Lyrik: fs

Gedichte
_c__jüri_j_dubov__27_supermedium
(c) Jüri J Dubov
Von fs (François Serpent) aus dem Estnischen von Irja Grönholm

wir werden in krankenhäusern geboren
lange bleiche korridore
in der stille hallen schritte
die luft voll chlor- und arzneigestank
die wände mit krankheiten imprägniert
unsere namen sind registriert
alles unter kontrolle
die papiere in den ordnern
die ordner hinter schloss und riegel
vor der außentür das wächterhäuschen
heute kann keiner mehr
dich besuchen kommen
hinterm fenster dämmert es
auf der andern hausseite die totenkammer
zieh deine beine ein
sagt die putzfrau


+


es können 42 umdrehungen sein
oder 40
aber vielleicht auch 38
oder 36
es kann der weg von Tallinn nach Riga sein
mit Iggy Pop und David Bowie
mit zwischenhalten
und 42 und 36 umdrehungen
der weg kann auch länger sein
bis ans ende des flurs und in den zweiten stock
durch die engen rohre des badezimmers
wo das rote wasser nicht abfließt
aber alles kommt
nach dem oktober november
kommt kälte und eis
kommt schmerz
schmerz
alles wird auf dem tablett serviert
auf dem weg zu Dir


+


ich arbeitete im archiv
kam im dunkeln zur arbeit
noch keiner war da
licht habe ich keines gemacht
in dem dunklen raum mit den dicken wänden
im rücken eiserne regale
stand ich die arme verschränkt
sah aus dem fenster
einen engen innenhof
das parlament
plötzlich rührten die finger der rechten hand
an etwas warmes
ich erschrak
dann begriff ich
es war meine linke seite
durch den kopf schoss der gedanke
seltsam und kaum zu glauben
ich existiere







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