Lyrik: Antoine Cassar
Pass [Auszug]
[…]
Er
ist für dich
dieser
Pass
für
alle Völker, mit
seiner Regenbogenfahne, und dem Emblem einer Graugans, die rund um
den Globus
kreist,
mit
allen Sprachen, die du willst, offiziell oder nicht,
mit
seinem Einband, blau wie das Meer, oder rot wie getrocknetes Blut,
oder schwarz wie
Kohle, bereit zum Brennen, du hast die Wahl,
nimm
ihn mit, wohin du willst, der Durchgang ist sicher und steht weit
offen, das Tor ist aus den Angeln gehoben,du
kannst kommen und gehen ohne Angst, niemand hält dich fest,
niemand
überholt dich in der Warteschlange, niemand schickt dich nach
hinten, es gibt keine
Wartezeiten,
niemand bellt Ihre
Papiere!
und lässt dein Herz schneller schlagen, mit seinem bleichen
Zeigefinger,
niemand reißt die Augen weit auf oder kneift sie
zusammen, je nachdem wie hoch das
Bruttosozialprodukt ist, des
Landes, das du hinter dir lässt,
niemand nennt dich Ausländer,
Alien, Verbrecher, Asylant oder Nicht-EU-Bürger, niemand ist
zuviel,
niemand
nennt dich Zecke, Fidschi, Nigger, Gringo, Paki, Jugo, Schlitzauge,
Kanake,
Kartoffel
oder Polack,
niemand richtet eine Kalaschnikow auf dich, niemand
hetzt die Hunde auf dich, damit sie sich
in dein Fleisch verbeißen,
niemand zwingt dich, dich gegen eine Mauer zu bücken, um seine
feuchten Hände von hinten in
dich hineinzustecken und dich in aller
Ruhe zu durchwühlen,
niemand sperrt dich in eine eiskalte Zelle,
um dich nach drei Nächten voller Alpträume
wieder hinauszuwerfen,
während dir das Blut noch am Arsch klebt
[…]
Leb wohl, meine Liebe
Langsam,
entspannt, der Kuss ein Fest, Lachen
in Sonnenfarbe, im Traumland auf Tour, Regenbogen, wie bist du
schön!, zwei Körper, ein Schatten nur, meine Zunge schmilzt, ich
schließe die Augen, verschweig den Rest…
aber, ja, zuviel
geweint! Ende Mai ein Sturm, unausweichlich, das Unglück, die Liebe
verloren, alt und kalt, die Seele bezahlt, die Säume der Träume
verhallt, und das Herz seziert, unterm Mikroskop wie ein Wurm.
Oh
wie schlecht, Recht hatt’ ich nicht, mache ein Gottesgericht, Rose
ist Rose, doch du in verheirateter Pose, ich werd vergessen,
vergessen den Duft deiner Haut, die ich kose…
Falter im
Januar, lassen wir ihn, das war’s, colorín colorado, aus mit
Bravado*, vorbei, mein Freund, ich danke ab, fort wie ein Tornado.
* Der Refrain eines spanischen Kinderreims.



