NORD-KATALONIEN

2. Joan Daniel Bezsonoff

Mit einem Anflug von Sarkasmus kommentiert dieser Autor, dass sein nächster Roman durchaus die Fortsetzung der Erzählung von Lluís Lluís sein könnte und dann mit dem Titel Converses amb el meu lloro explicant la sort que els catalans de l'Estat espanyol teniu de ser espanyols (Gespräche mit meinem Papageien über das Glück der Katalanen in Spanien, Spanier zu sein). 'Es wäre toll, wenn wir hier in Nordkatalonien die Sprachpolitik der Konservativen in Valencia durchsetzten könnten, denn leider ist die Rechte in Spanien geradezu fortschrittlich im Vergleich zu Frankreich'. Sein letzter Roman La presonera d'Alger (Die Gefangene von Alger) ist gleichzeitig das erste von ihm in Katalonien veröffentlichte Buch. 'Hier [in Nordkatalonien] hat vorher niemand Interesse gezeigt, aber seit ich einen Roman im spanischen Katalonien veröffentlicht habe, klopfen mir die Leute mit einem «Bien, tu publies à Barcelonne» auf die Schulter, denn Barcelona ist schließlich immer noch die Hauptstadt'.

Bezsonoff (Perpignan, 1963) haben die langen Jahre schriftstellerischen Misserfolgs geholfen, mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben: 'Ich neige zur Euphorie und diese negativen Erfahrungen helfen mir, den derzeitigen Erfolg zu relativieren'. Bezsonoff möchte den Menschen in Roussillon helfen, ihre nationale Identität wieder zu finden und hat sehr konkrete Vorstellungen, was den Sprachgebrauch angeht: 'In der Schule wird meistens das Katalanisch aus Zentralkatalonien gelehrt und nicht die hier in Roussillon gesprochene Mundart. Viele Schüler vergessen das Katalanische auch schnell, weil sie es zu Hause nicht sprechen. Man kann eine Sprache nur beherrschen, wenn man sie korrekt gelernt hat, aber sie bleibt nur lebendig, wenn sie im persönlichen Umfeld auch gesprochen wird'. Bezsonoff ist Katalanischlehrer und unterrichtet auf einer höheren Schule in Perpignan und obwohl er nicht gerne über dieses Thema spricht, stellt er klar: 'Die Schule ist in den letzten zwei Jahrhunderten zu einem perfekten Instrument der Gehirnwäsche geworden und hat sich zum Ziel gesetzt, alles vom Französisch Abweichende auszumerzen'.

Der Erfolg dieser Sprachpolitik ist nicht zu übersehen. Dem gegenwärtigen Bürgermeister von Perpignan, Joan Pau Alduy, der 1993 sein Amt von seinem Vater übernommen hat, ist es gelungen, eine Abteilung für Katalanische Kultur mit eigenem Etat einzurichten. 'Allerdings sind die meisten Bewohner der Stadt entweder keine Katalanen, oder das Thema ist ihnen gleichgültig oder aber sie sind dagegen. Wenn der Bürgermeister klug ist, sich also wie ein guter Franzose verhält, dann gibt er dieses Projekt schnell wieder auf'.

Ein wichtiger Faktor bei der Katalanisierung ist der Rugbyverein von Perpignan, USAP, der bei den französischen Meisterschaften 1998 in Paris mit 40000 Anhängern angereist ist und den Pokal nach Hause holte. Aber dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist nur bei den Spielen spürbar. 'Es lebe Katalonien, es lebe die Heimat, aber ändert das was?' Mit seiner feinen Ironie bemerkt Bezsonoff: 'Früher war ich sehr pessimistisch und heute bin ich ein Pessimist. Ich sage schon seit zwanzig Jahren den Tod der katalanischen Sprache voraus, und sie lebt immer noch. Das ist doch ein gutes Zeichen'.










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