Tschechische poetische Überlebensfibel

Jan Machácek
Prague[1]11
Heute ist Machácek Generaldirektor des Verlags Mladá fronta, welche Stellung gewiß als existenzsichernd gelten kann.
Eine Verlagskarriere wie die von Jan Machácek nimmt wohl keinen wunder. Liegt doch die Brotarbeit eines Redakteurs dem Schreibenden nahe. Nur Dissidenten im totalitären System lebten exzentrisch: Josef Brukner als Küster, Petr Kabea als Bademeister, Jaroslav Korán als Entwesungskraft. Der Ingenieur der Ökonomie Jan Machácek arbeitete nur in wirtschaftsbetrieblichen Positionen; an der Kasse des Verlages Ceskoslovenský spisovatel konnte er ziemlich genau beobachten, wie leicht es der kommunistischen Prominenz war, ihren Lebensunterhalt von Honoraren zu bestreiten. Heute ist Machácek Generaldirektor des Verlags Mladá fronta, welche Stellung gewiß als existenzsichernd gelten kann. Generaldirektoren pflegen zu behaupten, daß sie mindestens zwanzig Stunden täglich arbeiten. Nicht so Jan Machácek: er schreibt nach Feierabend Gedichte, ist an der Veranstaltung der Festspiele Franzensbad und die Literatur (Literární Frantiakovy Lázne) und der Lyrikabende an der kleinen Bühne U panáko beteiligt. 'Für Poesie muß ich mir Zeit nehmen', sagt er. 'Sonst könnte ich noch verrückt werden. An der Ökonomie ist schön, daß sie simpel und verständlich ist. Soll und Haben. Die Poesie schützt mich davor, daß ich zum Glauben gelange, alles sei gleichermaßen verständlich.'





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