In dieser Ausgabe
DIE DIASPORA AUS MUNSTER
Louis de Paor
Louis de Paor.
Katzenfrau
Es war die Katze in ihr, die nicht zuließ
dass dem räudigen Fellbündel,
das sein Gebrechen
über unsere ungastliche Schwelle schleppte,
Obdach verwehrt wurde.
Einen Monat lang teilte sie
aus freiem Herzen mit dem Elend,
das zum Teller kam,
den sie aufs Fensterbrett stellte.
Wenn ich die sonderbare Freundschaft belächelte,
warf sie mir einen Blick zu,
der scharf wie eine Kralle
einen Kratzer über die Wange
unseres Zusammenseins zog.
Sie war nicht zu Hause - der Nachbar nebenan
ersetzte grade Stroh mit Schieferplatten
auf dem hohen Dach der Welt -
da rissen Hunde die Katze in Stücke,
und es war nicht klar,
sagte mein freundlicher Nachbar,
war es beim Zerbrechen der Knochen
oder Zerquetschen des Kehlkopfs,
als sich ihr ein Ächzen entrang
wie einem Blasebalg,
obwohl es tot war, das stumme Ding.
Und der schrille Ton, der die Lüfte verwundet
wenn die Schwäne nach Süden ziehen,
woher kommt er? Vom Schlagen der Flügel
oder dem Ruf aus den Kehlen, der verkündet,
das den Schönen der Himmel gebührt
und alles, was darunter ist?
Katzenfrau sagte nichts,
biss nur auf die Krallen ihrer Pfoten
und ignorierte die Milch der Worte,
die ich in jener Nacht
überall im Haus für sie hinstellte.
Wäre sie nur aufdem Nachbardach
mit einer Flinte im Griff,
sagte ihr sprechend klares Auge,
dann schösse sie auf die Vogeltruppe,
verwandelte den stolzen Gesang
in ein Gestöber windbeschmutzter Federn,
damit mein Hundeohr
nie vom jämmerlichen Winseln befreit werde,
ausgestoßen von einem hässlichen Geschopf,
das der Welt kaum schnell genug starb,
am Tag als die Katze in ihr getötet wurde.
© University of Wales, Aberystwyth 2002-2009
site by
CHL



