den Nieren: man kann gut leben, ohne zu wissen, dass sie existieren, auch wenn sie ganz bestimmte Eigenschaften haben. Manchen Menschen sollte verboten werden, mit ihrer Seele Umgang zu haben, genauso wie es ihnen verboten werden kann, ihre Kinder zu sehen, weil sie sie schlagen oder mißhandeln.

Ich weiß nicht, was der Geist ist, ich weiß nur, dass er kein Behälter ist, kein Container, kein Sammelbrunnen, kein See und kein Eimer. Wenn man davon ausgeht, kommt man zu nichts.

Das Volk geht davon aus, dass das, was man von dem Geist weiß, gerade die Erfahrung seiner Mängel ist oder die Erfahrung der Geistlosigkeit.

Obwohl sie vom Kontext abhängig ist und Frucht einer mentalen Tätigkeit, hat meine Seele einen Körper, eine Geografie, ein eigenes Gebiet, unabhängig vom Blick der Anderen oder von meiner Vorstellung, welche die Anderen von ihr haben. Der einzige schlagende Beweis dafür sind die Träume, und zwar aufgrund von zwei Aspekten: 1) sie können an jedem Ort zu jeder Gegebenheit auftreten - im Gefängnis, auf einem Berg, im Schlaf, beim Wachsein, im Suff - und 2) sie zeigen eine große Lebhaftigkeit, die uns zugleich familiär, bekannt, repetitiv ist, uns aber auch erstaunlich, unerwartet, unvorhersehbar erscheint. Sie sind weder gemäßigt noch mäßigbar. Diese Tatsache beweist die Existenz der Seele, sei diese Existenz wie sie auch sei. Heutzutage besitzen wir keine Erkenntnisse, um etwas darüber sagen zu können.

Meiner Erfahrung nach kontrolliert uns die Seele vollständig, aber es gibt einen Fall, in der wir ihr etwas befehlen können. Wenn wir, zum Beispiel, eine Handlung vergessen möchten, von der wir mit Recht meinen, dass sie uns im Gedächtnis haften bleiben könnte, so ist mein Rezept, diese Punkt für Punkt, Schritt für Schritt auf das Genaueste auszuführen. Auch wenn das alles äußerst spektakulär wäre, haben wir nach kürzester Zeit alles vergessen, wir haben keinen Schimmer mehr davon. Eine Arbeit oberflächlich zu erledigen ist die beste Garantie, dies nie zu vergessen.

Normalerweise ist es uns nicht bewusst, sie in uns mit rumzutragen. Wenn wir das Wort gebrauchen, so denkt man ausschließlich an ein bestimmtes Verhalten eines Individuums, zum Beispiel, das Schreiben eines Sonetts oder ein Gefecht in Waterloo.

Man sagt, die Seele ist von Gott erschaffen, und es konnte nicht anders sein. Dieser Gedanke ist Ergebnis der Beobachtung oder der Vorstellung der Komplexität des Phänomens. Gott ist selbst eine Erfindung, um das nicht zu Rechtfertigende zu rechtfertigen, das, was im menschlichen Leben einfach zu viel wird.







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