Die Budapester Buchmesse

Per Olov Enqvist in der Öffentlichkeit in Budapest
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Unter den Hunderten von Romanautoren und anderen Schriftstellern in Budapest zogen nur zwei Männer die Menge Zuschauer an, um die Bártok Hall, den Festraum, bis zum letzten Platz zu füllen: Mario Vargas Llosa und Per Olov Enqvist. Anna Paterson hörte Enqvist reden.

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'Mütter und ihr Einfluss' war das Einstiegsthema in Gespräch zwischen Per Olov Enqvist und Péter Esterhazy, dem Verfasser einer großen Familiensaga, das auf Deutsch geführt wurde. Enqvists Mutter zum Beispiel und ihr fundamentalistisches Christentum mit seinen Sinnbilder von Blut und Liebe, dem leidenden Lamm Gottes, hat ihn tief beeinflusst.

Die Religion ist in Enqvists letzten zwei Romanen in den Mittelpunkt des Geschehens gerutscht. In seinem international erfolgreichen Roman aus dem 18. Jahrhundert Der Besuch des königlichen Arztes (Livläkarens besök), bildet der Pietismus einen Teil des spirituellen Hintergrundes der Figur des Dr. Struensee, des königlichen Arztes. Die volkstümliche evangelikale Religion ist das Hauptthema seines letzten Romans Lewis Reise, das das explosive Wachstum der Pfingstgemeinde von den 20er Jahren bis heute verfolgt. Die Bewegung begann als ein exstatischer Glaube in den USA, aber wie Enqvist sagte, 'die Schweden organisierten sie'.

Dank Enqvists meisterlicher Behandlung der Erzählung und der Sprache, ist Lewis Reise extrem erfolgreich als auch beliebt bei den Kritikern geworden, trotz seiner beeindruckenden 600 Seiten und einem Thema, das ganz offensichtlich weit entfernt vom der modernen Aufmerksamkeit ist. Nachdem klar war, dass 'die Mutter' keine ausreichende Erklärung für diese komplexe Geschichte eines Glaubens, der durch menschliches Kalkül gemildert wird, bietet, ging Esterhazy zu einer weitaus monumentaleren Einflussquelle über: der Bibel.

Dieses Thema beschäftigt Enqvist sehr, der behauptet, die Bibel sei ein 'unvollendetes Werk' und die Evangelien seien allein grundlegend für den christlichen Glauben. Das sei nicht neu, insistierte er, aber eine aufgeklärte Sichtweise, die z.B. schon von Graf Zinzendorf (dem Gründer der Mährischen Kirche im 18. Jahrhundert) geäußert worden sei. All dies verursachte ein lebhaftes Echo im normalerweise eher ruhigen Publikum aber Esterházy und Enqvist schafften es, den Bogen zu den Romanqualitäten von Lewis Reise zu schlagen.

Die zentrale Beziehung im Buch ist die zwischen Lewi Pethrus, teils sanfter Vater der 'Bewegung', teils skrupelloser Meister der Realpolitik, und seinem zweifelhaften Kollegen Sven Lidman, einem rechtsextremen Ex-Heiden, der sich zum religiösen Enthusiasten und Prediger entwickelt. Esterházy fragte nach der Rolle der Sexualität - die Bewegung zog eine Menge junge Arbeiterfrauen an - und nach der implizierten Homosexualität der Freundschaft zwischen Pethrus und Lidman, die in bittere Feindschaft endete. Diese vielversprechenden Themen, die einige tiefgehende Fragen nach einer Pethrus/Lidman Polarität in Enqvist selber beinhalteten, nahmen fast den gesamten Rest der Zeit ein.

Schließlich mussten sie einfach noch über europäische Kultur reden: wie fühlt sich ein Schwede, der in Mitteleuropa gefeiert wird? Schweden, sagte Enqvist, sei Teil einer 'nicht-westlichen' Achse, die auch das Baltikum und Westrussland, Deutschland und Mitteleuropa umfasst. Der Bereich kulturellen Verständnisses ende kurz vor den 'Mittelmeerländern' und den westlichen Zentren Paris, London und Madrid. Applaus - jeder schien davon angezogen und angenehm berührt zu sein.






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