Francis Ebejer

Der maltesische Baron und ich, Lucian
In diesem Artikel über Francis Ebejers letzten Roman, Der maltesische Baron und ich, erklärt Charles Briffa, dass das Buch, das Gegenstück zu seinem früheren Requiem für einen maltesischen Faschisten (1980) vor 1987 geschrieben worden ist, und nicht, wie es allgemein vorher angenommen wurde, kurz vor seinem Tode 1993. 'In Der maltesische Baron und ich,' schreibt Briffa, 'beschreibt Ebejer Maltas Fortschritt von den Bedingungen der Kolonialzeit hin zu einer unabhängigen Mentalität.'

The Maltese Baron and I, Lucian, Francis Ebejer
Midsea Books (2202)
ISBN 99932-39-02-X
pp. 275.

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Als ich das Vorwort zu Der maltesische Baron und ich, Lucian (2002) schrieb, stand ich unter dem Eindruck, dass dieser Roman in den frühen Neunzigern geschrieben worden war, kurz vor Ebejers unzeitigem Tod 1993. Im Laufe einer Studie die ich über sein maltesischsprachiges Stück Il Gahan ta' Bingemma (1985) anfertigte, wollte ich die Idee entwickeln, dass Ebejer oft die Geographie als Element der thematischen Integration gebraucht. Um meine Theorie zu untermauern, las ich noch einmal The Bilingual Writer as Janus (1989) und entdeckte dort zu meiner Überraschung ein Zitat aus Der maltesische Baron und ich, Lucian. Im Zitat wird der Roman nicht namentlich genannt, aber Ebejer sagt, es sei aus einem 'Roman auf Englisch, den ich gerade abgeschlossen habe'. The Bilingual Writer as Janus war ein Vortrag, der im September 1987 gehalten worden war. Das Zitat reichte aus, um zu beweisen, dass Der maltesische Baron und ich, Lucian 1987 abgeschlossen war.

Der maltesische Baron und ich, Lucian hat viel gemeinsam mit Requiem für einen maltesischen Faschisten (1980), was das Thema und den Stil angeht. Auf der politischen Ebene behandeln beide Romane den Faschismus und den Zweiten Weltkrieg. Der Krieg beherrschte Ebejer wie ein psychologisches Faktum, das eine außerordentliche Erfahrung von ungefügem Material darstellte, das die menschlichen Erfahrungen beeinflusste. Auf der persönlichen Ebene handeln beide Romane von den Themen der Liebe und der Freundschaft in einem Netzwerk von Beziehungen. In Der maltesische Baron und ich, Lucian ist der Ich-Erzähler (Lucian) ein alter Mann, der sein Leben in einem Dokument untersucht, das zu einem Roman gemacht wird. Ebejer führt ein zweites Mal einige seiner Lieblingsthemen ein, wie den Einfluss, den die Vergangenheit auf den Charakter hat, die Zurückweisung von Liebe wegen Sturheit, das psychologische Geheimnis des alten Mannes und den Konflikt zwischen jung und alt.
Zwei Freunde von Kindesbeinen an, Lucian, Sohn eines Kaufmanns aus der Mittelschicht, und Mark Antonin, der Sohn des Barons, entwickeln sich zu völlig verschiedenen Charakteren und schaffen es dabei doch, Seelenfreunde zu bleiben. Lucian ist schlau, aber eitel und einsam; er nährt seinen Wahn von Adel, während Mark Antonin großzügig und beliebt ist, aber von sehr unbeherrschtem Geist. Letzterer, der den Titel seines Vaters erbt, kommt in Kontakt zu einem Kreis von Faschisten, er trifft ein schönes italienisches Mädchen, Katerina, und verliebt sich in sie, die ihrerseits eher für Lucian schwärmt. Der Krieg kompliziert die Dinge für die drei, und die Männer versuchen ihr äußerstes, um Katerina zu verstecken. Katerina liebt Lucian, heiratet ihn aber nie. Stattdessen heiratet sie Mark Antonin, verlässt dann aber Malta und stirbt Jahre später im Ausland. Mark Antonin kehrt mit ihrer Tochter Bianca zurück. Er behandelt sie, als wäre sie seine eigene, sie aber behauptet, sie sei Lucians Tochter.

In dieser Geschichte beschreibt Ebejer die Entwicklung Maltas von der kolonialen Situation hin zu einer unabhängigen Mentalität. Es scheint, als habe er geschrieben, um sich selbst zu überwinden: politisch von den Briten kolonialisiert und kulturell von den Italienern, war seine Aufgabe, eine glaubwürdige Stimme zu finden. Seine Entscheidung war, eine Erzählung zu benutzen, um die befreite Existenz des Menschen in der Welt zu illustrieren.
Die zwei Romane, Requiem für einen maltesischen Faschisten und Der maltesische Baron und ich, Lucian ergänzen sich stilistisch und thematisch, und zeigen dass der Kolonialismus den Menschen denaturalisiert. Er kappt seine kulturellen Bande, wechselt sogar seine Einstellung zu seiner eigenen Umwelt. Schließlich nimmt er die Sichtweise des anderen an.

Ebejer sucht Strukturen des Ausdrucks, die unsere Kultur neu interpretieren, sie von Definitionen und Konditionen, die von den 'anderen' auferlegt sind, zu befreien und kodiert folglich eine neue Authentizität des Selbst.






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