Essay: Vergangenheits-bewältigung in der Literatur, Cornelius Hasselblatt

Vergangenheitsbewältigung in der Literatur, Erinnerungskulturen in der estnischen Prosa
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(c) Jüri J Dubov
Von Cornelius Hasselblatt

Vier estnische Autoren der Nachkriegszeit haben jeweils eigene Formen gefunden, die traumatischen Jahre 1944 bis 1953/1956 literarisch zu verarbeiten. Jaan Kross nähert sich dem Erlebten aus großer Distanz und mit Humor, während die sperrigen, unzugänglichen Textkollagen von Ene Mihkelson von Verbitterung zeugen. In Viivi Luiks kindlich-naivem Bericht tritt der Terror nur indirekt zutage. Andrus Kivirähks Zugang zur Vergangenheit führt über die Satire.

Von den vielen Funktionen, die Literatur haben kann, ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sicher eine der prominentesten. Je nach Art und Weise der historischen Erfahrung(en) kann diese Auseinandersetzung den Charakter einer Bewältigung bzw. eines Bewältigungsversuches annehmen, zumal wenn es sich um traumatische (persönliche) Erfahrungen handelt. Ereignisse wie Krieg, Besatzung und Terror fallen unstrittig in diese Kategorie, weswegen die Literatur eines jeden Landes, das darunter zu leiden hatte, über eine Reihe von Werken zu dieser Problematik verfügen wird.

Die Geschichte Estlands1 ist wie die vieler europäischer Länder im 20. Jahrhundert nicht arm an traumatischen Ereignissen. Die estnische Literatur2 hat dementsprechend immer wieder hierauf reagiert. Das Verfassen von Literatur ist ein individueller Akt. Daher ist zu erwarten, dass die literarische Verarbeitung der persönlichen Erfahrungen der Schriftsteller im breiten Spektrum einer nationalen Literatur sehr verschieden ist. Dies trifft selbst dann zu, wenn die Autoren die gleichen traumatischen Erfahrungen machten, die sich darüber hinaus zu einem nationalen Trauma verdichteten. Außerdem ist die Literatur in vielen Fällen von dem Umstand beeinflusst, dass die Textproduktion lange Zeit der staatlichen Zensur unterlag.3 Folgerichtig gibt es unterschiedliche Verfahren zum Umgang mit dem Trauma.

Im Falle Estlands bietet es sich an, den als traumatisch angesehenen Zeitraum zu spezifizieren, da die gesamte Periode von 1940 bis 1991, die Estland seiner Eigenstaatlichkeit beraubt war, deutliche Nuancierungen aufweist. Als traumatisch haben sich nicht nur die Greuel des Zweiten Weltkriegs und die Stagnationszeit der 1970er und 1980er Jahre sondern auch die Nachkriegszeit in die Erinnerung eingebrannt. In den Jahren 1944 bis 1956 wurde Estland unter Stalins Herrschaft sowjetisiert.4

Schriftsteller verschiedener Generationen setzten sich mit der Nachkriegszeit auseinander. Prominentester Vertreter der ersten Generation, welche die Zeit als Erwachsene miterlebt hatte und über Erinnerungen aus der Zeit vor den aufeinanderfolgenden Katastrophen verfügt, ist Jaan Kross (1920-2007). Er ist einer der international bekanntesten estnischen Schriftsteller. Die zweite Gruppe erlebte die Nachkriegsjahre im Kindesalter und ist vermutlich stärker traumatisiert. Ene Mihkelson (geb. 1944) und Viivi Luik (geb. 1946) stehen für diese Generation. Die Generation der „Nachgeborenen“, welche die Ereignisse der Jahre 1944 bis 1956 nur aus den Erzählungen oder dem Schulunterricht kennt. wird hier von Andrus Kivirähk (geb. 1970) repräsentiert.

Das Komische im Tragischen: Jaan Kross

Jaan Kross ist 1920 in Tallinn geboren und ging 1938 zum Jurastudium nach Tartu. 1944 unter deutscher Besatzung verhaftet, kam er bei Kriegsende frei und wurde 1946 von den Sowjets festgenommen. Es folgten acht Jahre Haft und Verbannung, ehe er 1954 nach Estland zurückkehren konnte. Dort debütierte er 1958 als Dichter und veröffentlichte bis 1971 sechs Lyrikbände. Nach einer ersten, 1966 erschienenen historischen Erzählung über eine kulturgeschichtliche Episode aus dem 19. Jahrhundert verlegte er sich ab 1970 ganz auf die Prosa und publizierte in den folgenden gut 30 Jahren elf Romane, fünf Erzählungen und 28 Novellen bzw. Kurzgeschichten. Zusätzlich hat er zwei Theaterstücke geschrieben, zahlreiche Essays verfasst und Übersetzungen angefertigt.5

Der Großteil der Krossschen Prosa ist als historische Prosa zu bezeichnen. Große historische Romane, die zwischen dem 16. und frühen 20. Jahrhundert spielen, haben Kross auch im Ausland bekannt gemacht. Sein Werk wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt.6

Parallel dazu veröffentlichte Kross Novellen, die eindeutig nicht auf historischer Recherche, sondern auf der eigenen Erinnerung beruhten, mehr oder weniger stark verfremdet.7 Die ersten drei 1980 erschienenen Novellen sind in der Zeit vor dem Krieg und während der deutschen Besatzung angesiedelt. Ein Jahr später folgen zwei Reminiszenzen aus der Zwischenkriegszeit (mit einem Abstecher in die 1940er Jahre), ehe Kross 1987 zum ersten Mal in einer Novelle die Stalinzeit thematisierte. Sie spielt im Oktober 1946 in einer sowjetischen Gefängniszelle.8 Kross ließ ihr bis 2004 neun weitere folgen, die fast ausschließlich9 die zweite Hälfte der 1940er Jahre behandeln und sich vorwiegend im Gefängnis- bzw. Lagermilieu abspielen.10 In diesen Novellen gibt der Autor geradezu mimetisch wieder, was sich in jener Zeit in den sowjetischen Zellen und Lagern abspielte, wobei es ihm neben der Beschreibung von Einzelschicksalen auch darum ging, die Motive hinter dem Verhalten der Menschen freizulegen. Einerlei, ob es hier um Fluchtversuche, Denunziationen, Anfeindungen, Schikanen oder Solidaritätsbekundungen ging – Kross interessierte sich nicht nur dafür, wie und warum jemand in Haft oder ins Lager geraten war, sondern auch, wie er sich dort behauptete. Interessanterweise hatte Kross schon 1982 nahezu unbemerkt in einer wenig beachteten Publikation seine Haltung formulieren können:

Ich war gerade dabei [...] [die Doktorarbeit] unter Dach und Fach zu bringen, als ich 1946 verhaftet wurde. Die folgenden beinahe acht Jahre waren natürlich ein unersetzlicher Zeitverlust, aber gleichzeitig auch eine einmalige Studienzeit: eine unglaubliche Vielfalt von Menschen in für sie völlig untypischen Situationen mit all ihren Veränderungen und Selbstbehauptungen geradezu unter Laborbedingungen untersuchen und deuten zu können.11

Die viel später verfassten und veröffentlichten Novellen sind menschliche Charakterstudien aus einer Zeit der Unmenschlichkeit. Es sind ebenso spannende wie erschütternde Dokumente einer Periode, der der Autor allem Elend zum Trotz mit einem gewissen Humor begegnet. In seinen Augen wohnt selbst all der Tragik eine unfreiwillige Komik inne. Die Novellen sind kein Lamento, vielmehr bergen sie in sich auch ein Potenzial an Hoffnung, da sie den menschlichen Überlebenswillen thematisieren und zeigen, dass humane Eigenschaften auch inmitten perfektionierter Inhumanität zur Geltung kommen: So feuert ein Küchenchef im Lager einen als Gehilfen Angestellten, weil dieser – ein korrekter deutscher Archivbeamter – sich nicht am Essen vergreift, obwohl gerade die Aufpäppelung des abgemagerten Gefangenen der Zweck seines dortigen Einsatzes gewesen war.12 Tragikomische Züge enthält die Geschichte, wie jemand für die Nichtsprengung einer Fabrik 1944 beinahe einen Orden bekommt, dann aber doch zehn Jahre Haft, da er schon 1941 die Sprengung derselben Fabrik verhindert hat.13

Als Ergänzung und im Kontrast zu den Novellen über die Nachkriegszeit legte Kross 1990 den Roman „Ausgrabungen“ vor, den er bereits 1988 fertiggestellt hatte.14 Diese zeitliche Lücke ist nicht auf Zensur zurückzuführen, sondern auf die Wirren der Singenden Revolution: die Verlagswelt befand sich im Umbruch, und es herrschte Papiermangel. Die finnische Übersetzung kam daher früher, bereits 1989, auf den Markt. In diesem stark autobiographisch geprägten Text berichtet Kross über seine Rückkehr aus Sibirien im Jahre 1954 und seine Bemühungen, wieder im Lande und in der für ihn neuen Gesellschaft Fuß zu fassen. Hierzu verdingt er sich zunächst als Hilfsarbeiter bei archäologischen Ausgrabungen auf dem Tallinner Domberg. Die Handlung ist gespickt mit Rückblenden, in denen die Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit von Kollegen, alten und neuen Bekannten aus Tallinn, übermittelt werden. Solche Einsprengsel aus der Haft- und Lagerzeit exemplifiziert der Autor wie in seinen Novellen anhand von zahlreichen Einzelschicksalen. Der Titel verweist also auf zweierlei: Was hier ausgegraben wird, sind nicht nur mittelalterliche Knochen und Tonscherben, sondern auch die jüngste Vergangenheit Estlands. Und dann glückt dem Erzähler ein echter Fund: ein lateinisches Manuskript aus dem 13. Jahrhundert, abgefasst von einem Bischof der dänischen Eroberer, der angesichts einer tödlichen Krankheit von Selbstzweifeln zerfressen wird und sich fragt, ob er richtig gehandelt hat:

All unser Hierherkommen war von Übel. Der König wollte nichts anderes, als dieses Land in seinen Herrschaftsbereich eingliedern. Denn sonst hätten die Deutschen aus Riga oder die Russen aus Novgorod sich wahrscheinlich früher oder später des Landes bemächtigt. Die Bekehrung der Esten zum Christentum war dem König ein Vorwand zur Rechtfertigung der Eroberung. Meine Rolle dabei war, Blut und Gewalt mit dem Altartuch zu verhüllen.15

Der Bischof ist authentisch, aber von einem Manuskript ist nichts bekannt. Dieses fiktionale Element fügte Kross zur Veranschaulichung der Parallelen zwischen den mittelalterlichen und den aktuellen Erobern ein.

Wie geht man mit einem solchen Text im stalinistischen bzw. poststalinistischen Sowjetestland um? Kann man den Historikern trauen? Das fragt sich der junge Hilfsarchäologe, der in der Folge versucht, den Text mit Hilfe von Fachleuten zu veröffentlichen. Doch eine Publikation dieses mittelalterlichen Fundes erweist sich wegen der offenkundigen Parallelen zur Sowjetzeit auch im vermeintlichen Tauwetter als unmöglich, so dass sich am Ende des Romans Ernüchterung über das begrenzte Maß an Freiheit einstellt.

Jaan Kross klagt nicht an. Seine Figuren observieren eine für sie neue und andersartige Welt. Und sie lernen, sich an sie anzupassen, wenn beispielsweise ein Zwangsarbeiter von einem Mitgefangen lernt, wie man sowjetisch-schlampig arbeitet, damit man sich – ausgehend von seinem eigenen Arbeitsethos – nicht körperlich ruiniert16. Kross erweist sich in dem Teil seines Werkes, der sich mit der traumatischen Stalinperiode befasst, als distanzierter und stellenweise fiktionaler Erzähler mit einer Portion verschmitzten Humors, der den Ernst der Lage bzw. der dargestellten Situation keineswegs verkennen will, sondern nur erträglicher machen soll.

Der quälende Blick zurück: Ene Mihkelson

Wie Kross debütierte auch Ene Mihkelson (geb. 1944) mit Lyrik. Ihrem Erstling von 1978 sind bislang neun weitere Titel gefolgt.17 Anders als Kross veröffentlichte Mihkelson jedoch bereits kurz danach parallel auch Prosa, und anders als Kross kennt ihre Prosa nahezu ausschließlich ein Thema, nämlich die unmittelbare (und eigene) Vergangenheit. Schon in ihrem ersten Roman, Matsi põhi (Bauerngrund, 1982, als Buch 1983), konzentrierte sich die Autorin auf ihre eigene Kindheit Ende der 1950er Jahre im sowjetisch okkupierten Estland. Ihre Eltern waren damals als Partisanen in den Untergrund gegangen und hatten die Tochter weggegeben. Ihr Vater starb 1953 in einem Gefecht mit Spezialeinheiten des sowjetischen Geheimdienstes, während die Mutter in die zivile Gesellschaft zurückkehren konnte. Ein solches Thema konnte zu Brežnevs Zeiten nur bedingt zum Gegenstand eines Romans gemacht werden, aber eine indirekte Erwähnung war möglich:

Meine Eltern hatten wirklich einen großen Hof, wie ich von Mutter hörte, und vor der Bezeichnung als Kulaken flohen wir denn auch. Und wohl noch vor etwas anderem, das mehr mit meinem Vater zusammenhing, aber darüber irgendwann später einmal.18

Dieses Versprechen löste die Autorin in ihren späteren Romanen nach und nach ein: Nime vaev (Die Bürde des Namens, Tartu 1994), Ahasveeruse uni (Ahasvers Schlaf, Tallinn 2001) und Katkuhaud (Pestgrab, Tallinn 2007).19 Bevor das Pestgrab erschien, waren die beiden ersten gemeinsam mit ihrem Debütroman gelegentlich als Trilogie bezeichnet worden.20Katkuhaud ist indes untrennbar mit diesen Romanen verbunden, so lässt sich mittlerweile von einer Tetralogie sprechen. Virve Sarapik ist jedoch zuzustimmen, wenn sie schreibt:

Man kann also wohl deutlicher als bei irgendeinem anderen Autor sagen, dass Ene Mihkelson an ein und derselben Geschichte schreibt.21

Im Roman „Die Bürde des Namens“ wird diese Geschichte, d.h. die Nachkriegszeit, mit dem Ende der 1980er Jahre verwoben, als im Zuge der Singenden Revolution eine offenere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit möglich wurde. Die Erzählerin formuliert hier ihren Versuch, die verschüttete und totgeschwiegene Vergangenheit zu rekonstruieren. Dass die Autorin damit nicht nur ein persönliches Problem behandelte, sondern das Lebensgefühl ganzer Generationen ausdrückte, illustriert der Eröffnungssatz einer Rezension des Physikers, Philosophen und Schriftstellerkollegen Madis Kõiv (geb. 1929):

In einem Anflug von geistiger Verwirrung nach dem ersten Leseeindruck dachte ich, dass ich dieses Buch selbst geschrieben habe.22

Aber auch von literaturwissenschaftlicher Seite wurde dem Roman der Status einer „kollektiven Autobiographie“ zuerkannt.23 Der Text ist ferner als „Bewusstseinsroman“ bezeichnet worden, weil er in Gestalt von inneren Monologen, Träumen und Assoziationen den Versuch der Rekonstruktion der Vergangenheit darstellt.24 Die reiche, mitunter prätentiöse Sprache erschwert den Zugang zum Text. Zahlreiche Einklammerungen erzeugen eine gewisse stilistische Holprigkeit. Genau dies ist aber das Programm der Autorin, das sich im nächsten Roman fortsetzt und verstärkt.

Der beinahe doppelt so dicke Roman Ahasvers Schlaf wurde von der Kritik nahezu einhellig gelobt. Er wurde schnell zum Beispieltext für die Vergangenheitsbewältigung in Estland schlechthin und in eine Reihe gestellt mit anderen wichtigen „Bewältigungsromanen“ – insbesondere mit den Texten von Christa Wolf.25 Auch dieser Roman ist assoziativ und enthält keinen eindeutigen Handlungsstrang. Eher handelt es sich um einen großen inneren Monolog, mit dem die Lebensgeschichte der Autorin und damit die Geschichte der Erforschung einer Kindheit beschrieben werden soll. Ausgangspunkt ist das fehlende Grab des Vaters, der bekanntlich als „Bandit“ – so lautete die sowjetische Bezeichnung für die baltischen Widerstandskämpfer in den Wäldern, die sich selbst „Waldbrüder“ nannten – erschossen worden war. Interviews mit Zeitzeugen, Zitate aus KGB-Akten, aufgezeichnete Telefongespräche mit Archiv­angestellten und vielfältiges dokumentarisches Material sind die Ingredienzen des Romans. Er zeichnet nicht nur ein bedrückendes Bild von den dunklen Seiten der Vergangenheit, sondern auch vom Umgang mit ihr und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein. Denn die Zeitzeugen aus den 1950er Jahren sind zu einer neuerlichen Umbewertung nicht mehr in der Lage und bevorzugen das völlige Vergessen oder die Geschichsfälschung zur Bewahrung ihrer Identität26

Dass ein solcher Text sich nicht leicht erschließen lässt, geschweige einen Lesegenuss darstellt, ist dem Genre inhärent:

Literary texts devised for such purposes announce their intentionality to serve as impediments, instruments for preventing easy access to the past, providing instead a set of lenses whereby the past in its multiple subjectivities and overdeterminations can be recognized, worked over, and worked through.27

Der Text verlangt den Rezipienten Konzentration und Kontemplation ab. Wer sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen will, muss sich auf sie einlassen, einen anderen Weg gibt es nach der Überzeugung der Autorin nicht. Ein allzu leichter Zugang wäre in diesem Sinne kontraproduktiv. Klagen über die Komplexität des Romans verbieten sich damit. Oder noch einmal mit den Worten von Tiina Kirss ausgedrückt:

[...]these texts close off avenues of easy access to the past, providing landmarks toward uncharted territory that both historians and "common readers" must eventually reclaim.28

Als sechs Jahre später der nächste Roman von Mihkelson erschien, war die Kritik überrascht, weil Ahasvers Schlaf unausgesprochen bereits als Krönung von Mihkelsons Schaffen angesehen worden war, der keine Steigerung mehr folgen könne.29 Genau die erfolgte aber im Roman Pestgrab, der schon von der Titelgebung her eine eindeutige Positionsbestimmung zu sein scheint. Die Pestsymbolik ist in der estnischen Folklore und Literatur weit verbreitet, zumal diese Seuche in den vergangenen Jahrhunderten in Estland häufig zu Gast war. So trägt Jaan Kross' Hauptwerk, ein historischer Roman über das 16. Jahrhundert, den Titel Zwischen drei Pestseuchen.30In der Stalinzeit wurde die Besatzung durch die Nationalsozialisten mehrmals als „braune Pest“ bezeichnet31, und auch bei Andrus Kivirähk gibt es Anspielungen auf die Pest.32 Bei Mihkelson nun dient die Seuche als generelles Symbol für die Befassung mit der Vergangenheit:

Wenn du in deiner Heimstatt nach dem Tode Ruhe haben willst, sage, dass dort die Pest begraben ist. Dann hältst du die Menschen vom Grab fern. Nur die Mutigsten machen sich daran, in einem Pestgrab nach den Knochen der Häuptlinge des vorzeitlichen Estlands zu suchen. Es vergehen Jahrhunderte, ehe der Mut gewachsen ist.33

Auch in Pestgrab erfolgt die Berichterstattung anhand von Interviews und Gesprächen. Im Mittelpunkt steht diesmal eine Tante der Autorin, bei der sie nach dem Verschwinden der Eltern in den Wäldern untergekommen war. Mittlerweile lebt sie in einem verfallenen Haus und zeigt selbst schon Zeichen des Verfalls – symbolisiert durch ihre Inkontinenz. Erbarmungslos rückt ihr die Autorin mit ihren bohrenden Fragen zu Leibe und rollt so die Geschichte ihrer eigenen Entwurzelung auf. Während die Korrespondenzpartner in Ahasvers Traum vergleichsweise fernstehende Archivare waren, sind es nun – zusätzlich zu einer Archivarin – die Verwandten, die der Autorin Rede und Antwort stehen müssen. Das macht den Text noch unmittelbarer und beklemmender, was die Autorin nicht ohne einen Anflug von Selbstironie kommentierte, als sie über ihre Tante sagte:

Kaata war wie ein Kapitel aus einem Roman, den du nicht zu Ende lesen willst.34

Besagte Kaata, so stellt sich heraus, hatte obendrein mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet, und obwohl die Autorin gar nicht die Schuldfrage stellt – eine Bewertung des menschlichen Handelns ist nicht vorgesehen, es geht eher um den staunenden und fassungslosen Versuch des Verstehens –, ist die Beobachtung einer Rezensentin doch zutreffend:

Die Unterhaltungen mit Kaata sind keine Dialoge, sondern von Form, Ton und Aufbau her Verhöre, Gespräche eines in die Enge getriebenen Tieres mit dem Jäger.35

Kein Wunder, dass dieselbe Rezensentin zu dem Schluss kommt, dass der Roman „nicht zum Lesen einlädt, sondern eher abschreckt.“36

Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen Kross und Mihkelson. Beiden ist es gelungen, die Vielschichtigkeit der Vergangenheit zu veranschaulichen, wozu auch eine teilweise Rehabilitierung der ehemaligen deutschen Oberschicht, besonders bei Mihkelson, gehört. Während Kross aber aus seinem Stoff „runde“ Novellen und Erzählungen schmiedet, poetisiert Mihkelson das Elend ungeschminkter. Sie setzt die Sprache stärker zur Illustration ihres Anliegens ein. Sie stilisiert und konstruiert ihren Stoff, um ihn unzugänglich zu machen. Kross ist zugänglich, humorvoll und hat häufig einen mit lebensbejahenden philosophischen Dimensionen ausgestatteten, konkreten Plot. Bei Mihkelson gibt es dagegen nichts zu lachen, die Grundeinstellung ist düster, geradezu schwermütig, und die Handlung lässt sich nur mühsam aus den dargereichten Bruchstücken zusammensuchen. Während Kross seinen acht Jahren Haft und Verbannung verschmitzt noch etwas Positives abgewinnen konnte („eine einmalige Studienzeit“), sind die acht Jahre, die Mihkelsons Mutter im Untergrund verbracht hat, schlicht „acht verlorene Jahre“.37

Mit den Augen eines Kindes: Viivi Luik

Schon angesichts des Werkes von Mihkelson wurde deutlich, dass von einer klassischen „Wende“ in der Literatur Estlands nicht die Rede sein kann.38 Vielmehr ist ein fließender Übergang hin zu immer mehr Offenheit und Explizität feststellbar, der durch den endgültigen Wegfall der Zensur – der seinerseits ebenfalls fließend war und zwischen Herbst 1988 und Frühjahr 1989 anzusiedeln ist – nur beschleunigt wurde. Dies wird nochmals unterstrichen durch das Werk von Viivi Luik, das relativ unabhängig von den politischen Umwälzungen zu betrachten ist.

Viivi Luik (geb. 1946) begann ihre schriftstellerische Laufbahn wie Kross und Mihkelson als Dichterin. Ihrem Erstling von 1965 folgten bis 1982 acht weitere Gedichtsammlungen mit insgesamt 450 Gedichten und mehrere Auswahlbände.39 Anders als Kross und Mihkelson ist Luik im literarischen Kanon Estlands in erster Linie als Lyrikerin verankert worden. Ihr Prosawerk stellt trotz seiner immensen Bedeutung nur ein kleines Segment ihrer Veröffentlichungen dar. Und anders als Kross und Mihkelson hatte Luik ihr Œuvre Anfang der 1990er Jahre bereits weitgehend abgeschlossen. Danach ist sie vornehmlich als Essayistin in Erscheinung getreten. Das Prosawerk besteht neben einer Erzählung und einigen Kinderbüchern vor allem aus zwei Aufsehen erregenden Romanen, die in geschichtsträchtigen Jahren herauskamen: 1985, im Jahr des Amtsantritts von Gorbačev erschien Der siebte Friedensfrühling und 1991, als die Unabhängigkeit wiederhergestellt wurde, Die Schönheit der Geschichte. Das Erscheinungsdatum der beiden Bücher zeigt, dass sie schon vorher geschrieben worden waren und nur zufällig in den Zeiten des Umbruchs auf den Markt kamen.40

Luiks erster Roman verrät schon im Titel, worum es geht: Der siebte Friedensfrühling fällt in Estland in das Jahr 1951. Nach der Rückeroberung Estlands durch die sowjetischen Truppen verließen die letzten deutschen Verbände das Land im November 1944. Das Frühjahr 1945 war somit der „erste Friedensfrühling“.

Die Handlung spielt sich in der Zeit von Herbst 1950 bis Frühjahr 1951 bis auf wenige Ausnahmen auf dem heimatlichen Hof der Verfasserin in Südestland ab. Im Mittelpunkt stehen erkennbar autobiographischen Wahrnehmungen der erst fünf Jahre alten Erzählerin. Die anderen Personen, also Mutter und Großmutter, Tanten und Nachbarn treten in den Hintergrund. Dargestellt wird eine weitgehend männerlose Welt, denn die wenigen Männer, die nicht im Krieg gefallen, geflohen, verhaftet oder verbannt sind, sind zum Arbeitsdienst für den Wiederaufbau Estlands bzw. Aufbau des Sozialismus abkommandiert worden. Auch der – immerhin noch lebende – Vater des Kindes ist monatelang abwesend und taucht nur sporadisch zu Hause auf.

Das halbe Jahr wird nicht kontinuierlich beschrieben, sondern die Autorin reiht zahllose Erinnerungssplitter aneinander. Die estnische Leserschaft weiß: Im März 1949 war die zweite große Deportationswelle über Estland hinweggefegt, bei der 20 000 Menschen nach Sibirien abtransportiert worden waren. Das gleiche Schicksal hatte im Sommer 1941, kurz vor dem deutschen Überfall, bereits 10 000 Menschen ereilt. Der Terror diente u. a. dazu, die Kollektivierung der Landwirtschaft zu forcieren, der sich zahlreiche Bauern und Grundbesitzer entgegengestellt hatten. Viele hatten sich der Deportation durch Flucht in die Wälder entzogen und setzten von dort aus ihren nunmehr bewaffneten Widerstand fort. Dies konnte eine fünfjähriges Kind nicht oder nur vage wissen. Über die „Waldbrüder“ wurde nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Die schrecklichen Ereignisse hinterließen allerdings Spuren im Alltag auf dem Hof, die für die junge Erzählerin sichtbar waren. Sie berichtet in einer natürlich-kindlichen und unmittelbaren Sprache von einem Essgeschirr unter einem Strauch am Waldrand, einer dröhnende Düsenjägerstaffel, einem geschlachteten Kalb, das der Kuh angeblich das Futter wegzufressen gedroht hatte, von einem verlassenen Bauernhof. Der Eindruck von Naivität wird dadurch verstärkt, dass das Mädchen eine glühende Anhängerin von „Väterchen Stalin“ war. Er verkörperte für sie das Neue, nach dem sie lechzte. Das ist jedoch streng zu trennen von einem – in Estland ohnehin nie starkem – banalen sozialistischen Realismus, in dem es tatsächlich eine panegyrische Lyrik auf Stalin gab. Diese entwaffnende Ehrlichkeit in der Beschreibung von Beobachtungen aus der Nachkriegszeit ohne sie zu werten, war etwas Neues in der estnischen Literatur zur Vergangenheitsbewältigung.

Luiks Roman platzte 1985 völlig überraschend in den sowjetischen Jubeltaumel zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. Das Buch entlarvte den Frieden, der da gefeiert wurde, als Periode des Terrors und erregte viel Aufmerksamkeit. Doch selbst wenn es zu einem anderen Zeitpunkt erschienen wäre, hätte seine sprachliche, poetische Kraft ihm sicher bald einen Platz im estnischen Kanon verschafft.41

Obwohl die Autorin sich der Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch die Zensur bewusst war, liegt ihrem Roman eine völlig andere Herangehensweise als dem Werk von Kross oder Mihkelson zugrunde. Luiks nähert sich dem Erlebten nicht rational und distanziert wie Jaan Kross und stimmt keine wertende Anklage an wie Ene Mihkelson.

Die Vergangenheit als Satire: Andrus Kivirähk

Der junge Erfolgsautor Andrus Kivirähk (geb. 1970)42 unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den Vorgenannten: Er hat nie Lyrik veröffentlicht, er hat die Nachkriegszeit nicht selbst erlebt, und er hat sich in seinem schon recht umfangreichen Werk nur marginal mit der hier behandelten traumatischen Vergangenheit Estlands befasst. Er bringt jedoch eine neue literarische Facette zum Umgang mit der totalitären Vergangenheit ins Spiel.

Kivirähk hatte seit 1992 Zeitungskolumnen publiziert und fasste diese 1995 unter dem Titel Die Erinnerungen des Ivan Orav oder Eine Vergangenheit wie hellblaue Berge in seinem ersten Buch zusammen.43 In dieser fiktiven Lebensgeschichte eines unermüdlichen estnischen Patrioten wird durch eine eigentlich simple, aber in ihrer Treffsicherheit entwaffnende satirische Überhöhung alles lächerlich gemacht, was den Esten seit der Singenden Revolution „heilig“ geworden war: So wird ein bekannter abstinenter Politiker der Zwischenkriegszeit als Trinker dargestellt, in besagter, vermeintlich goldener Zwischenkriegszeit konnten Vögel und Tiere noch sprechen, und an anderer Stelle wird die Flucht nach Schweden (1944) als Regatta bezeichnet.

Kivirähks Rezept ist einfach: Traumatischen Erlebnissen und Erinnerungen begegnet er mit Humor. Bei Kivirähk ist Stalin im Himmel, wie Ivan Orav bei seinem Besuch in der Hölle enttäuscht feststellen muss:

"Stalin hat sich bei uns so schlecht benommen, dass wir ihn ins Paradies geschickt haben," sagte der Teufel. "Mensch, was für ein widerlicher Typ! Naja, der Alte Herrgott wird ihn schon zur Räson bringen."44

Das Buch wurde umgehend mit dem wichtigsten Literaturpreis des Jahres ausgezeichnet und 2001 in erweiterter Form neu aufgelegt. Zu jenem Zeitpunkt waren der Text und sein Autor schon so berühmt, dass das Buch frecherweise ohne Angabe des Autors erschien.

In einer Zeittafel, in der er jedes Jahr des 20. Jahrhunderts beißend spöttisch und absurd kommentiert, heißt es zum Jahr 1949 lapidar:

Den völlig unschuldigen Tieren werden ihre gemütlichen Wagen weggenommen, und man stopft estnische Menschen hinein. Die gewaltsam aufgezwungene touristische Reise bringt die Unglücklichen in das ferne Sibirien. Zurück kommen sie erst Jahre später, und dann zeigen sie ihre in Sibirien gemachten Fotos und veranstalten Dia-Abende – eine immer wieder vorkommende Strafe in Estland.45

In diesem Stil ist das gesamte Buch verfasst. Kivirähk scheint seinen Lesern damit zuzurufen, die Bewältigung der Vergangenheit sei nur über eine extreme Distanzierung und das Überziehen der Realität ins Groteske möglich.

Die Lektüre des Werks der vier Autoren offenbart vier verschiedene literarische Formen der Auseinandersetzung mit der totalitären Vergangenheit in Estland. Sie alle haben die gesellschaftliche Debatte auf die eine oder andere Art beeinflusst, aber keiner Buchpublikation können konkrete Folgen für die Diskussion zugeordnet werden. Sie wurden und werden in erster Linie als literarische Manifestationen betrachtet, nicht als tagespolitische Wortmeldungen. Dabei deuten die unterschiedlichen Interpretationen und Ansätze lediglich darauf hin, dass es in der estnischen Gesellschaft keine einheitliche Haltung zur Vergangenheit gibt.

1Als Überblick in einer westlichen Sprache nach wie vor maßgeblich: Toivo U. Raun: Estonia and the Estonians. Stanford 1987, ²1991, ³2001. – Romuald J. Misiunas, Rein Taagepera: The Baltic States. Years of Dependence 1940–1990. Expanded and updated edition. Berkeley, Los Angeles 1993.

2Für einen Überblick s. Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, New York 2006. Vgl. insbesondere den Abschnitt „Trauma- und Trauerarbeit“, S. 730–732.

3Cornelius Hasselblatt: Zensur und Zeitgeist. Zur typologischen Ähnlichkeit zwischen verschiedenen Systemen, in: Ders. (ed.): Different inputs – same output? Autonomy and dependence of the arts under different social-economic conditions: the Estonian example. Maastricht S. 18-26, hier S. 19 (= Studia Fenno-Ugrica Groningana 3).

4Zum Zweiten Weltkrieg: Toomas Hiio et al. (Eds.): Estonia 1940-1945. Reports of the Estonian International Commission for the Investigation of Crimes Against Humanity. Tallinn 2006. – Zur Nachkriegszeit: David Feest: Zwangskollektivierung im Baltikum. Die Sowjetisierung des estnischen Dorfes 1944–1953. Köln, Wien 2007. – Olaf Mertelsmann (Ed.): The Sovietization of the Baltic States, 1940–1956. Tartu 2003.

5Ein annähernd vollständiges Publikationsverzeichnis in: Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur. 51. Nachlieferung. Jaan Kross. München 2000. Das dortige Verzeichnis endet 1998, danach sind noch ein Roman (2001), die beiden Theaterstücke (2000), zwei Bände mit Erinnerungen (2003, 2008) sowie acht Novellen (1998-2004) erschienen. Ein vollständiges, nach behandeltem Zeitraum sortiertes Werkverzeichnis von Kross demnächst in: Nordost-Archiv 16 (2007).

6Vaime Kabur, Gerli Palk (Hg.): Jaan Kross. Bibliograafia. Hamburg, Tallinn 1997. – Vaime Kabur, Tiina Ritson (Hg.): Jaan Kross. Bibliograafia 1997-2005. Tallinn 2006.

7Über die Verquickung seiner Biographie und seines Werkes sprach Jaan Kross, s.: Jaan Kross: Omaeluloolisus ja alltekst. 1998. a. Tartu Ülikooli filosoofiateaduskonna vabade kunstide professorina peetud loengud. Tallinn 2003.

8Jaan Kross: Vandenõu, in: Looming 12/1987, S. 1587–1606. Übersetzt ins Deutsche: Jaan Kross: Die Verschwörung. Frankfurt/Main 1994, S. 83–130.

9Die Novelle „Vürst“ (deutsch unter dem Titel „Der Fürst“, in: Baltica 1/2000, S. 4-48) enthält auch Abstecher in die Jahre 1951 und 1956.

10Nicht alle von ihnen liegen in deutscher Übersetzung vor, für Einzelnachweise s. Cornelius Hasselblatt: Estnische Literatur in deutscher Sprache 1784–2003. Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur. Bremen 2004, S. 66-74.

11Jaan Kross: Autobiograafia, in: Vaime Kabur (Hg.): Jaan Kross. Personaalnimestik. Tallinn 1982, S. 5–7, hier S. 6.

12Jaan Kross: Halleluja, in: Ders.: Die Verschwörung. Erzählungen. Frankfurt/M. 1994, S. 82.

13Ebd., S. 92.

14Jaan Kross: Ausgrabungen. Frankfurt 1995.

15Ebd., S. 173.

16 Ebd., S. 70.

17Zu Leben und Werk der Autorin: Arne Merilai (Hg.): Päevad on laused. Ene Mihkelson. Tartu 2005. Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur auf S. 149–183.

18Ene Mihkelson: Matsi põhi. Tallinn 1983, S. 12.

19Keiner dieser Romane wurde bislang übersetzt, trotzdem erregte das Werk der Autorin Aufmerksamkeit im Ausland: 2006 erhielt Mihkelson den Herderpreis. Für uns Deutsche übersetzte Lyrik s. Hasselblatt, Estnische Literatur in deutscher Sprache [Fn. 10], S. 98-99.

20Marju Lauristin: Ahasveeruse mõistatus, in: Vikerkaar 4/2002, S. 81–83, hier S. 81.

21Virve Sarapik: Võõras mets. Ene Mihkelsoni proosast, in: Keel ja Kirjandus 9/2005, S. 728-734; 10/2005, S. 808-817, hier S. 728.

22Madis Kõiv: Nime vaev, in Vikerkaar 2/1995, S. 91-93, hier S. 91.

23Tiina Kirss: Falling into history: Postcolonialism and Fin-de-Siècle in Ene Mihkelson's Nime vaev, in: Interlitteraria 5 (2000), S. 131-151, hier S. 136. – Dies.: Uned ja näod: Sisemaastikud Ene Mihkelsoni proosas, in: Looming 12/2004, S. 1874-1880. – Dies.: Interstitial Histories: Ene Mihkelson's Labor of Naming, in: Violeta Kelertas (Ed.): Baltic postcolonialism. Amsterdam 2006, S. 387–407.

24Liina Lukas: Restauration durch Revolution. Eine Wende estnischer Art und ihre literarische Reflexion, in: Willi Huntemann et al. (Hg.): Engagierte Literatur in Wendezeiten. Würzburg 2003, S. 181-197, hier S. 193.

25Tiina Kirss: On Weighing the Past: Vergangenheitsbewältigung and the Prose of Ene Mihkelson and Christa Wolf, in: Interlitteraria 10/2005, S. 196-216. – Eva Rein: A Comparative Study of Joy Kogawa's Obasan and Ene Mihkelson's Ahasveeruse uni in the Light of Trauma Theory, in: Interlitteraria 10/2005, S. 217-229. – Aija Sakova: Kirjutamine kui mäletamine. Ene Mihkelsoni „Ahasveeruse une” ning Christa Wolfi „Mõtisklused Christa T.-st“ ja „Lapsepõlvelõimede“ võrdlus, in: Arne Merilai (toim.): Päevad on laused [Fn. 17], S. 76-92. – Eneken Laanes: Mäletamise lühis: Ene Mihkelsoni „Ahasveeruse uni“, in: Keel ja Kirjandus 6/2006, S. 433–448.

26Kati Lindström: Mälu pole fossiil. „Check out“ ja „Ahasveeruse uni“ kui eesti ühiskonna suundumuste peegeldused kirjanduses, in: Vikerkaar 11–12/2002, S. 96–105, hier S. 100.

27Kirss: On Weighing the Past [Fn. 25], S. 201.

28Ebd., S. 216.

29Jaan Ross: Ellujäämise õigustusest, in: Vikerkaar 1-2/2008, S. 174-177, hier S. 177.

30Jaan Kross: Kolme katku vahel. 4. Bde. Tallinn 1970-1980. Deutsche Ausgabe: Jaan Kross: „Das Leben des Balthasar Rüssow“. Berlin 1986 (und spätere Neuausgaben).

31Vgl. das Schauspiel Pruun katk (Die braune Pest) von Paul Rummo (Moskau 1943) sowie den Roman Pruuni katku aastail (In den Jahren der braunen Pest) von Osvald Tooming (Tallinn 1950).

32In seinem Roman Rehepapp (Der Scheunenvogt, Tallinn 2000), vgl. den deutschen Auszug in: Estonia 2/2003, S. 54-62.

33Ene Mihkelson: Katkuhaud. Tallinn 2007, S. 160.

34Ebd., S. 23-24.

35Tiina Kirss: Mäletamise piirid ja püünised, in: Looming 2/2008, S. 304-308, hier S. 305.

36Ebd., S. 307.

37Ene Mihkelson: Katkuhaud. Tallinn 2007, S. 127.

38Liina Lukas, Restauration durch Revolution [Fn. 24], S. 183.

39Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur. 56. Nachlieferung. Viivi Luik. München 2001. – Ein vollständiges Werkverzeichnis einschließlich Übersetzungen und Sekundärliteratur in: Arne Merilai (Hg.): Looming – olemise kehtestamine: Viivi Luik. Tartu 2007, S. 285-333.

40Cornelius Hasselblatt: Kann Geschichte schön sein? Zur Konstruktion von Vergangenheit in zwei Romanen Viivi Luiks, in: Nordost-Archiv. Zeitschrift für Regionalgeschichte, Neue Folge VIII (1999) [2001], S. 419–433, insbesondere S. 421–422. – Viivi Luik: Der siebte Friedensfrühling. Reinbek 1991. – Dies.: Die Schönheit der Geschichte. Reinbek 1995.

41Ein Indikator für die Kontextungebundenheit des Romans mag auch die große Zahl der Übersetzungen sein, er liegt unter anderem vor auf finnisch (1986, mehrere Auflagen) russisch (1987 in einer Zeitschrift, 1988 in Buchform), norwegisch (1987), schwedisch (1988), ukrainisch (1989), deutsch (1991), französisch (1992), spanisch (1993), lettisch (1995, Auszüge bereits 1987 in einer Literaturzeitschrift) und katalanisch (2005).

42Piret Noorhani: Kivirähkiga imedemaal. Grotestkivõimalus, in: Keel ja Kirjandus 4/2002, S. 231–245; 5/2002, S. 329–341. – Kadri Tüür: Subjectivity and survival: Postmodern identity in two contemporary Estonian novels, in: Interlitteraria 9/2004, S. 140–154.

43Andrus Kivirähk: Ivan Orava mälestused ehk Minevik kui helesinised mäed. Tallinn 1995. – Mari Enqvist: Eine satirische Geschichte Estlands, in: Estonia 1/1996, S. 51–52. – Cornelius Hasselblatt: Lachen als Therapie. Humor als Mittel zur Dekonstruktion des nationalen Mythos in Estland, in: Waltraud ›Wara‹ Wende (Hg.): Wie die Welt lacht. Lachkulturen im Vergleich. Würzburg 2008, S. 125–134. – Cornelius Hasselblatt: Bruch oder Kontinuität? Zur estnischen Literatur Mitte der neunziger Jahre, in: Osteuropa 8/1996, S. 769–784, hier S. 781–782.

44[Andrus Kivirähk:] Ivan Orava mälestused ehk Minevik kui helesinised mäed. Tallinn 2001, S. 132.

45Ebd., S. 221.







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