Lyrik: Adrian Grima

Wie im verwundeten Frühling die Geranie wächst
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© Gilbert Calleja
Originaltitel: Kif jikber is-Sardinell f’dir-Rebbiegħa Midruba, Aus dem Maltesischen nachgedichtet von Sylvia Geist, nach einer Interlinearfassung von Ray Fabri

Schön, die Geranie, die du mitbrachtest, Anna.
Und gewachsen mit einer wilden Geschwindigkeit,
als wollte sie den Tontopf bersten lassen,
ganz füllen die eng gewordene Luft
mit ihrem explodierten Rot.
Vielleicht, weil jetzt der Frühling leuchtet
mit Himmelblau und einer Frische, die schon brennt,
begann sie zu wuchern im Ton der Wut
und öffnet sich zum Chaos ihres Beliebens,
ein sich ausbreitender Wundbrand,
hin zu mir.

Vom Fenster aus schaue ich sie heimlich an.
Bald muss sie weg vom Hof, wird beiseite gestellt
neben die Tür am Treppenhaus.
Wird bitten müssen, dass man sie nicht
in Flammen aufgehen lässt mit Reifen, Benzin
und Hass. Ich schaue sie an, mit Bedauern.

Schön, die Geranie, die du mitbrachtest, Anna.
Könntest du sie jetzt sehen, du würdest sie nicht erkennen.
Ein Gewitter, ein knisterndes Feuer ihr plötzliches Mehr.

Als ob ihr Rot den Hof überschwemmte,
alles hier mit sich fort trüge und
mich mit ihr.

So wächst die Geranie im verwundeten Frühling.




Der Eisverkäufer oder: Die Tropikalisierung des Mittelmeers*
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© Gilbert Calleja
Originaltitel: Tal-Ġelati, jew it-tropikalizzazzjoni tal-Mediterran, Nachgedichtet von Sylvia Geist, nach einer Interlinearfassung von Ray Fabri und Dominik Kalweit

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Teile Nord- und Südamerikas, Nordeuropa sowie Nord- und Zentralasien feuchter, während das Klima im Süden Afrikas und in Teilen Südasiens trockener wird.
„Die Lage heizt sich auf: ein Wettlauf um innovative Lösungen des Klimaproblems.“ Euroabstracts, April 2007

Der Spiegel steigt, das Meer schluckt die Strände,
die alten Nistplätze der Schildkröten,
die täglich Hunderte von Quallen fraßen.
Das aufgeheizte Meer schwillt an, und mit ihm
die Zahl der Quallen, in der Bucht,
früher von Menschenströmen gnadenlos überschwemmt,
pulsiert heute die Rushhour der Quallen.

Kein Platz für badende Kinder,
für Schwimmflügel und Taucherflossen,
für die Burgen,
die im Sonnenfeuer vergehen wie Schnee,
für Wälle und Gräben;
kein Platz für Touristen
mit rosiger Haut
unter gemieteten Sonnenschirmen,
kein Platz für das Posieren der Jungen,
für die Riten mit der Sonnenmilch,
die schmilzt unterm Ultraviolett.

Auch der Eisverkäufer kommt nicht mehr.
Es heißt, er hätte seinen Stand
jetzt vor dem Schultor.
Das Wasser kümmert es nicht, das Wasser
steigt ohne Gnade.

*Nach einem Gespräch mit Annalise Falzon







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