In dieser Ausgabe
NORD-KATALONIEN
3. Pascal ComeladePascal Comelade ist einer der bekanntesten katalanischen Musiker, der dem breiten Publikum jedoch weitgehend unbekannt ist. Das liegt nicht etwa daran, dass er immer schwarz gekleidet ist oder daran, dass er sich immer hinter einem Klavier versteckt, von dem man nicht weiß, ob es echt ist oder nicht, es hat vielmehr etwas mit der Tatsache zu tun, das Comelade sein Werk wichtiger ist als dessen Verbreitung.
Laut Comelade ist in Nordkatalonien die katalanische Kultur sehr präsent. Er zählt nur einige der fast 160 katalanischen Vereine und Zentren auf, die Katalanische Schule, den Sprachkreis mit den in den 80er Jahren entstandenen Katalanisch unterrichtenden Schulen La Bressola i Arrels im Mittelpunkt, die Sänger und Musiker, Radio Arrels, das seit 1981 auf Katalanisch sendet, zahlreiche Veranstaltungen und natürlich die Menschen, die jeden Tag Katalanisch sprechen. Heißt das dem Katalanischen geht es gut? 'Leider nein, es wird immer weniger gesprochen'.
Er sagt das mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der er vorher die zahlreichen Beispiele katalanischer Kultur und Sprache aufgezählt hat und erklärt das wie folgt: 'Mehr als 60% der Bevölkerung sind keine Katalanen. Es handelt sich nicht um Ausländer, sondern um Menschen, die hier zu Hause sind und unsere, die katalanische Kultur, ist hier in der Minderheit. Das nordkatalanische Kulturprogramm über ein Jahr betrachtet, gleichgültig ob es sich um Aktivitäten hier in Perpignan oder auf dem Land handelt, sieht nicht mehr als drei bis vier Prozent der Veranstaltungen oder Projekte auf Katalanisch vor. Es ist einfach eine Tatsache, das mehr als 80 Prozent der Aktivitäten im kulturellen Bereich auf Französisch durchgeführt werden, egal ob es sich um offizielle oder inoffizielle Anlässe handelt, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.
Die für katalanische Kultur zuständige Stadträtin von Perpignan organisiert Musikveranstaltungen, aber dazu gehören auch Jazzkonzerte oder andere von der Stadt geförderte Musikrichtungen. Mit katalanischer Kultur hat das alles wenig zu tun. Man spürt hier eher eine antikatalanistische Stimmung und dann ist da die Grenze: außer mir oder der Gruppe Blues de Picolat besteht eigentlich keinerlei Zusammenarbeit mit Gruppen aus Figueres, Girona oder Barcelona'.
Comelade wurde 1955 in Montpellier geboren, lebt heute in der Nähe von Ceret und hat zum südlichen Katalonien eine Beziehung, die er selbst als 'normal' bezeichnet. In seiner Jugend, während des Booms des 'Latin Rock' hat er eine Zeit lang in Barcelona gelebt und was ihn am Meisten stört ist, dass seine Arbeit in Nordkatalonien nicht die gewünschte Anerkennung erfährt. 'Vor Monaten hat die lokale Presse in Perpignan über meine Musik geschrieben (Psicòtic Music Hall, CD, Drac/Delabel, 2002) weil in Paris an jeder Häuserwand Plakate von meinem Konzert prangerten. Das hat hier so etwas wie Interesse hervorgerufen. Aber ich hatte einen Monat vorher in Barcelona vor der Kathedrale ein Konzert mit 8000 Zuschauern gegeben, mein Album wurde in Barcelona herausgegeben und hier hat niemand davon Kenntnis genommen. Wichtig ist nur, was man in Paris macht. Wenn man mit Erfolg in Barcelona auftritt, hieße das ja, das die grenzübergreifende katalanische Identität eine Wirklichkeit ist und das ist den Politikern unangenehm'.
Pascal Comelade lebt sozusagen drei Leben: einmal als nordkatalanischer Musiker, der seine Erfolge im südlichen Katalonien erzielt, dann als Musiker in Nordkatalonien und zuletzt als französischer Musiker. 'Ein heilloses Durcheinander'.
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