EINE STIMME, ZWEI SPRACHEN

Diarmuid Johnson
Dj 02 0411
Lesen Sie unten drei Gedichte von Diarmuid Johnson.
Diarmuid Johnson wurde 1965 in Cardiff in Wales geboren. Er zog im Alter von drei Jahren nach Irland und erhielt seine Ausbildung in Galway. Von 1989 bis 1996 unterrichtete er keltische Sprachen in Frankreich, Deutschland und Irland. Seit 1997 hat er hauptsächlich als freier Autor, Übersetzer und Lektor gearbeitet, sowohl im Bereich Printmedien als auch für das Fernsehen, auf Irisch, Englisch und Walisisch. Er war von 1999 bis 2000 Herausgeber von Cuisle, einer landesweit monatlich erscheinenden irischsprachigen Zeitschrift. Unter den Literaturpreisen, die er erhalten hat, ist der Dún Laoghaire International Poetry Festival Prize (2000). Seine Werke sind in An Chéad Chló (First Flush) (Cló Iar-Chonnacht, 1997), und Fearann Pinn (The Pencil Acre) (ed. Ó Dúill, Coiscéim, 2000), einer Auswahl irischsprachiger Dichtung des 20. Jahrhunderts, erschienen. 1994 veröffentlichte er zusammen mit Jean Claude Lozac'hmeur Dafydd ap Gwilym, petite anthologie d'un grand poète (WODAN, Amiens 1994), eine Auswahl eines wichtigen walisischen Dichters des 14. Jahrhunderts auf Französisch. Súil Saoir ('Das geschulte Auge') , eine Auswahl von Gedichten auf Irisch erscheint bald bei Cló Iar-Chonnachta. Coinnigh do Mhisneach, eine Übersetzung des Romans Yfory Ddaw ('Komme morgen') von Sioned Wyn Jones erschien dieses Jahr (Cló Iar-Chonnachta 2004). Diarmuid Johnson ist Herausgeber von Transcript und ist Mitglied des Teams von Welsh Literature Abroad (WLA).






Berichte eines Psychologen
Übersetzung von Tom Kannmacher.
Dein Name stand im Buch,
Deine Qualitäten in jedem Kapitel
Die Trauer, die Angst, die Freude,
Aber dies mit zu erleben war Dir zuwider
Und du hast dieses Buch verbrannt.

Deine Seele war
In einem gläsernen Käfig
In einem leeren Käfig
Mit einem Zettel daran,

Ohne dein Leben
Darin erspüren zu können
Oder deinen Pulsschlag
Den Käfig hast du in Trümmer gelegt.

Trümmer und Feuer:
Selbst befreit hast du dich,
die Freiheit zu fliegen
Gabst du dem Vogel
und mir Hinterbliebenem
blieb nur eine Handvoll Federn

Nachdem ich das Buch geschrieben,
Den Käfig gebaut habe

Denn ich habe das Geheimnis nicht gelüftet:
Der Himmel ist Teil des Vogels
Der Himmel ist Teil des Vogels.






Gesanglos
Übersetzung von Tom Kannmacher.
Wir sind ein gesangloses Volk
Unsere Dichtung
Wurde zum Verstummen gebracht
Das Lied des Vaters hat kein Feld
Die Liedwiege der Mutter ist leer.
Unsere Lieder waren Fleisch für die Wölfe
Die Worte verliehen den Wölfen
Ein glänzendes Fell
Und das Lied der Wölfe
Klang kalt durch den Wald
Tief im Winter unserer Dichtung
Auf der Wanderung über unbesungene Felder.
Kinder der Jahre ohne Reim,
Haben wir uns die Hände
An fremden Feuern gewärmt
Und schauten zu,
Wie die Flamme lautlos tanzte.
Unsere Väter schlugen eine Schneise
In den Winterwald mit der breiten Axt
Aber der schwarze Wolf stahl das Arbeitslied,
Sein schwarzer Atem schwärzte die Lyrik.
Auch der schwarze Wolf lernte das Wiegenlied
Und überwintert in der Wiege im tiefen Wald
Wir werden nicht singen im Frühling
Wir spüren, wie der Saft aufsteigt
Und hören zu, ohne Stimme.






Torf
Übersetzung von Tom Kannmacher.
Kaum ein Tag, so Gott will
an dem Máirtín Tom
nicht die Torf-Tour zu machen pflegte.
Eine Meile bergauf
auf dem kleinen Wagen, blau,
mit einem roten Streifen durch,
der Esel, zielstrebig,
dabei zahm zwischen den Deichseln
von Aill a' Phréacháin nach Cnocán na gCapall
vorbei an den Currachaí
bis Bóithrín na hAbhann,
von dort hinauf nach Seanadh Draighín...

Dort oben an der Torfbank
im Land der Lerche, der gelben Blumen,
stach er den Tagesbedarf
von der Torfkante ab
stapelte die Torfsoden
Stück für Stück auf den kleinen Wagen
und nahm Kurs nach Hause hinunter
ohne Verzug, ohne Hast,
Mann, Esel, an einem Strang.

Ein Esel, naja.
Heutzutage ist es selten,
daß man sein Geschrei zu hören bekommt
von Feld zu Feld,
getragen vom Wind, früh und spät.
Die wenigen, die weiter gehalten werden,
können einem leid tun,
Hintern gegen den Wind gerichtet,
die Hufe ungepflegt,
ohne Wagen, ohne Fürsorge, ohne Freund.
Anders der Esel von Máitín Tom,
der kleine Torfesel -
ohne ihn gäbe es kein Feuer im Herd.

Dieses Lob wog nicht genug,
auch nicht die Erinnerung Mariä selbst,
als der Händler vorbeikam,
ein vielbeschäftigter Mann,
der nicht viel zu erzählen weiß
(ein Retter der Esel, aus seiner Sicht)

'Er bringt dir 20 Pfund',
sagte der älteste Sohn,
'Tabak für drei Monate', sagte ein anderer.
Du mußt nicht raus in Regen und Wind.
Wir bringen den Torfstapel
hinunter zum Haus auf dem Traktor,
Einmal rauf und runter - was willst du mehr?

Zwanzig Pfund.
Seine Kinder bedrängen ihn,
liegt ihm in den Ohren.
Martin Tom gab nach.
Und wie er nachgab,
wurde sein Herz zu Stein.

Mannhaft, ohne Träne,
beweinte er die Torftour.
Das Halfter und die Trense aufgehängt im Schuppen
Die Farbe abblätternd vom Wagen,
kein Öl an der Achse,
die Enden der Deichseln
in die Erde eingesunken.

Er beweinte den Klang der Hufe
wie sie über Leac a' Damhsa gingen,
das Antreiben zu Beginn des Aufstiegs
das Schmauchen der Pfeife,
wenn der Wagen aufgeladen ist,
den herzlichen Segensspruch für den,
der draußen ist in Wind und Wetter,
den weiten Himmel über der Bucht,
die Rauchfahne (ein Schwarzbrenner),
den Tau auf dem Rasen,
den Hasen, den Fuchs, den Falken,
die Handvoll Hafer, im Blecheimer klingend,
den Schweiß, das Fell.

Máirtín Tom,
er verkaufte den Esel.
Der Torfstapel steht am Giebel des Hauses.
Seit einem Jahr
hat man den Herrn nicht mehr gesehen.

Aber der schöne Tag wird kommen
nach St. Patrick,
und er wird, so Gott will,
wieder die Torf-Tour machen,
aber dieses Mal
auf dem Anhänger von Massey Ferguson.











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