In dieser Ausgabe
Tschechische poetische Überlebensfibel
Miroslav Hule
Wenn ihn sein Gedächtnis nicht täusche, habe Miroslav Hule sechs Kinder. Fünf von ihnen müsse er immer noch unterhalten, drei leben unter dem väterlichen Dach. Das ginge schwer, wäre er nicht eben Buchhändler und Verleger. Sein Buchladen auf dem Marktplatz in dem südböhmischen Städtchen Trebon wird von Kunden gerne frequentiert. Als junger Bauingenieur wollte Miroslav Hule dem Beispiel des erfolgreichen Teichwirts Jakub Krín aus Jelan folgen, der im Bau von zahlreichen südböhmischen Teichen involviert war. Eine Wohnung und Beschäftigung bekam er nach dem Abschluß des Studiums vom Fußballclub Jiskra Trebon, der auf Bezirksebene agierte. 'Ich habe grundsätzlich an der Spitze gespielt', erinnert sich Hule. 'Als Zubrot war das angenehm. Nach einem siegreichen Match bekam man im Umkleideraum zwei Hundertscheine auf die Hand, 1972 war das kein so geringes Geld.' Im Huleschen Firmenschild prunkt das lateinische Wort Carpio 'Karpfen'. Auch werden Bücher über Fische, Fischer und Teichleute von Hule selbst verlegt, die meisten Ressourcen fließen jedoch aus dem kvelb, 'Gewölb', wie man in Tschechien bzw. Österreich ein Geschäft nennen kann. 'In Trebon bin ich fast Monopolist, und das Geschäft geht nicht gerade schlecht', sagt er zufrieden.
© University of Wales, Aberystwyth 2002-2009
site by
CHL



