In dieser Ausgabe
NORD-KATALONIEN
Ein Land mit zwei GrenzenMit dem Vertrag von Corbeil 1258 wurde der Streit zwischen Frankreich und dem Königreich Aragonien beendet und Nordkatalonien und Barcelona dem Pyrenäenstaat zugesprochen. Mit dem Pyrenäenvertrag 1659 jedoch fiel Nordkatalonien an Frankreich und wurde in den letzten 4 Jahrhunderten von der französischen Kultur und Sprache dominiert. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfuhr der Katalanismus im kulturellen Bereich auch in Nordkatalonien neuen Aufwind, und in den 70er Jahren begann man in der Region, an den Schulen Katalanisch zu unterrichten, zunächst auf freiwilliger Basis und später dann als Wahlfach. In den folgenden Jahren gewann der Katalanismus auch in der Politik an Bedeutung, war sogar zeitweise im Stadtrat von Perpignan vertreten und in diesem günstigen politischen Klima konnten katalanische Sprache und Kultur erhalten bleiben.
Rückgang der Katalanischen Sprache
Der katalanisch sprechende Bevölkerungsanteil in Nordkatalonien ist rückgängig. In der letzten Ausgabe der zu Beginn des Jahres von der Paul Valéry-Universität in Montpellier veröffentlichten Fachzeitschrift Lengas. Revue de sociolinguistique analysiert Jean-François Courouau die Ergebnisse der beiden Umfragen zu soziolinguistischen Aspekten beim Gebrauch des Katalanischen die in Capcir, Conflent, Rosselló, Vallespir und Alta Cerdanya (Nordkatalonien) durchgeführt wurden.
Die Untersuchungsergebnisse bestätigen die aktuelle Tendenz: 1993 gaben noch 36,8 % der Bevölkerung an, Katalanisch perfekt zu verstehen; 1997 waren es nur noch 24 %. Der Anteil der aktiv Katalanisch sprechenden Bevölkerung hat sich von 33,7 % auf 17 % reduziert und auch das Lese- und Schreibvermögen in dieser Sprache haben abgenommen.
Die Aktuelle Lage der Katalanischen Sprache in Nordkatalonien
Heute sprechen nur noch die älteren Menschen in den Dörfern Katalanisch und die jüngere Generation findet in ihrem sozialen Umfeld immer weniger Anlässe dafür, sich in dieser Sprache auszudrücken. Dabei spielt die Zuwanderung kaum eine Rolle, denn innerhalb des Untersuchungszeitraums hat sich der Bevölkerungsanteil von Zuwanderern aus Algerien und Nordafrika sowie Rentnern aus dem Norden Frankreichs nicht verändert.
Der Grund für den verminderten Gebrauch der katalanischen Sprache ist vielmehr in der Dominanz des Französischen zu suchen, offizielle Staatssprache und auf sämtlichen Ebenen des öffentlichen Lebens omnipräsent. Französisch zu sprechen, wird noch immer gleichgesetzt mit Fortschritt und sozialem Aufstieg, eine Vorstellung, die sich in Frankreich nach Ende des 2. Weltkriegs durchsetzte und zu einer Abnahme des Gebrauchs der katalanischen Sprache führte, die bis dahin zumindest in den ländlichen Gebieten gesprochen wurde.
Nordkatalonien ist ein Land mit zwei Grenzen: Im Norden führt die Dominanz der französischen Kultur und Sprache zu einem schleichenden Identitätsverlust und im Süden scheinen die spanischen Katalanen ihre Landsleute in Frankreich vergessen zu haben.
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