LEITARTIKEL

Gälische Literatur heute
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von Diarmuid Johnson.

Anlässlich der Prager Buchwelt 2004, wo Schottland, Irland und Wales gemeinsame Gäste sind, begrüßt Sie Transcript zu seinem Überblick über zeitgenössische Literatur in Irisch und Schottisch-Gälisch. In dieser Ausgabe lenken wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die Arbeiten von fünfzehn Autoren, die auf Irisch veröffentlichen, und wir konzentrieren uns in unserer Extraausgabe über Schottland auf vier Schriftsteller, deren Karrieren sehr erfolgreich voranschreiten.

Das Programm Ùr-Sgeul (Roman) in Schottland ist eine spannende Entwicklung in der Welt der gälischsprachigen Literatur. Koordiniert vom Gaelic Books Council und unterstützt von der Autorenwerkstatt des Scottish Arts Council, ist Ùr-Sgeul eine Initiative, um neue gälische Literatur für Erwachsenen zu entwickeln. In 'Schreiben auf Schottisch-Gälisch' (siehe links), stellen wir unter anderem die ersten drei Bücher der Ùr-Sgeul-Reihe vor.

Wenn wir uns weiter südlich nach Nordirland begeben, sehen wir, dass Spracherwerb und Sprachaneignung in den Ballungsgebieten dazu geführt hat, dass Irisch die bevorzugte Sprache mehrerer Mikrogemeinschaften geworden ist. Die stärksten dieser Gemeinschaften finden sich in West Belfast und Derry (Londonderry). Transcript stellt Ihnen Cathal Ó Searcaigh, Gearóid Mac Lochlainn und Pádraig Ó Siadhail vor, drei Autoren, die Beziehungen nach Donegal, Belfast bzw. nach Derry haben.

Die Gaeltacht ist ein Begriff, der gebraucht wird, um Regionen zu bezeichnen, in denen Irisch die vorherrschende Sprache ist. Die Tatsache, dass viele Muttersprachler Irisch nur teilweise lesen und schreiben konnten und können, ist bis heute ein Hindernis auf dem Weg zu einer modernen Literatur. Transcript stellt Ihnen Joe Steve Ó Neachtain, Micheál Ó Conghaile und Pádraig Ó Cíobháin vor, drei Autoren aus der irischen Gaeltacht, die mit großem Engagement um eine Leserschaft in dieser Umgebung werben.

In den letzten zwanzig Jahren haben Übersetzungen aus dem Irischen ins Englische stark zugenommen. Die heutigen Autoren, die eigentlich auf Irisch schreiben, verfolgen ihre Karrieren zweisprachig. Die Übersetzung droht allerdings oft das eigentliche kreative Schreiben zu überdecken. Texte auf Irisch sind wie schüchterne Kinder an der Hand der übermächtigen Übersetzung. Die Zeit wird ausweisen, ob dieses Phänomen dazu beiträgt, das Irische als Medium des Kreativen endgültig zu unterminieren.

Was sind die Aussichten für das Irische als Medium der Kommunikation? Ist die alte Sprache als Code des Alltags von weniger als 3% der Bevölkerung quasi bettlägerig geworden, ernährt vom Tropf des Staates? Vielleicht nicht ganz. Mehrere Stunden täglichen Fernsehprogramms werden täglich auf TG4 ausgestrahlt. Es gibt Tages-, Wochen und Monatszeitungen. Irischsprachige Programme können Tag und Nacht auf Raidió na Gaeltachta, RTÉ und BBC Northern Ireland gehört werden.

Doch steht das Gewebe der Sprache, wie das vieler kleinerer Sprachen, unter starker Anspannung. Die Anstrengungen, fremde Einflüsse zu minimieren, haben aus ihm einen Karren gemacht, der unter der Last von Wortneuschöpfungen ächzt, während seine Bewegungen und seine Syntax sich zunehmend von den Bewegungen des Englischen ableitet.

Wie auch immer, das irischsprachige Verlagswesen ist gesund. Kinderbücher eingerechnet, erscheinen jährlich Dutzende Titel. Trotz dieser Tatsache sind die Verkaufszahlen gering: von vielen Büchern werden weniger als dreihundert Exemplare verkauft. Ganz wenige können mit einer vierstelligen Verkaufszahl aufwarten. In Schottland sind die Bibliographien der jüngsten Veröffentlichungen noch kürzer, und die Verkaufszahlen sind ähnlich niedrig wie in Irland.

In seiner Besprechung von Angus Peter Campbells An Oidhche Mus do Sheol Sinn (Die Nacht bevor wir segelten) bemerkt Aonghas Mac Neacaill: '[Seine] Liebe zum Detail, zu den Figuren und zur Sprache und die Begabung, mit der er die Geschichte konstruiert, macht ihn zu einem Roman, für den es wert ist, Gälisch zu lernen'. Verleger und Autoren auf Irisch und Schottisch-Gälisch sollten über die implizierte Frage nachdenken: wird das, was heute geschrieben wird, zusammen mit Werken wie denen von Angus Peter Campbell, es wert sein, morgen Irisch und Schottisch-Gälisch zu lernen?



Übersetzung: Peter Busse.








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