In dieser Ausgabe
- Leitartikel
- Jaan Kaplinski
- Die Budapester Buchmesse
- Die Kunst der Beleidigung
- Schreiben in zweisprachigen Welten
- Irland
- Fred Johnston
- Seán Ó Ríordáin
- Finlands Åland Inseln
- Ulla-Lena Lundberg
- Die Iberische Halbinsel
- Ignasi Riera
- Xosé Luís Méndez Ferrín
- Bernardo Atxaga
- WALES
- R.S Thomas
- Mihangel Morgan
- NACHRICHTEN
Die Kunst der Beleidigung
Die Kunst der Beleidigung
Part of the crowd enjoying the insults
Die Beleidigung ist ein Stilmittel der Rhetorik, über lange Zeit ein wichtiges Mittel in der Politik, und durch die Zeiten haben Dichter Beleidigung und Diffamierung neben dem Lobpreis geübt. Heutzutage findet in der Bretagne die Kunst der Beleidigung wieder Anhänger ...
2002 kam in Prat, einem Dorf bei Lannion in der bretonischsprachigen Region von Trégor, Louis-Jacques Suignard, ein Englischlehrer einer örtlichen höheren Schule, auf die Idee einen Abend zu organisieren, der sich ganz der Beleidigung widmen sollte. Die Idee wurde in einem besonderen Kontext geboren: Erzähl- Musik- und Gesangsabende auf Bretonisch kennzeichnen die Wintermonate in der Bretagne, dank der Anstrengungen der örtlichen Gruppen, die ein starkes Interesse an der Tradition haben. Wie auch immer, eine spezielle Form des Dramas und der sozialen Katharsis kamen außer Gebrauch: z.B. die Kunst der Beleidigung.
Und so wurde 2002 'Championnad ar Bed ar C'hunujennoù' ('Die Weltmeisterschaft der Beleidigung und der Beschimpfung') in Prat organisiert, bei Lannion in der Nord-Bretagne. Das Ereignis zog ein großes Publikum an, um zwei Mannschaften von Beschimpfern bei einem zünftigen verbalen Schlagabtausch zu lauschen.
Die Mannschaften, jede zu vier Personen, sprachen jeweils für Trégor und Cornouailles, Regionen, die traditionell eine intensive Rivalität gepflegt haben, und die heutzutage nördlich und südlich der N 12 liegen, der zweispurigen Fernstraße von Brest nach Rennes.
Eine ausgewählte Jury beurteilte den Wettbewerb und scheuten sich nicht, die Rote Karte zu ziehen, wenn die Wettstreiter außer Kontrolle zu geraten drohten. 'Ihr Leute dort im Süden müsst jedesmal eine Sondersteuer zahlen, wenn einer eurer Beamten in Schweiß ausbricht!' lautete zum Beispiel eine Spöttelei. 'Ihr Leute oben im Norden, ihr esst Seetang zum Frühstück und habt den Nerv uns zu beleidigen!' kam die Antwort.
Die Veranstaltung war ein solcher Erfolg, dass für 2003 ein Rückspiel organisiert wurde. Dieses fand letzten Februar in Guerlesquin statt. Das Ereignis dauerte fünf Stunden und es wurden gereimte Beleidigungen, Provokationslieder und eingeübter Dialog zum Programm hinzugefügt. Es zog ein Publikum von 800 Leuten an und verschiedene Radioteams.
Ein öffentliches Ereignis dieser Größenordnung, das voll und ganz auf Bretonisch ausgetragen wurde, ist ein kleines Wunder. Das Bretonische, obwohl es noch von einer viertelmillion Menschen gesprochen wird, ist in den jüngsten Generationen völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden, und es wird hauptsächlich zuhause von einer zunehmend älteren Bevölkerung gesprochen. So war der Lauf der Geschichte zumindest bis zur 'Weltmeisterschaft der Beschimpfung und Beleidigung'. Jetzt hat in der Bretagne die Kunst der Beleidigung sie alle wieder laut zum Lachen gebracht.
© University of Wales, Aberystwyth 2002-2009
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