NORD-KATALONIEN

Sechs nordkatalanische Künstler

Wir haben sechs nordkatalanische Künstler befragt und wollten wissen, wie diese Situation ihre Arbeit beeinflusst.


1. Joan Lluís Lluís

Joan-Lluís Lluís ist der Autor von Conversa amb el meu gos sobre França i els francesos (La Magrana) (Gespräche mit meinem Hund über Frankreich und die Franzosen) und er erzählt, dass in Frankreich die Vorstellung herrscht, dass die bestehenden Grenzen unverrückbar seien und alle Franzosen von den Galliern abstammen.

Dabei ist es nebensächlich, dass Nordkatalonien einst von den Iberern bevölkert wurde, denn diese von den Franzosen 1569 annektierte Region existiert offiziell nicht. In Frankreich ist sein auf Katalanisch geschriebenes Buch weit gehend unbemerkt geblieben und in Perpignan rief es sehr unterschiedliche Reaktionen hervor: 'Die Menschen, die auf Katalanisch lesen möchten, haben Interesse, teilweise auch Kritik, aber vor allem Interesse gezeigt. Denen, die kein Katalanisch verstehen, war das Buch gleichgültig und eine andere Gruppe, die zwar Katalanisch lesen könnte, weigert sich es zu tun, weil sie dem französischen Traum des Jakobinismus, des Zentralstaats nachhängen und zwar unabhängig davon, ob sie ideologisch eher links oder rechts anzusiedeln sind'.

Lluís, geboren 1963 in Perpignan, war seit 1987 als Journalist bei der Zeitschrift Punt Diari Catalunya Nord tätig und schreibt noch immer Artikel für dieses seit Mitte der 90er Jahre an Einfluss verlierende Blatt. 1993 erschien sein erster Roman Els ulls de sorra (Augen aus Sand), eine Erzählung, die mit der herrschenden regionalen Literatur brach und von dem katalanischen Verlag La Magrana herausgegeben wurde. Lluís geht nicht weiter auf die Unmöglichkeit ein, die katalanische Sprache in einem Land durchzusetzen, in dem zwar niemand darauf verzichten möchte Katalane zu sein, der Sprachgebrauch jedoch stark rückgängig ist. 'Das französische Staatsmodell ist an seine Grenzen gestoßen und es hat ein vorsichtiger Dezentralisierungsprozess begonnen, der jedoch vielen Menschen Angst macht und von einer konservativen Sprachpolitik begleitet wird.'

Lluís weist darauf hin, dass Frankreich zwar zusammen mit den anderen Staaten der Europäischen Union den Schutz und die Förderung von Minderheitensprachen vereinbart, das entsprechende Abkommen jedoch nie unterzeichnet hat. Lluís ist ein Pessimist, der störrisch weiterhin auf katalanisch publiziert, obwohl seine Landsleute mehrheitlich keinerlei Interesse an seiner Arbeit zeigen und er schon des Öfteren mit dem Gedanken gespielt hat, Nordkatalonien zu verlassen. Bisher ist er allerdings geblieben und hat auch weiterhin vor, 'das zu tun, was er als richtig empfindet, unabhängig davon, ob es Erfolg hat oder nicht, und auf jeden Fall nie auf Französisch zu schreiben'.

Lluís ist mit der Zeit zu der Erkenntnis gekommen, dass die Franzosen ihn nicht brauchen und er die Franzosen auch nicht. 'Meine Eltern kommen aus dem Süden und ich habe meine Kindheit in einem Klima der Unterlegenheit gegenüber den echten Franzosen verlebt, obwohl sie auch Katalanen waren. Zuerst fühlte ich mich mehr Franzose als Katalane, dann beides, danach mehr Katalane als Franzose und letztlich nur noch Katalane', also ungefähr wie 'ein Fremder zu Hause'. 'Ich bin nicht so intolerant und scheinheilig wie diese Rentner der Nationalen Front, die sich hier so heimisch fühlen. Ich kann das nicht. So kommt es zu der unmöglichen Situation, dass man sich in Ampurias eher zu Hause fühlt als dort, wo man geboren ist'.










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