GETROCKNETES RENTIERFLEISCH

Mikael Niemi in Schottland
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Musikniemi
Populärmusik från Vittula Mikael Niemi
Norstedts (2000)
ISBN 9113007734

Deutsch: Populärmusik aus Vittula
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
Umfang: 304 Seiten
Verlag: btb, München
Preis: 19,90 Euro
ISBN 3-442-75071-7

'Niemi tut für das Tornedal-Finnische, was Irvine Welch für das Straßenschottische getan hat.'

von Anna Paterson.

Ein großer, dünner Mann, jungenhaft und eifrig aussehend, hat die Bühne im Signierzelt auf dem Edinburgh Book Festival erklommen. Mikael Niemi, er ist es wirklich, wird von Leuten umringt, die ihre Exemplare von Populärmusik aus Vittula fest umklammern. Seit seiner Veröffentlichung letztes Jahr (2002), hat Niemis Roman einen erstaunlichen weltweiten Erfolg gehabt. 'Erstaunlich', denn das Buch erzählt die Geschichte eines pubertierenden Jungen, der in Pajala, einem Dorf in der abgelegenen Gegend des Tornedal an der Schwedisch-Finnischen Grenze.

Niemi unterhielt sich und sein Publikum, indem er jedem Fan eine Kostprobe seines getrockneten Rentierfleisches anbot. Er schnitt Scheiben von dem Brocken aus dunkelroter, kompakter Materie ab; er gebrauchte dabei sein beunruhigend scharf aussehendes Jagdmesser. Ein PR-Trick? Ja, aber ebenso ein Geste der Verbundenheit; Mikael Niemi ist sowohl gebildet als auch ursprünglich.

Der besondere Erfolg von Populärmusik ließ es als einen Leckerbissen für eine globale Leserschaft erscheinen, die das Exotische liebt. Aber die Geschichte ist Niemis eigene, und das Buch ist das Werk eines Autoren, der sich für das Tornedal und seine gesprochene Sprache, eine Variante des Finnischen, engagiert. Die Witze gehen häufig auf Kosten des Lesers, inklusive 'aus Vittula', was auf Finnisch 'aus der Fotze'. Vittula ist der einheimische Name für den Wohnblock, in dem Niemi als Junge aufwuchs.

'Die da oben' fördern das Schwedische, wobei sie zähneknirschend 'richtiges' Finnisch als Zweitsprache akzeptieren. Es hat Niemi aufgebracht, dass die Bewohner des Tornedal zu 'Analphabeten in ihrer eigenen Sprache' gemacht werden. Auf Schwedisch erzogen, zieht Niemi den 'robusten Humor und die Phantasie der finnischen Kultur' vor. Er betont, dass er 'auf Finnisch fühlt' und er hat Gedichte und Theaterstücke für die Einheimischen geschrieben. Seine Nachbarn waren erfreut und stolz, ihre eigene Sprache auf der Bühne zu hören: Man kann auf Schwedisch nicht laut lachen.' Das brachte Niemi zu der Entscheidung, dass er das für das Tornedal-Finnische tun wollte, was Irvine Welch für das Straßenschottische getan hat, dabei alles neue einzuschließen, dabei aber seine Wurzeln im regionalen Sprachgebrauch zu respektieren. Es scheint zu funktionieren, sagte er, fügte aber hinzu, dass andere nördliche Sprachen viel gefährdeter sind, vor allem das Süd-Sami, das von weniger als 300 Leuten gesprochen wird.

Der wirtschaftliche Effekt von Populärmusik auf das Tornedal hat ihn gefreut. Fischfang und Landwirtschaft, die immer von 6 Monaten der Dunkelheit und extremer Kälte beherrscht werden, reichen noch nicht zum Leben. Die jungen Leute wandern in Scharen ab und die Arbeitslosigkeit unter denen, die bleiben, ist hoch. Aber die Dinge ändern sich jetzt, wo Busladungen von Touristen auftauchen und alle Orte und Leute sehen wollen, über die sie gelesen haben.

In einer ernsthaften Nebenbemerkung bezog sich Niemi auf seine Überzeugung, dass man 'das Universelle im Lokalen finden' kann. Dies ist kein mystischer Glaube, genauso wie seine intensive Identifikation mit der unberührten Natur Teil seines Erbes ist und nichts zu tun hat, wie er betont, mit magischem Realismus. Es gibt eine direkte Beziehung zwischen einer geliebten und respektierten lokalen Kultur und politischem Bewusstsein. Das lokale Selbstvertrauen ist in der jüngsten Zeit stärker geworden und vielleicht kann das Tornedal einmal eine autonome Region werden. Dies ist das zentrale Anliegen von Niemi als Schriftsteller.






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