Immanuel Mifsud

L-Istejjer Strambi ta' Sara Sue Sammut
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Dieser Artikel, von Karl Schembri, erschien erstmals im Malta Independent am Sonntag, den 22. Dezember 2003 und ist von Transcript übernommen worden.

Hooligans, Figuren von radikalem Chic, promiske junge Männer und ehebrechende Liebhaber: Willkommen bei L-Istejjer Strambi ta' Sara Sue Sammut, Immanuel Mifsuds jüngster Sammlung von Kurzgeschichten (Minima 2002).

1965 in einer überzeugt nationalistischen Familie geboren, erzählt Sara Sue Sammut uns von ihrer Kindheit und Pubertät. Ihre erste Reise ins Ausland führt nach Catania, wo ihre Mutter billig Mars und Pepsodent einkauft und sie mithilfe eines Trinkgeldes an den Zollbeamten nach Malta schmuggelt. Während sie in einer Wurstfabrik arbeitet, trifft sie einige kommunistische Aktivisten. Ein Crash-Kurs in Revolution bringt sie dazu, Graffiti - 'Lasst euch jetzt scheiden!' - auf die Wände des Katholischen Institutes zu sprühen und die Autos ihres Chefs zu demolieren. Bei den Aktivisten der Kommunistischen Partei trifft sie Philip Farrugia, den 'proletarischen Dichter', und den ersten Mann, mit dem sie 'richtigen Sex' hat, unter dem Bild des großen Vorsitzenden Mao.

Mifsuds Stärke ist aber nicht nur die Auswahl der Themen, sondern seine Sprache. Hooligans erzählen die Geschichten von Hass und Wut in der ersten Person. Liebesbotschaften in einem verborgenen Chatroom im Internet werden neben anderen wiedergegeben, die für einen Sex-Chat und Handyanzeigen werben. Eine Fernsehansagerin erzählt uns wie sie eine russische Prostituierte - Ehefrau eines Matrosen von der Kursk - dazu gebracht hat, von ihrer Tragödie zu berichten und so die Einschaltquoten in die Höhe getrieben hat. Die Unterhaltung zwischen Drogenabhängigen unter sich wird in direkter Rede wiedergegeben. Und so bemerkenswert an all dem ist die Tatsache, dass wir es, jenseits der Rhetorik von Werten und Dekadenz, mit einer vollgültigen Sprache zu tun haben, die ihre eigene Welt beschreiben kann, unabhängig vom offiziellen, institutionellen Diskurs. Es ist die Sprache der Achtziger, der sogenannten jungen, entfremdeten Raver, der Ecstasy-Generation, des SMS-Vokabulars. Es ist eine Sprache, die sich über das Moralinsaure der offiziellen Sprache lustig macht, welche begonnen hat, die maltesische Literatur selbst zu dominieren.






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