- Zu dieser Ausgabe
- Essay: Vergangenheits-bewältigung in der Literatur, Cornelius Hasselblatt
- Eine Novelle: Jüri Ehlvest, Kruziania
- Eine Novelle: Eeva Park, Absolut meisterhaft
- Eine Novelle: Mehis Heinsaar, Der schöne Armin
- Eine Novelle: Maimu Berg, Baltic Dream
- Eine Novelle: Ervin Õunapuu, Die stinkenden Handschuhe des Chefs
- Auszug aus Roman: Mari Saat, Im Grunde
- Auszug aus Roman: Jan Kaus, Sie
- Lyrik: Hasso Krull
- Lyrik: Triin Soomets
- Lyrik: fs
- Lyrik: Elo Viiding
Lyrik: fs
Gedichte
wir werden in krankenhäusern
geboren
lange bleiche korridore
in der stille hallen
schritte
die luft voll chlor- und arzneigestank
die wände mit
krankheiten imprägniert
unsere namen sind registriert
alles
unter kontrolle
die papiere in den ordnern
die ordner hinter
schloss und riegel
vor der außentür das wächterhäuschen
heute
kann keiner mehr
dich besuchen kommen
hinterm fenster dämmert
es
auf der andern hausseite die totenkammer
zieh deine beine
ein
sagt die putzfrau
+
es können 42
umdrehungen sein
oder 40
aber vielleicht auch 38
oder 36
es
kann der weg von Tallinn nach Riga sein
mit Iggy Pop und David
Bowie
mit zwischenhalten
und 42 und 36 umdrehungen
der weg
kann auch länger sein
bis ans ende des flurs und in den zweiten
stock
durch die engen rohre des badezimmers
wo das rote wasser
nicht abfließt
aber alles kommt
nach dem oktober
november
kommt kälte und eis
kommt schmerz
schmerz
alles
wird auf dem tablett serviert
auf dem weg zu Dir
+
ich
arbeitete im archiv
kam im dunkeln zur arbeit
noch keiner war
da
licht habe ich keines gemacht
in dem dunklen raum mit den
dicken wänden
im rücken eiserne regale
stand ich die arme
verschränkt
sah aus dem fenster
einen engen innenhof
das
parlament
plötzlich rührten die finger der rechten hand
an
etwas warmes
ich erschrak
dann begriff ich
es war meine
linke seite
durch den kopf schoss der gedanke
seltsam und kaum
zu glauben
ich existiere



