Tschechische poetische Überlebensfibel

Miroslav Huptych
Prague[1]111111
'Die Dichtung ist nichts zum Lebensunterhalt, sie ist zu geistig, zu intim.'
Der Dichter und Collage-Künstler Miroslav Huptych lernte Mechaniker und besuchte im Anschluß daran eine Medizinische Oberschule. Er arbeitete als Obduktionslaborant im Krankenhaus auf Bulovka in Prag, dann zehn Jahre als Pfleger bei Geisteskranken in der geschlossenen Abteilung der Prager psychiatrischen Klinik: 'Es wird behauptet, daß Geisteskranke und Dichter viele Gemeinsamkeiten aufweisen.' Seit einigen Jahren lebt Huptych vom Gehalt, das er als Therapeut im vom Rettungsdienst (Záchranná sluzba) getragenen Krisenzentrum des Regionalinstituts für ambulante psychosoziale Dienstleistungen (Regionální institut ambulantních psychosociálních sluzeb) bezieht. 'Die Geschichten, die ich bei der Behandlung zu hören bekomme, sind dermaßen interessant, daß ich mich manchmal frage, ob nicht ich fürs Zuhörendürfen bezahlen sollte. Die Dichtung ist nichts zum Lebensunterhalt', bekennt Huptych, 'sie ist zu geistig, zu intim. Sie ist eigentlich des Dichters Liebe, deswegen sollte sie nicht käuflich sein.'






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