Quim Monzó

Die Beste Aller Welten
Monzo - die beste aller welten (german)11
El Millor Dels Mons
Quaderns Crema Barcelona, 2001

Text: Josep M. Ripoll (Serra d'Or, Oct. 2001).
Copyright der Übersetzerin Anna Maria Schop i Soler.

Quim Monzó ist der wohl bekannteste katalanische Schriftsteller der Gegenwart und sein spanischer Verleger, und wahrscheinlich nicht nur der, hält ihn sogar für einen der wichtigsten Autoren Europas. Der Katalane hat tatsächlich nichts von seiner makabren Phantasie eingebüßt, ganz im Gegenteil, mit der Zeit werden seine Geschichten noch makabrer. Seit dem glänzenden El perquè de tot plegat (Der Grund der Dinge) hat die Vorliebe des Autors für den schwarzen Humor, im selben Stil wie Saki, Ambrose Bierce oder Roald Dahl oder für das Absurde, mit Vorbildern wie Kafka oder Slawomir Mrozek eher zugenommen. Dazu kommt die Tendenz, seinen Erzählstil von allem Überflüssigen zu befreien; bester Beweis hierfür ist die revidierte Fassung seiner Vuitanta'sis contes (Sechsundachtzig Geschichten). In El millor dels mons (Die Beste aller Welten) treffen wir auf einen Monzó, der mit noch mehr Sarkasmus und Härte menschliche Gefühle und Schwächen analysiert und darstellt. Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste und der dritte Teil bestehen aus jeweils sieben bzw. sechs Erzählungen und den zentralen Teil bildet eine Erzählung, die zu den bemerkenswertesten und gleichzeitig lustigsten Geschichten des Autors zählt und in der Nähe von Autoren wie Kafka, Cortázar und Gonzalo Suárez anzusiedeln ist.

Der erste Teil des Erzählbandes beinhaltet zwei der wohl grausamsten Geschichten: El meu germà (Mein Bruder) und Vacances d´estiu (Sommerferien), sind makabre Geschichten, die zugleich eine tiefe Traurigkeit ausdrücken. Gleichzeitig findet der Leser hier aber auch zwei bemerkenswerte Beispiele subtiler Erzählkunst: Tot rentant plats (Beim Geschirr abspülen), eine interessante Erzählvariante im Stil von Robert Coover, und Dos rams de roses (Zwei Rosensträuße), eine Erzählung, die hinter einem trügerischen Optimismus, eine desolate Vision des Alltäglichen verbirgt. Diese Erzählung erklärt übrigens den Titel des Buches, eine Reminiszenz der grotesken Figur des Pangloss aus Voltaires Candide, dem zufolge wir allem Unglück zum Trotz in der besten aller Welten leben.

Davant del rei de Suècia ( Vor dem schwedischen König), die kurze, genau hundert Seiten umfassende Geschichte im zweiten Teil des Buches, erzählt von einem katalanischen Schriftsteller, der seit langen Jahren hofft, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet zu werden. Diese gelungene Satire, bei deren Hauptperson es sich um Pere Gimferrer handeln könnte - einiges spricht dafür, anderes wieder nicht - beginnt zunächst im besten Stil einer Komödie und schafft dann fast unmerklich eine unwirkliche, surreale Atmosphäre, wobei der Erzähler durch den Gebrauch der ersten und dritten Person ein subtiles Spiel mit dem Leser treibt und die Auflösung des Rätsels erst ganz zum Schluss erfolgt. Bei dieser Erzählung handelt es sich zweifelsohne um eine der besten, die Quim Monzó je geschrieben hat. Der dritte Teil des Buches bietet wohl am wenigsten Überraschungen, obwohl auch diese Geschichten die perfekte Erzählkunst des Autors widerspiegeln und trotz des kategorischen Ausgangs der Geschichte L´accident (Der Unfall), in der Monzó das Bild einer von Gewalt und Erbarmungslosigkeit geprägten Gesellschaft zeichnet. El Millor dels Mons ist ein gelungenes Werk, in dem der Autor zu seinem sarkastischen Stil und einer Erzählkunst zurückfindet, die mit ihrer Ausdruckskraft eher eine Seltenheit in der katalanischen Literatur darstellt.







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