Tero Tähtinen über die Prosa Leena Krohns

Über die Prosa Leena Krohns
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James Bond © Lina Theodorou
Von Tero Tähtinen Erstveröffentlichung in "Books from Finland 6/2009"

Für Leena Krohn scheint es keine Kompromisse zu geben! Obwohl ihr Roman Mehiläispaviljonki (Der Bienen-Pavillion. Eine Geschichte über Schwärme, Teos, 2006) bereits ihr 26. Buch ist, zeigt sie mit ihrer kompromisslosen Haltung keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Krohn, Jahrgang 1947, überzeugt ein weiteres Mal mit einer Zusammenstellung von Fragmenten erlebter Wirklichkeit, die durchwoben von Fantasie, das herkömmliche Weltbild komplett in Frage stellen.
Seit ihres Kurzgeschichtenbands Donna Quijote ja muita kaupunkilaisia (Donna Quijote und andere Bürger, 1983), verwandelte sich Krohn mehr und mehr von der einfachen Geschichtenerzählerin zur Denkerin und Aktivistin.

In den 1980ern und 1990ern entwickelte sie in ihren Arbeiten einen unverkennbaren, sehr persönlichen, hybriden Stil, der fiktive prosaische Elemente mit essayistischen Elementen verband. Krohns Augenmerk lag auf dem menschlichen Gewissen, ökologischen, moralischen und sozialen Fragen. Ihre Werke wurden bisher in 12 Sprachen übersetzt und sie erhielt für ihre Arbeit Matemaattisia olioita tai jaettuja unia (Mathematische Wesen oder gemeinsame Träume, 1992) den Finlandia Preis für Literatur.

Im Vergleich zu Krohns vorhergehenden Veröffentlichungen zeigt sich Mehiläispaviljonki noch anspruchsvoller und gnadenloser, obwohl es paradoxalerweise mit weniger als 200 Seiten auskommt. Wie bei der meisten ihrer Texte trifft die Bezeichnung „Roman“ nur annähernd auf Mehiläispaviljonki zu. Das Buch besteht aus kurzen Geschichten, die sich oftmals nur sehr lose aufeinander beziehen; diese Bezugspunkte herzustellen, ist größtenteils dem Leser überlassen.

In der Eingangsgeschichte befinden wir uns in einem heruntergekommenen ehemaligen Sanatorium für Geisteskranke, in dem sich seltsame Gesellschaften bilden. Einige von ihnen leben freiwillig in die Armut, andere führen als Diebe einen ausschweifenden Lebenswandel, einige widersetzen sich den modernen Technologien, wieder andere geben vor, nicht-hominide Personen zu sein. Der Erzähler des Buches tritt dem Fluctuating Reality Club bei, dem Club fluktuierender Wirklichkeit, im dem sich die Mitglieder bei ihren Versammlungen über ihre Erfahrungen mit sonderbaren, paranormalen Phänomenen austauschen, einem Zug etwa, der sich in Luft aufgelöst hat, oder physischen Wesen, die aus der Fantasie geboren werden.

Im Buch gibt es eine recht große Anzahl an Figuren: zwischen 15 und 20 je nachdem wie man sie zählt. Von jedem werden nur Fragmente bekannt, Oberflächlichkeiten, ohne dass die tiefere Psychologie der Figuren beleuchtet wird. Einige sind nur nach ihren Eigenarten benannt: der Fußlose, der Messerstecher/Ripper, der Paranoide. Doch jeder spielt eine genau berechnete Rolle in der Gesamtkonstellation.

In Krohns Welt hat das Abstrakte Vorrang und nichts ist festgeschrieben für immer. Eine Figur mit dem Namen Immunologe vertritt vehement die Ansicht, dass Menschen vorranging aus Bakterien bestehen. Eine andere Figur aus Mehiläispaviljonki, der emeritierte Professor, glaubt, dass das Verbrechen die Triebfeder der Gesellschaft ist.

Die Allegorie auf die Insektenwelt – Krohns Erfolgsroman Tainaron (1989; online einsehbar unter: www.kaapeli.fi/krohn/tainaron/english) ist ein einzige Allegorie dieser Art – unterstreicht das chaotische Wesen der Menschenwelt. Im Bienenstaat hat jeder Bewohner ihren oder seinen festen Platz und klar bestimmte Aufgaben. In der modernen Welt mit ihrer unklaren Begriffslage — krank/gesund, kriminell/gerecht — ist der Mensch ein weiteres Mal verloren und seiner Fähigkeit beraubt, die Welt in ihrem Ganzen zu sehen. Es gibt nur noch Fragmente und zufällige Beobachtungen, vielleicht die Spuren einer einstmals erzählten Geschichte.
Mehiläispaviljonki verlangt seinen Lesern einiges ab. Jedes Geschichts-Fragment ist mit seinen eigenen Fangarmen ausgestattet, die sich willkürlich mit denen anderer Geschichten verhaken. Es kommt gar nicht so selten vor, auf eine Figur, ein Objekt oder auch Wort zurückzukommen, das viele Seiten zuvor ganz nebenbei erwähnt worden war.

Das Buch hält über ein Dutzend Einstiegsszenen für einen Roman oder eine Kurzgeschichte bereit, die mehr oder weniger ausgebaut werden. Es ist auch vollkommen im Sinne der Dramaturgie des Buchs, dass die Abschlussgeschichte (Kolme buddhaa, „Die drei Buddhas“) eine dieser möglichen Einstiegsszenen ist.







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