Lidija Dimkovska
Umgekehrte Perspektive
Dem Schicksal
ist es endgültig recht gemacht worden:
Ich habe es in einer
Thermoskanne von Moulinex eingeschlossen,
die seine Frische und
seinen Geschmack bewahren wird,
ohne daß dabei die Karmas schal
werden. Befreit von mir selbst
bewege ich mich durch die
Vorhersagen, die sich nicht erfüllt haben,
wie durch das
Highlife. Wichtig ist es, mit den Hüften zu wackeln.
Du hast
Lippenstift auf den Zähnen, Honey. Ich weiß, einzig der Honig
geht
direkt ins Blut. Und in mir
löst sich nur – Großmutter
Vetka.
Schwester Aura weiß, daß ich jedes tiefgefrorene
Huhn
zuerst einmal über die Herdplatte hielt
in Erwartung, daß
es wieder lebendig wird,
erst dann, gedemütigt von den
Aposteln,
warf ich es ins Backrohr von Silvia Plath.
Als
Zeichen des Protests begannen die Athosmönche,
Jesuslatschen zu
tragen.
Oh, wie schön du mir die Blasen auf meinen
Fersen
küßt, A., diese Simulacra des Gesichtsorgans
in diesem
Metaleben. Jetzt, wo Geschäfte existieren,
in denen man alles für
nur einen Dollar kaufen kann,
mußt du entscheiden, ob du einen
roten Schal um den Hals
tragen willst als Zeichen deiner Achtung
vor den Aborigines,
so wird es ein Leichtes sein, ein Stipendium
zu bekommen
für meine atavistische Akademie. Und dann wird es
noch leichter:
Die Silva–Methode wäscht auch die dunkelsten
Flecken
aus dem Trinkspruch zwischen den kulturellen
Unterschieden,
unterbrochen nur durch den Gestank aus der
Küche.
Die Gäste haben sich selbst aus der Thermoskanne mit
Schicksal bedient,
und jetzt kochen sie mich in ihren Därmen wie
einen Brei!
Ich weiß, daß es schrecklich unangenehm ist,
aber
jemand von ihnen könnte mich wie eine Fäkalie auswerfen
mitten
hinein in dein erotisches Chakra. Versuche – solange du
an das
heilige, apostolische Häutchen der Kultur glaubst,
gewürzt mit
Basilikum und knackig wie die Geschichte –
mich in eine
Naturerscheinung zu verwandeln.
Nur, sei vorsichtig. Vielleicht
führt jemand Tagebuch.
Aloe Vera
Wir haben das
Gesicht des Toten eingeschmiert
mit einer Feuchtigkeitsmaske für
trockene Haut,
und seine Nichte kniete sich vor den Sarg
und
betete so: Los, Aloe Vera,
mach die Wangen von Onkel rosig, und
du,
Mandelmilch, kitzle ihn um die Lippen herum,
ich weiß, daß
ihn das auch aus dem tiefsten Schlaf erwecken wird,
eine Nachbarin
warf ein, daß Aloe Vera Wunder bewirke,
ja sehe man es denn nicht
an ihrer Haut,
wie die eines Babys, sagte sie, und sie geht schon
auf die Fünfzig zu.
Alle drehten wir uns zu ihr um und
vergaßen,
daß die Maske bei einem lebenden Menschen sieben
Minuten einwirken soll,
bei einem Toten aber nur drei, das Gebet
seiner Nichte endete,
die Maske zerbrach, wir begruben den
Taxifahrer
ohne sein Gesicht, aber innerlich erfrischt. Auf dem
Rückweg
stellte sich uns eine Frau im Umhang in den Weg,
mit
einem Tablett voller roter Äpfel.
Es gibt so viele Wahrheiten wie
Äpfel, sagte sie, bitteschön, bedient euch,
ist es denn nicht
so, ihr Frischvermählten, daß das Überleben in dieser Welt
einzig
abhängt von den erstmals Verliebten auf einer Mole
voll nicht
wiederverwerteter Romantik? Sie muß verrückt sein,
dachte er
sich, aber die Braut begann aus voller Kehle zu rufen:
„Siehst
du? Und du läßt hundert Mal meine Hand los!“
und sie ließ
sich von der Frisur scheiden, deretwegen sie das ganze Leben
unter
einer Trockenhaube verbracht hatte, und das Begräbnis, von dem sie
zurückkamen,
roch für sie nach dem Ozonloch. Der Tote steckte
seine Hand in die Tasche,
und niemals wieder holte er sie in der
Welt Einsteins hervor.
War das ein Begräbnis oder eine Hochzeit,
Aloe Vera?
Wer traute wen? Wer begrub wen?
Reife
Wie konnte der
Blitz, bevor er vom Regen in die Traufe einschlug,
für immer den
Spiegel im Badezimmer vernebeln?
Soviel Vertrauen in das
Thermometer hinter der Tür,
soviel Zweifel am nationalen
Fernsehen,
und als der Boiler in kleine Stückchen zersprang,
war
der Installateur auf einer nationalen Feier,
im einen Lautsprecher
knurrten die Därme der Moderatorin,
im anderen rief das Feuerwerk
einen Jojo-Effekt hervor,
als die schwangeren Frauen nach Hause
zurückkamen, paßten sie in keine einzige
Duschkabine mehr. Die
Überschwemmung ist eine Reife der Trockenheit,
so wie der Tod
eine Reife des Lebens ist.
Damit ich nicht vor dem großen Wasser
in die Knie gehe,
lege ich mich nachts mit Ellenbogen- und
Knieschonern hin,
die Fabe der Träume hängt vom Materieaustausch
ab,
mit einem stacheligen Bällchen fahre ich die Spuren des
morgigen Tages nach.
Habe ich denn vergeblich feierlich den
Zahnstein
als Grundstein für die Museumsgarderobe gelegt?
In
ihr hängen Mäntel, die den Shakespeareschen Sturm
durchlassen.
Bevor ich A.-national wurde, zog auch ich die
Rettungsweste
über den Kopf, und jetzt über einen Helm.
Mein
Körper ist eine Wechselstube im alten Geschäftsviertel von
Skopje,
vor ihr steht ohne Schirm ein Riese von einem Mann mit
tätowierten Muskeln,
der mich nicht hineinläßt, um nach einer
Rechnung zu verlangen,
und mit dem Geld, das ich eintausche für
eine Pause ohne Träume,
kauft er den geistigen Führern Schuhe
aus Teufelshaut.
Einige halten in ihnen einen Gottesdienst ab,
andere bewahren sie fürs Fernsehen auf,
unser aller Füße sind
naß, als hätte Maria Magdalena sie gewaschen.
Im Opferkelch
hatte auch dieser Morgen nur blutleeres Plasma,
die Babies saugten
Finger eingetaucht in stinkendes Wasser
für Akkumulatoren und
Bügeleisen, das Herz von A. ist mal eine Kirsche in der
Marmelade,
mal eine Weichsel in Schnaps. Wenn ich nicht länger
als drei Stunden mit mir selbst spreche,
wird die Welt zum
Cocktail an der Bambusschaukel inmitten des kostenpflichtigen
Strandes,
und nach einigen Schlucken sieht man das Meer nicht
mehr, sieht man das Meer nicht mehr.
Erinnerung
Meine
Erinnerung ist eine Soldatenkonserve mit Pastete
und unbegrenztem
Haltbarkeitsdatum. Ich kehre an Orte zurück,
die ich mit nur
einer Zunge im Mund betreten habe,
und den Einheimischen verrühre
ich Eigelb für eine gute Stimme,
im Schnee aus Eiweiß liegt
Jesus wie zum Scherz gekreuzigt,
für einen französischen Kuß
sind zwei Zungen notwendig,
jetzt wo ich einige habe, bin ich
nicht länger eine Frau, sondern ein Drache.
Auch ich habe wie der
Heilige Georg nie gelernt,
künstlich zu beatmen, meine Nase ist
seit Jahren verstopft,
und selbst atme ich durch fremde
Nasenlöcher, die EU bezahlt.
Aha, an deiner Arbeit ist was faul,
an deiner Arbeit ist was faul!
rufen hinter mir die gefallenen
Engel,
die Altpapier und Plastik sammeln,
am liebsten habe ich
sie, wenn sie ihre Betten in den Korridor
hinaustragen, um die
DNS auszulüften,
dann legen A. und ich uns auf ihnen hin, jeder
zu einer Seite,
und in einer genau ausgedachten
Liebesumarmung
brechen uns alle Porzellanzähne ab,
unsere
Gaumen verwandeln sich in weit aufgerissene Augen,
vor ihnen
stellen sich die Zungen in der Dunkelheit ein Bein,
sie wiehern,
winseln und stöhnen, aber wir haben weder Angst, noch tut es uns
leid.
Meine Erinnerung ist eine Blackbox aus einem abgestürzten
Kampfflugzeug
mit unbegrenztem Heimlichkeitsdatum. Ich kehre zu
Orten zurück,
die ich nur mit einem Blut unter der Haut betreten
habe,
den Einheimischen streiche ich die fruchtbaren Tage
im
kleinen Kalender für Namenstage und Schutzheilige des Hauses
durch,
die Haustiere sehnen sich nach wilden, die wilden nach
gezähmten.
Wie ein jüdisches Paar an Fastentagen und
Monatszyklen
so schlafen auch ich und Gott seit Jahren in
getrennten Betten.
Lebende und Tote
Meine Nase
juckt mich immer, wenn ich zum Friedhof komme.
Die Toten sind
endgültig ruhig, aber nicht auch die,
die ihre Namen tragen. Die
Nachfahren
wühlen zuerst in den Särgen mit Grundbriefen und
einer trockenen Blume,
und danach trinken sie Zuckerwasser und
öffnen die Fenster.
Was heißt da, dieses Geld ist nicht mehr
gültig?
Den Klageweibern wird Kaffee serviert und ein
Antiseptikum für den Hals.
Auch meine rechte Hand juckt mich,
aber die Kerzen aus der Stadt
können nicht von selbst waagerecht
tropfen.
In jedem Haus mit Großmutter restauriert ein Kind in den
Ferien
die Heiligen aus dem Kalender voller Wachstropfen,
in
jedem Haus mit Großvater werden Eierschalen auf dem Erinnerungsalbum
abgelegt.
Nicht ein Mann aus meinem Volk ist an meiner Adresse
gemeldet.
Obwohl ich von klein auf in einem Barbierladen zum
Haareschneiden ging
und auf der Straße einen Onkel um den Kamm
aus seiner Hosentasche hätte bitten können,
wenn um mich herum
die Tanten Sets mit Haarbürsten und einem kleinen Spiegel
öffneten.
Manche bekommen nie Läuse, anderen wurden die Köpfe
geschoren.
Im Taufschein der Abtrünnigen führte der Priester das
Bleichen des Haares ein,
bevor er es abschnitt. Einige Tage lang
schickten wir massenhaft Mittel
für die alleinerziehende Mutter
mit fünf an Epilepsie erkrankten Kindern,
aber als sie herauskam,
um sich zu bedanken, hielten wir es nicht aus und riefen
„Sammeln
wir etwa Geld, damit du dir die Haare färbst?“
Die Kinder
hatten einen gleichzeitigen Anfall, sie strampelten neben der Mutter
mit Wella 05
in verlangsamter Bewegung. Bei den Hip-Hop-Partys
fließt aus den Wasserhähnen
nur heißes Wasser. Ich mußte den
Wasserstoff austrinken. Die Toten
abspülen. Die aufgemuntert
werden müssen wie die Erstkläßler im September:
„Das ganze
Leben liegt vor dir, damit du alles lernst, was du wissen mußt“.
Das
ganze Leben. Im Tod ist die Zeit ein Beutel mit Sportausrüstung für
die Turnstunde.
Und bald wird es kein Kind mehr geben ohne T-Shirt
Keep Dry und Turnschuhe Keep Fast.
Und bald wird es keinen Toten
geben, der nicht mein sein wird.
Preisausschreiben
Auf die
Preisfrage in der Macedonian Times:
„Was tun Sie, wenn
Selbstmordgedanken Sie überkommen?“,
zu gewinnen ein
siebentägiger Urlaub für zwei in Ohrid,
ein Wochenende für zwei
in Disneyland in Paris
und weitere 50 Trostpreise,
bekamen wir
genau 2479 Briefe und Postkarten,
und die beiden
Hauptpreise
sprachen wir folgenden Antworten zu:
„Wenn mich
Selbstmordgedanken überkommen,
stecke ich meinen Kopf in den
Inhalator
und atme mit weit geöffnetem Mund tief ein,
bis
meine Nase mit Echinacea verstopft ist
und die Sekrete ihre eigene
Dialektik erleben,
danach trinke ich die erkaltete Mixtur bis auf
den letzten Tropfen aus
und lebe mein Leben ohne Schleimhäute,
aber mit schönen Gedanken weiter.“
(Kuzman Markovski, Dorf
Budim, Kreis Prilep)
und
„Wenn mich Selbstmordgedanken
überkommen,
ist für gewöhnlich die Katze eingesperrt und die
Kartoffeln sprießen,
ein Gott mit den Maßen 90-60-90 treibt mich
dazu, meine Hand in die Tasche zu stecken
in der Garage mit dem
Notarztwagen,
während meine Frau aus der Küche aus voller Kehle
ruft:
„Hörst du!!! Ich will ein runderneuerter Reifen sein,
ich
will in der Autobörse beworben werden!“ Einen Augenblick wird mir
schwarz vor Augen,
aber sofort darauf erscheint mir ein
unendliches Licht.
Ich lasse die Katze raus, und aus den
Kartoffeln binde ich einen Strauß,
aber meine Frau liegt schon
seit drei Tagen auf dem Küchenboden
und rührt sich nicht,
nicht
einmal dann, als ich ihr sage, daß ich sie nach Paris zur Alten Hexe
mitnehmen werde“
(Kole Stojkovski, Pechčevo)
Wir, die
anderen, die die Trostpreise gewonnen haben
(XXL T-Shirts mit der
Aufschrift Das Leben ist schönund
Schlüsselanhänger mit Notrufnummern),
haben eine Gesellschaft
für geschädigte Bürger gegründet
und den Herausgeber der
Macedonian Times verprügelt.
Seither haben ihn keine mehr
befallen,
weder Selbstmord-, noch Mordgedanken.
„Nie wieder
Preisausschreiben!“, sagte er sich,
„bei denen sind nur
Kreuzworträtsel eine sichere Sache“.
Nagelknipser
Seit ich
versehentlich den Nagelknipser
meiner Familie ins Ausland
mitgenommen habe,
wachsen ihre Nägel unkontrolliert und
ungleichmäßig,
zügellos werden ihre Finger und Zehen länger
und
stoßen durch die Schuhe und die Händedrücke mit Fremden,
sogar
die entsetzten Nachbarn belauschen sie nicht mehr.
Ich rufe sie
aus der Ferne an, und als das Geschrei eine Pause macht,
will ich
sie besänftigen, indem ich ihnen beliebte neukomponierte Volkslieder
vorsinge,
ich bitte sie um Vergebung mit den großen Gedanken
kleiner Nationen,
was sind denn schon lange Nägel verglichen mit
meinem Durst nach Wahrheit,
seht ihr denn nicht, daß ihr bereits
unsterblich werdet,
fällt euch das denn so schwer?
Der
Nagelknipser starrt mich mit offenem Maul vom Nachttischchen aus
an,
auch er ist nicht mit dem Ortswechsel einverstanden,
das
ist Wahnsinn, schreie ich, ich werde ihn euch mit der Post
schicken,
aber dann kreischen alle auf, diesseits und jenseits der
Leitung:
„Auf keinen Fall! Nagelknipser werden vom Zoll
beschlagnahmt!“
Und als ich selbst die Grenze überschritt,
versteckte ich ihn in meinem rechten Turnschuh.
Meine Familie
drohte, sie würden sich die Nägel mit der Küchenschere
schneiden,
wie dem auch sei, sie lasten auf meinem Gewissen wie
eine Halskrause aus Gips,
die ganze Nacht träumte ich von ihnen,
mit blutigen Fingern und ohne Besinnung,
am nächsten Morgen
erwachte ich mit Hämorrhoiden,
und Ausweglosigkeit verstopfte
meinen Geist.
Die Klaustrophobie ist stärker zwischen den Zacken
eines Nagelknipsers
als unter Menschen, die Gott vergessen
haben.
Der bunte Pfau auf dem Messerchen
murmelte mit
menschlicher Stimme:
„Das Leben ist eine Auswahl an Nägeln,
Haar und Haut,
ihre Pflege hingegen ist eine Auswahl an
Göttlichkeit. Das ganze Leben lang kaust du Nägel,
aber aus
Trotz hast du mich hierher gebracht. Bring mich zurück, egal wie,
du
gottlose Nagellose, oder hol deine Familie her,
damit sie sich die
Nägel wie Menschen schneiden“. Und sie kamen,
mich schauten sie
nicht einmal an, sie machten es sich auf dem Bett bequem
und
schnitten und konturierten sich die Nägel mit dem
Nagelknipser,
warfen sie auf den Boden und lächelten den Pfau
zufrieden an:
„Noch ein bißchen, und wir gehen nach Hause“.
Anerkennung 8
Wie schwarz
deine Füße sind, A.,
ich kann Basilikum auf ihnen
pflanzen,
sogar ein Rübe würde Wurzeln schlagen,
nur, wenn es
geht, die Poren bitten mich darum,
ohne Zucker und
Konservierungsstoffe. Gesundes Essen
für eine gesunde Familie,
eine Bedingung ausbedungen im virtuellen Vertrag,
und niemand
fragt uns, ob wir zu Hause Kakerlaken haben,
und wenn wir welche
haben, ob es Intellektuelle sind, oder
ob auch sie wie das
Stilleben im Garten
den Amateurmalern Modell stehen.
Farben,
die sich hinter der Vorstellung von ihnen verstecken,
eine
paranormale Konfuguration,
aber du, A., deine Füße sind so
schwarz,
daß sogar die Kräuter aus dem Schulherbarium
angehängt
an ihre website auferstehen würden.
Nichts wäscht die
mittelalterlichen Statuen,
und auch nicht die Erinnerungen an die
Nacht in der U-Bahn,
als der Zwerg unter das Kleid des Mannequins
schlüpfte
und sie nur auf die Uhr sah,
ihre „Elle“ aus der
Tasche hervorholte und zu lesen begann,
als sei sie sich des
fremden Körpers zwischen ihren Idealmaßen nicht bewußt,
nun,
damals, A., überschlug sich die Geschichte wie die Gondel
im
Vergnügungspark, die Hüte fielen herunter,
die Bürgerkriege und
die öffentlichen Entschuldigungen,
alle starrten auf deine Füße
aus schwarzem Marmor
auf der weißen Karte der untergegangenen
Königreiche,
ein Priester sagte: Bruder, laß mich deine Füße
waschen,
aber ich kam noch rechtzeitig, um ihm das Mal zu
zeigen,
das du seit deiner Geburt an der rechten Hüfte
trägst:
Alle Rechte vorbehalten.
Auch dieses Jahr ist der
Sommer die Saison, in der die Stechmücken
das Unterbewußte mit
Malaria infizieren,
und es kann nicht schaden, wenn auch ich
Basilikum pflanze
auf deinen schwarzen Füßen aus natürlichen
Proteinen,
mit einem grünen Apfel als umweltfreundlich
klassifiziert,
nur du bist irgendwie dagegen, du weißt nicht, wie
es ist, ein mobiler Garten zu sein,
und ich sage dir, mein Lieber,
sogar die Gräber sind mobil,
ganz zu schweigen von einem Garten
mit Basilikumwurzeln,
die zuerst in meinem Leben Wurzeln schlugen,
aber aus deinen Füßen
saugen sie nur die Stärke, die sich ihrer
eigenen Stärke nicht bewußt ist:
Zuerst ist es ein Zwerg, dann
ein Mannequin und zuletzt – die Geschichte selbst.
Anerkennung 9
Du hast sogar
in den Welten Orientierungssinn,
in denen du noch nie gewesen
bist, A.
Du weißt, welches persönliche Unglück ein
künstlerisches Werk hervorbringt,
das um die Welt gehen wird wie
der Verstand eines Idioten.
Aber welcher Idiot wird zurückkehren
aus dem Niemandsland, und welcher nicht.
Deshalb verweilst du im
Geschäft für Devotionalien und kirchliche Bücher
mit einer
offenen Bibel in der Hand,
um zu lauschen, wie eine Sängerin im
Radio einen Orgasmus vortäuscht.
Austausch von Ideen, nicht wahr?
Bevor sie fertig wird, gelingt es
dem Mönch, die Kassette mit den
Gesängen der Athosmönche zu finden,
aber die Käufer sind schon
auf dem Weg nach draußen. Encore une fois.
Ich muß dir sagen,
daß in den osteuropäischen Ländern
die schönsten Männer die
Mormonen sind: Ihr Seitenscheitel
strahlt vor erster Verliebtheit,
etwas in ihrem Gang
erinnert an glamouröse Modenschauen. Hast du
mir diesen Witz
erzählt: „Weißt du, in wessen Kreationen sich
Lady Di
jetzt kleidet? Ich weiß es nicht. Na, in denen von
Versace“.
Die Mormonen haben Muskeln aus Meeresschaum.
Sie
schweben über dem Obskurantismus in Wellen wie echte Balkanophile
dahin.
Und wie die einzigen. Ich versuche, dir zu sagen,
daß
man die pensionierte Lehrerin dabei erwischt hat, wie sie im
Viertel
Drogen verkaufte, und zusammen mit all ihren früheren
Schülern
rutschte das Straßenpflaster über Nacht in den
Fluß,
aber du hörst mir nicht zu.Warum wiederholst du die ganze
Nacht im Schlaf
„Flambée ... flambée ... flambée ...?“
Sollen wir zu einer flambée gehen?
Das Kind ... das Kind aus dem
Haus, das Feuer fing, verbrannte in meinen Händen,
ich rannte
sogar zum Krankenhaus, aber als ich ankam, war es schon zu spät.
Der
Arzt sagte: Uff, es ist flambiert. Jetzt weiß ich
wie man Bulimie
bekommt. Und nur aus Angst,
daß ich nicht die Gläser zerbreche,
die du mir zum Geburtstag gekauft hast,
schüttete ich mir das
Gift in einen Plastikbecher
(mein Großvater bewahrte in genau so
einem sein Rasiermesser und den Pinsel auf),
aber mir stieg der
Geruch von sich zersetzendem Bart in die Nase, und ich warf ihn ins
Meer.
Er wird sich unter Mühen einige tausend Jahre lang
zersetzen,
und ich werde vergeblich in Altpapier eingewickelte
Babies kotzen.
Beschmutze es nicht mit Buchstaben, A. Buchstaben
sind aus der Mode.
Verwandle es besser in einen FKK-Strand.
Eine
Soziolinguistik für Narren, die dem Schweigen geweiht sind.
Post-Anerkennung
Es ist soweit,
der Tag ist gekommen, um meine Eingeweide auf Lockenwickler
aufzuziehen
und mich auf das große Geständnis vorzubereiten,
daß
die Kunst nicht mehr ist, und sie sollte doch vor allem eine Massage
sein,
sie sollte nach der zärtlichen Berührung des Sagenhelden
Krali Marko riechen
und durch das Leben gleiten wie ein
ätherisches Öl von Lavendel.
Was anderes soll ich jetzt tun, da
ich im Widerschein der Büchervitrine
meine Muskeln messen, meine
Kraft anspannen,
meine Seele mit einer Straffungscreme
abhärten,
aber nicht in dem Gedicht untertauchen kann wie in
einer Badewanne,
wenn sie zersprungen, verrostet und ohne
reichlich Schaum ist?
Solche Zeiten sind angebrochen, daß der
Witwer den Trauertag in schwarzen
Liebestötern zwischen weißen
Laken verbringt
und sich eine Sendung über die ausgestorbenen
Dinosaurier ansieht,
und könnte ich die Ära der Glockenhosen,
die durch die Korridore der Musik flattern,
doch nur eine
kulturelle Errungenschaft nennen.
Meine Brüder sind
Retroflüchtlinge im neuen Exil des Asylantenheims,
ich bin ein
Zwerg zwischen den Mannequins, mein Hauskleid ist ein Müllsack.
Ich
wende mich mit „Mein Gott“ an den Heizstrahler,
ich frage ihn,
wie ich durch das Schneegestöber weitergehen soll mit verhärtetem
Leib,
mit einem Plastikkiefer, mit geronnenem Blut. Rotglühend
und leidenschaftlich
leckt er mich hinter dem Ohr, dort, wo der
Kern der Kunst versteckt ist:
„Finde einen irdenen Wasserkrug
und einen Ehevermittler für eine männliche Muse“.
Selbst wenn
er sich in einem Mikrochip offenbart, bleibt Gott altmodisch,
und
die Kunst eine Fliege ohne Kopf. Alle sind wir einander Musen,
und
wir haben Lockenwickler, aber keine Eingeweide. Mein Fleisch ist
hart, A.,
aber mein Leib ist leicht wie eine Seite aus der
Bibel.
Deine Haut ist nachts für mich ein Siebener in der
Mazedonischen Lotterie,
der amerikanische Traum eines jeden
Dudelsacks auf dem Balkan.
Ich werde mir daraus Handschuhe machen,
die mich tagsüber liebkosen sollen
in den Stiftungen für
zeitgenössische künstlerische Visionen,
und ich werde gestehen,
daß die Kunst nicht ist, aber es sein sollte,
ein Genuß, ein
Elixier, Kommunion, Massage, Homöopathie.



