In dieser Ausgabe
- Leitartikel
- Jaan Kaplinski
- Die Budapester Buchmesse
- Die Kunst der Beleidigung
- Schreiben in zweisprachigen Welten
- Irland
- Fred Johnston
- Seán Ó Ríordáin
- Finlands Åland Inseln
- Ulla-Lena Lundberg
- Die Iberische Halbinsel
- Ignasi Riera
- Xosé Luís Méndez Ferrín
- Bernardo Atxaga
- WALES
- R.S Thomas
- Mihangel Morgan
- NACHRICHTEN
Fred Johnston
Lord Franklin
Heraus aus Winterstürmen
jetzt ist es ruhig. Ein Schiff
bricht plötzlich Eis,
stückweiser Vorstoß auf dem Frühlingsmeer.
Vor deinem inneren Auge
Schiffsinventar
Frachtbriefe.
Maipackeis treibt, gleitet,
schneidet südwärts, fest kapselt
es uns ein. Grünliche Funken zucken
gespenstisch an den eisigen Spieren:
ohne Segel, fast ganz still.
Der Kompass trügt
der Hohe Norden bleibt ein Rätsel
und auch die Sterne täuschen leicht:
Du bläst in die gewölbten Hände
und spürst den ersten Hauch von Angst.
Ein Eskimo trägt ein Robbenfellkanu
auf seinem Rücken, läuft am Treibeis entlang,
schnell auf die Sonne zu.
Und du beobachtest ihn
solange die Männer Tee kochen:
blickst auf die Sonne
wie sie kreist, Zeit entstellt
rechne nicht mit Wundern,
präzise ist der Tod
in diesem Land ohne Dunkelheit.
Ich erspähte einen Wal (du notierst)
heute um Mittag. Eingekeilt in der Baffin Bai,
es wird nicht tauen. Die Männer sind nervös, Tabak fehlt:
Einer hat ein Melodium;
gestern Abend sah ich Gottes Antlitz
in meiner eisigen Hand.
Wir werden
wie ein Nagel
ins Eis getrieben.
Was ist Glaube
oder Gottvertrauen
wenn das Eis seine eigenen Gesetze schreibt:
Männer frieren und schlafen, dann verblassen sie
unter dem ungeheuer leeren Blick
eines gottlosen Himmels.
Ich gäbe
alles
von dieser Last befreit zu sein.
Eine blaue Eisküste
und wo du hintrittst,
keine Spur.
Der Kompass trügt
der Hohe Norden bleibt ein Rätsel
und auch die Sterne täuschen leicht:
Es kann keine Durchfahrt geben.
Wenn du zu Fuß gehst
hältst du dich warm.
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